Dienstag, 21. Juli 2015, 9:22 Uhr

Jan Ullrich steht wegen Alkohol-Unfalls vor Gericht

Für den bislang einzigen deutschen Gesamtsieger der Tour de France entscheidet sich heute, ob er ins Gefängnis muss oder nicht. In seiner Wahlheimat Schweiz ist Jan Ullrich angeklagt, im Mai 2014 unter Alkoholeinfluss mit weit überhöhter Geschwindigkeit einen Verkehrsunfall verursacht zu haben.

 Jan Ullrich steht wegen Alkohol-Unfalls vor Gericht

Obwohl niemand verletzt wurde, könnte die Straftat nach Schweizer Verkehrsrecht mit bis zu drei Jahren Haft geahndet werden. Die Staatsanwaltschaft will Ullrich jedoch nach eigenem Bekunden nicht hinter Gitter bringen. Sie strebt bei der Verhandlung, die am frühen Nachmittag vor dem Bezirksgericht in Weinfelden (Kanton Thurgau) beginnt, eine Bewährungsstrafe an: 18 Monate Haft, die für vier Jahre zur Probe ausgesetzt werden. Außerdem verlangt die Anklage eine Geldbuße von 10 000 Franken (derzeit rund 9600 Euro).

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Ullrich hat bereits signalisiert, dass er ein solches Strafmaß nicht anfechten würde. Er hatte nach dem Unfall Reue bekundet, sich bei allen Betroffenen persönlich entschuldigt und Besserung gelobt. “Für den Rest meines Lebens habe ich mir vorgenommen: Wenn ich Auto fahre, gilt Promillegrenze 0,0”, beteuerte der frühere Rad-Profi, der seit Jahren in der Schweiz lebt und als Radsport-Berater arbeitet.

Laut Staatsanwaltschaft hat Ullrich am 19. Mai 2014 zwei Mal alkoholisiert am Lenkrad seines Wagens gesessen. Bei der zweiten Fahrt – er war auf dem Weg in seinen Wohnort südlich des Bodensees – krachte es kurz nach 20.00 Uhr an einer Kreuzung in Mattwil. Ullrichs Auto kollidierte mit dem Heck eines bei der Kreuzung stehenden Fahrzeuges und danach frontal mit einem entgegenkommenden Wagen.

Laut Ermittlungsergebnissen hatte Ullrich 139 Kilometer pro Stunde drauf, als er sich mit 1,4 Promille Alkohol im Blut der Kreuzung näherte. Tempo 80 war dort erlaubt. Bei 60 Kilometern pro Stunde über dem Limit wäre in der Schweiz wegen «Rasens» in Kombination mit Alkohol eine Gefängnisstrafe kaum vermeidbar gewesen. Nun scheint es, dass der Star der Tour de France des Jahres 1997 um nur einen Stundenkilometer an einer Gefängnisstrafe vorbeischrammt. (dpa)

Foto: WENN.com