Donnerstag, 23. Juli 2015, 21:28 Uhr

Filmkritik "Taxi Teheran": Ganz schön viel los auf dem Rücksitz

Der Gewinner der 65. Berlinale isat jetzt im Kino: “Taxi Teheran” tut so, als wäre es eine Doku. Der Wettbewerbsbeitrag aus dem Iran hat einen sehr bitteren Beigeschmack: der Regisseur Jafar Panahi musste „Taxi“ nämlich aus dem Land schmuggeln.

Filmkritik "Taxi Teheran": Ganz schön viel los auf dem Rücksitz

Jafar Panahi ist ein Star im Iran. Der preisgekrönte Regisseur („Der weiße Ballon“, „Offside“) soll mit Haftstrafen und Berufsverbot für 20 Jahre mundtot gemacht werden. Er darf seit 2010 weder arbeiten noch seine Filmwerke zeigen. Sein neuester Film „Taxi“ hat es aber bis nach Berlin in den Wettbewerb geschafft. Allein dafür ein „Chapeau!“ Von diesen schrecklichen Umständen aber mal abgesehen: „Taxi“ ist ein witziger, berührender und natürlich kritischer Film. P

anahi ist als Taxifahrer in Teheran unterwegs, er kennt sich grottenschlecht in der Stadt aus, kurvt herum und fragt immer wieder „herrje, wo ist das denn?“, was zu schönen Bemerkungen der Fahrgäste führt….

Es steigen ein und aus: ein „Freiberufler“ mit harschen Bestrafungsansichten für Reifendiebe, eine Lehrerin, die dagegenhält, ein Mann, der mit dem Verkauf von Raubkopien sein Geld verdient, zwei Frauen, die mit zwei Goldfischen unterwegs zu einer Quelle sind u.v.a..

Ein Querschnitt der Bevölkerung scheint auf den Rücksitzen Platz zu nehmen. In Teheran nutzen viele Passagiere ein einziges Taxi, wie einen Mini-Bus. Leute steigen ein, steigen aus, unterhalten oder streiten sich und natürlich hat der Fahrer auch eigene Fahrgast-Pläne, wie den, seine Nichte von der Schule abholen zu müssen.

Filmkritik "Taxi Teheran": Ganz schön viel los auf dem Rücksitz

Geschickt lässt Panahi das kleine, klugscheißende Mädchen – er spricht sie gern scherzhaft-ernst mit „Hoheit“ an – Dinge über eine Filmhausaufgabe vorlesen. Regeln, welche die Lehrerin für die Filminhalte aufgegeben hat. Gruselige Propaganda, die von dem Mädchen nicht verstanden werden, deshalb kann sie auch den Onkel fragen. Nein, es wird keine direkten Worte geben und trotzdem wird alles sehr klar und deutlich ausgesprochen und mit den letzten Bildern bleibt die Erkenntnis: das ist keine Lagerfeuergeschichte über Zensur, Gegängelt werden und Bespitzelung – die iranische Stasi heißt übrigens Vevak – aus längst vergangenen barbarischen Zeiten. (KW)

Filmkritik "Taxi Teheran": Ganz schön viel los auf dem Rücksitz

Fotos: Weltkino Filmverleih