Mittwoch, 29. Juli 2015, 10:23 Uhr

"Fack Ju Göhte 2" auf den Spuren von James Bond und "Hangover"

Mit über 7,3 Millionen Besuchern war ‚Fack Ju Göhte‘ der erfolgreichste deutsche Kinofilm des Jahres 2013 und sicherte sich den vierten Platz der erfolgreichsten deutschen Filme seit 1968.

"Fack Ju Göhte 2" auf den Spuren von James Bond und "Hangover"

Damals, zwischen 1967 und 1972, war die Schulkomödien-Reihe ‘Die Lümmel von der ersten Bank’ (siehe Video-Trailer) ein Zuschauermagnet, doch danach kam vier Jahrzehnte lang nichts Vergleichbares mehr in die Kinos. „Wir wollten den Kult wiederbeleben“, sagt Regisseur und Autor Bora Dagtekin, der – wie auch Produzentin Lena Schömann – aus einer Lehrerfamilie stammt. „Wir haben 800.000 Lehrer in Deutschland und jeder von uns hat Erinnerungen an seine eigenen Lehrer. Wir haben gehofft, dass die Leute Lust auf das universelle Thema Schule haben.“

Dass der Komödienhit fortgesetzt werden sollte (Kinostart 10. September), war allen Beteiligten schnell klar. Eine Klassenfahrt brachte alle Voraussetzungen mit, um das sehr spezielle Verhältnis, das der Lehrer und Ex-Kriminelle Zeki Müller (Elyas M’Barek) zu den chaotischen Problemschülern der Goethe-Gesamtschule hat, deutlich zu machen.

„Eine Klassenfahrt gab es schon in der frühen Drehbuchfassung des ersten Teils“, verrät Bora Dagtekin. „Die nahm aber irgendwann so viel Raum im Film ein, dass wir sie durch den kurzen Ausflug der 10b in die Hartz-IV-Gegend ersetzten. Jetzt dachten wir uns: Wir reaktivieren für den zweiten Teil die Idee der Klassenfahrt, machen aus dem Elbsandsteingebirge aber Thailand.”

„In den sechs Wochen, die wir in Thailand drehten, bestand unser Team aus über 100 thailändischen Kollegen, 30 deutschen
Kollegen und 20 Schauspielern.“ Während ‚Türkisch für Anfönger‘ auf den Inseln Koh Kood und Koh Chang an der Grenze zu Kambodscha sowie in der Provinz Chanthaburi gedreht wurde, entstand ‚Fack Ju Göthe 2‘ vorwiegend in der Küstenprovinz Krabi und in der Hauptstadt Bangkok.

"Fack Ju Göhte 2" auf den Spuren von James Bond und "Hangover"

“Bei einem dreiwöchigen Location-Scouting haben wir unglaublich schöne Motive gefunden“, schwärmt Lena Schömann. „Wir zeigen Traumstrände, Urwälder, Flüsse und Höhlen, aber auch Fischerdörfer auf Stelzen und den Großstadtmoloch Bangkok.“ Und Bora Dagtekin fügt hinzu: „Wir zeigen Thailand, wie es wirklich ist, auch die Tsunami-Katastrophe wird im Film thematisiert.“

Somit entstand ‘Fack Ju Göthe 2’ im selben Gebiet wie ‚James Bond – Der Mann mit dem goldenen Colt‘ (1974), ‚The Beach‘ (2000) und ‚Hangover 2’ 2 (2011). „Unsere Luftaufnahme vom klapprigen Schulbus entstand sogar auf derselben Straße, die auch in ’Hangover 2’ zu sehen ist“, sagt Lena Schömann. Denn die thailändische Produktionsfirma Red Balloon, die auch schon den Komödien- Blockbuster aus Hollywood betreute, wusste: Die Road Nr. 4034, gesäumt von vielen tausend Palmen und mit der Andamanensee voller Kalksteinfelsen im Hintergrund, eignet sich besser als jede andere Straße, um sie mit einer Octocopter-Kamera aus der Luft leinwandfüllend einzufangen.

"Fack Ju Göhte 2" auf den Spuren von James Bond und "Hangover"

Eine unfreiwillige Actionszene ereignete sich, als die Schauspieler und ein Teil der Crew im Anschluss an einen langen Drehtag im Fischerdorf Ban Ba Kan ins Hotel gebracht werden sollten: „Es war schon dunkel und unser Speedboot fuhr mit voller Geschwindigkeit, als es plötzlich auf eine Sandbank krachte”, erzählt Elyas M’Barek. „Wer sich nicht festgehalten hatte, flog im hohen Bogen durch die Luft. Der Fahrer versuchte, das Boot von der Sandbank zu befreien, aber weil ihm das nicht gelang, mussten wir alle ins Wasser und das Boot schieben. Das brachte nichts. Über Funk wurde ein anderes Boot gerufen, das uns mit zweieinhalb Stunden Verspätung ins Hotel brachte.“

Außer Wasser spielte auch das Element Feuer eine wichtige Rolle. Denn Zeki Müller prügelt sich auf einer brennenden Hanfplantage mit seinem Antagonisten, Hauke Wölki vom Schillergymnasium. Dank der Choreographie der thailändischen Stuntleute und kühlender Gele auf der Haut konnten die Flammen den Schauspielern aber nichts anhaben. Größere Kämpfe trug Produktionsdesignerin Eva Maria Stiebler im Vorfeld aus, um in Krabi Hanf anpflanzen zu dürfen.

"Fack Ju Göhte 2" auf den Spuren von James Bond und "Hangover"

„Unser Plan biss sich mit thailändischen Gesetzen“, gesteht Produzentin Lena Schömann. „Es gab in Krabi keine legale Möglichkeit, mit echtem Hanf zu drehen. Natürlich hätten wir in den Norden des Landes fliegen können, wo es zum Beispiel in Chiang Mai große Plantagen gibt, aber das hätte einen großen logistischen Aufwand und hohe Zusatzkosten verursacht.“ Schließlich griff das Team auf andere Pflanzenarten zurück, deren mehrgliedrige Blätter an Hanf erinnern, und pflanzte sie auf einem Feld an.

Kreislaufprobleme und Sonnenstiche riefen den Schauspielern fast täglich in Erinnerung, dass Krabi und Unterhaching in unterschiedlichen Klimazonen liegen: „Geist und Körper fahren total runter, wenn sie zugunsten der Dreharbeiten eigentlich hochfahren sollten“, sagt Alwara Höfels. Elyas M’Barek stimmt ihr zu: „Obwohl ich schon wegen ‚Türkisch für Anfänger‘ in Thailand war, habe ich auch diesmal wieder die erbarmungslose Hitze unterschätzt. Mittags knallt die Sonne von oben und die Luft ist feucht und heiß.“

Nichts konnte man aber gegen das „Set-Virus” ausrichten, das in den ersten Wochen kursierte. „Da ging eine kleine Magen-Darm-Epidemie um, die kaum einen verschonte”, erzählt Jella Haase alias Chantal (Foto oben). „Wie die meisten von uns hing auch ich mal am Tropf und wurde durchgespu?lt, damit ich am nächsten Tag weiterdrehen konnte.” Elyas M’Barek war – nach eigener Zählung – „der Dreizehnte im Team“, der vom Virus hingerafft wurde: „Ich landete im Bett, der Arzt kam und verpasste mir eine Spritze, damit ich wieder auf die Beine kam.“ Alwara Höfels, die erneut die junge Lehrerin Caro Meyer spielt, aber inzwischen am altsprachlichen Schillergymnasium unterrichtet, hatte vorgesorgt: „Ich hatte eine eigene Reiseapotheke im Wert von mindestens 500 Euro dabei. Die enthielt alles, was man in diesem Teil der Erde brauchen könnte, und ich habe eifrig ausgeteilt an Menschen, die es nötig hatten.“

Übrigens: In einem neuen Clip amüsiert uns Chantal mit ihrer Version einer Parfümwerbung…

Fotos: Constantin