Sonntag, 26. Juli 2015, 19:20 Uhr

Milkshake Festival 2015: Das war das schräge Amsterdamer Happening

Unter dem Motto “For boys who love girls who love girls who love boys who love boys…” oder auch kurz “For all who love” fand am letzten Sonntag das mittlerweile vierte Milkshake Festival in Amsterdam statt.

Milkshake Festival: Das war das schräge Amsterdamer Happening

Bei perfektem Festivalwetter feierten ca. 20.000 Menschen im Westerpark, der wie ein großer Jahrmarkt für Erwachsene aufgebaut war. Neben den neun Livebühnen und Tanzarealen – von denen eine in einer rosa Hüpfburg in Form einer Kirche untergebracht war – gab es reichlich Nebenprogramm. Festivalbesucher konnten sich beispielsweise unter anderem von vier extrem trashig gestylten Badenixen in einem Kinderplanschbecken eine – nun ja – “Golden Shower” verabreichen lassen.

Keine Sorge, es flossen keine Körperflüssigkeiten, sondern es flog lediglich Konfetti. Zwar spielten die Damen in dieser Kunstinstalation mit voller Inbrunst diesen orgienartigen Akt nach, bewarfen aber zum Höhepunkt wie in Ekstase die Gäste mit goldenem Lametta. Was für viel Spaß und sicher noch mehr Bildern mit Hashtags wie “OMG”, “TooFunny” oder auch “GoldenArt” sorgte. Da die Festivalmacher das Event mit so viel Liebe zum Detail und tausenden kleinen Extras ausgestattet hatten, konnte man sich schnell wie Alice im Wunderland verlieren.

Milkshake Festival: Das war das schräge Amsterdamer Happening

Überall gab es etwas zu sehen und zu entdecken. Auch die Festivalbesucher trugen einen extrem großen Teil dazu bei, denn die Meisten waren auffällig und fantasievoll gestylt. “Der Spirit ist einfach unglaublich hier”, beschreibt Festivalbesucherin Manon aus Rotterdam das Milkshake Festival. “Du kannst hier einfach sein, wer du willst und das ist so cool. Es ist einfach alles erlaubt!”

Dieser beschriebene “Alles ist möglich”-Spirit wurde dort von vielen der Festivalgäste nicht nur über das Outfit präsentiert, sondern auch gelebt. Klassische Rollenkonzepte fielen und wurden neu interpretiert. So auch bei der Performance von Rapper Big Dipper, der seinen Auftritt in Hotpants begann und später in einem schwarzen Schlüppi über die Bühne fegte. Wesentlich angezogener, aber nicht unspektakulärer ging es beim Auftritt des niederländischen Trios Cookachoo zu, die mit ihrem Sound, den sie selbst als “open minded tropical bass” beschreiben, die Menge vor der legendären Supertoys-Stage in Grund und Boden rockten.

Milkshake Festival: Das war das schräge Amsterdamer Happening

Sehr beeindruckend bei dieser Stage war die liebevolle Inszenierung der acht schaufensterähnlichen Bühnen, in denen Parallel zu den Liveacts Kunstinstallationen mit Tänzern stattfanden. So konnte man beispielsweise einer grellen Gummipuppen-“Voodoo-Messe” und gleichzeitig zwei dicken Frauen in ausladenden Barockkostümen beim Kuchenessen auf der Couch zusehen. Auch in diesem Jahr wieder mt dabei war die Voguing-Stage von Amber Ambiance aus dem House of Vineyard. Bei den Darbietungen auf dieser Stage ging es darum, den Zuschauern diese dramatische Tanzrichtung näher zubringen, die vor allem in der New Yorker Ballroomszene der Achtziger ihre Hochzeit hatte und Madonna – wie der Name schon vermuten lässt – zu ihrem Song “Vogue” inspirierte. In mehreren Kategorien wie „Runway“, “Vogue Fem” oder dem frivolen „Sexsiren“ konnten Besucher sich mit echten Profis messen und vor dem johlenden Publikum antreten.

Fazit: Auch wenn die meisten Acts in Deutschland (noch) unbekannt sind, lohnt sich der Besuch des Milkshake Festival allemal, wenn man auf Festivals mit offener Atmosphäre steht und man in eine komplett andere Welt abtauchen will. (DA)

Milkshake Festival: Das war das schräge Amsterdamer Happening

Fotos: Dennis Agyemang, Carlo Kantwerk