Montag, 20. Juli 2015, 22:25 Uhr

Jake Gyllenhaal: "Es geht um Leben und Tod, wenn du in den Ring steigst"

Jake Gyllenhaal sprach jetzt über seine unglaubliche Verwandlung für den Film ‘Southpaw’. Nach seiner außergewöhnlichen Leistung in dem Paparazzo-Drama ‘Nightcrawler’, in der er sich 10 kg heruntergehungert hatte, trainierte sich der 34-jährige für das Sport-Drama’„Southpaw’ in seiner Rolle als Billy Hope einen entgegengesetzt extremen Body an.

Jake Gyllenhaal: "Es geht um Leben und Tod, wenn du in den Ring steigst"

Nach einer Story von ‘Sons Of Anarchy’-Erfinder Kurt Sutter erzählt Regisseur Antoine Fuqua (‘The Equalizer’, ‘Training Day’) in einer explosiven Mischung aus Action und Emotion von einem sportlichen und persönlichen Comeback.

Mehr als fünf Monate bereitete sich sein Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal mit intensivstem Training vor. An seiner Seite glänzen Oscar-Preisträger Forest Whitaker, Rachel McAdams sowie Naomie Harris, Rita Ora und Curtis “50 Cent” Jackson.

Billys Kämpfe wirken bedeutend authentischer, näher dran am tatsächlichen Sport als alles, was Hollywood je gezeigt hat. Originalschauplätze wie der Madison Square Garden verleihen dem Film schillernde Echtheit, zugleich verzichtet Fuquas sehr präzise Inszenierung auf jedwede sensationsheischende Übertreibung. Andererseits erhebt sich ‘Southpaw’ über das Genre, wenn er über weite Strecken Billys emotionale Achterbahnfahrt in den Fokus rückt. Billy muss erst ganz unten ankommen, ehe er die Kraft und den Willen findet, seinem Leben eine neue Richtung zu geben. Katalysator dieses Wandels ist der in die Jahre gekommene Boxtrainer Tick Wills (Forest Whitaker), der vor langer Zeit dem großen Boxzirkus den Rücken kehrte, nun aber Billy zögerlich unter seine Fittiche nimmt.

Jake Gyllenhaal: "Es geht um Leben und Tod, wenn du in den Ring steigst"

Neben den grandiosen Szenen im Boxring sind es gerade die stillen Momente zwischen diesen beiden Männern, die ‘Southpaw’ zum Ereignis machen. Fuqua nimmt sich viel Zeit fürs Nachdenkliche und Therapeutische, überaus einfühlsam beschreibt er Billys allmählichen Lernprozess. Und gerade weil die Dinge nicht auf Anhieb wieder ins Lot kommen, sondern sich nur sukzessive entwickeln, ist sein Film so intensiv geraten.

„Der Grund, warum ich bestimmte Figuren spielen möchte, ist mein Zweifel, ob ich es kann“, so Gyllenhaal. „Antoine hat vor Jahren an mich geglaubt, als ich das noch nicht einmal ahnen konnte, und dann hat er während des Projekts daran geglaubt, dass ich es kann. Ich denke, wenn jemand an dich glaubt, bist du am besten.“ So intensiv, wie Gyllenhaal in die Rolle des Billy eintaucht, glaubt man kaum, dass der Film für einen ganz anderen Darsteller gedacht war, nämlich den Rap-Musiker Marshall Mathers, besser bekannt als Eminem. Kurt Sutter, der Mann hinter der Fernsehserie ‘Sons of Anarchy’, dessen Vater früher semiprofessionell boxte, wurde zum ersten Mal vor drei Jahren vom Team des Rappers angesprochen, ob man nicht ein Remake des Boxklassikers ‘Der Champ’ (1979) zusammen angehen wolle.

Sutter hielt jedoch nichts von der Idee, einen alten Film neu zu inszenieren: „Ich versuche, nichts zu machen, was nach einem zweiten Aufguss aussieht, und darum war mein Pitch zu dieser Zeit, Marshalls Story durch die Analogie des Boxens zu erzählen.“

Fuqua und Gyllenhaal waren gemeinsam mit Sutter entschlossen, einen Film zu drehen, der sowohl eine realistische Ode ans Boxen als auch eine komplexe Familiengeschichte war. Dazu bemerkt Jake Gyllenhaal: „Was mich von Anfang an fasziniert hat, war die Idee, dass Billy ein Typ ist, der durch seine Wut und seinen Zorn durchs Leben gekommen ist – er hat sein Leben darauf aufgebaut, großen Erfolg gehabt und viel Geld damit verdient. Diese Wut kann dich aber indirekt zerstören. Am Ende ist das für mich und bestimmt auch für Antoine die Geschichte eines Mannes, der mit seiner Wut und mit dem Gedanken klarkommen muss, was es bedeutet, Vater zu sein.“

Jake Gyllenhaal: "Es geht um Leben und Tod, wenn du in den Ring steigst"

Neben dem anstrengenden Training tauchte Gyllenhaal auch in die Welt der Boxer ein, was der Schlüssel dazu war, Billy Hope auf der Leinwand lebendig werden zu lassen. Er verbrachte seine ganze Zeit in der Trainingshalle mit Profis am Ring, beobachtete einen Kampf nach dem anderen und besuchte sogar das Training des Weltmeisters Floyd Mayweather. „Der Körper funktioniert nicht ohne den Kopf“, meint Gyllenhaal. „Ich habe mich die ganze Zeit mit kaum etwas anderem beschäftigt.“

Auch bei ‘Southpaw’ blieb der Schauspieler seiner Methode treu, eher zu einer Figur zu werden, als sie nur zu spielen. „Nach einer Weile fängst du an, die Moleküle der Welt aufzusammeln, in der du dich bewegst. Als Schauspieler mache ich Dinge gern unbewusst, und das braucht Zeit. Wenn Du eine Rolle spielst und lange genug in der betreffenden Welt bist, dann saugst du es einfach auf.“ Im Lauf der Produktion entwickelte Gyllenhaal enormen Respekt dafür, was Boxer psychisch und physisch aushalten müssen.

„Es geht um Leben und Tod, wenn du in den Ring steigst, und das unterscheidet es von so gut wie jeder anderen Sportart und allem anderen in der Gesellschaft, abgesehen vom Militärdienst“, findet er. „Ich glaube, irgendwie ist das eine schöne Metapher für das Leben, dass du alleine in den Ring steigst, auch alleine wieder rausgehst und die Reise deine eigene ist. Für mich als Boxfan ist es unglaublich zu sehen, was dazu nötig ist, ein Profikämpfer zu werden – der Wille, die Vorbereitung, die Disziplin und die Artistik.“

Deutscher Kinostart ist am 20. August.

Fotos: Tobis