Samstag, 08. August 2015, 20:15 Uhr

Schwimm-Weltmeister Marco Koch: "Bin kein Typ, der sich so was aufhängt"

Marco Koch ist ein Schwimm-Weltmeister der ruhigen Sorte. Markige Medaillenprognosen sind seine Sache nicht. Ihm geht es stets darum, seine Bestzeiten zu steigern. Aufregen könne er sich allenfalls beim Autofahren, verriet der 25-Jährige vor seinem WM-Coup über 200 Meter Brust in einem dpa-Interview.

Schwimm-Weltmeister Marco Koch:  "Bin kein Typ, der sich so was aufhängt"

Nerven kostete Koch und seinem Heimtrainer Alexander Kreisel das Rennen am Freitag in Kasan trotzdem. Koch wollte mindestens deutschen Rekord über die 200 Meter Brustschwimmen, war langsamer als bei seinem EM-Titel vor einem Jahr in Berlin und schlug trotzdem als erster an. “War einfach. Nein, Spaß”, lautete sein erster Kommentar als Weltmeister.

Auch sonst ist der eher stille Koch gerne mal für einen Lacher gut. “Er hatte ja mehr Laktat als ich”, kommentierte er bei seinem EM-Titel voriges Jahr die lautstarke Anfeuerung von Heimtrainer Alexander Kreisel. Dieser hatte ihm zuvor bescheinigt, sich in den vergangenen Jahren “zu einem Profisportler entwickelt” zu haben.

Das hat auch viel mit Kochs geändertem Lebenswandel zu tun. Nicht, dass der solide Student nachts um die Häuser gezogen wäre. Vielmehr waren es Burger, Pizza und Süßes, die zu viel Kilo auf seine Rippen brachten. Der Sinneswandel kam allmählich nach den auch für Koch so enttäuschenden Olympischen Spielen 2012 mit Platz 13. Bei 30 Stunden Training pro Woche stimmte der Ertrag nicht mehr. “Ich habe mir gedacht, du steckst so viel Zeit rein und frisst den ganzen Tag nur Scheiße, das ist irgendwie grotesk”, erklärte Koch einen Grund für seine Nahrungsumstellung.

Bei einem Bluttest wurde zudem eine Gluten-Unverträglichkeit festgestellt, seitdem verzichtet Koch auch auf tierische Produkte und isst nur noch wenig Fleisch: “Ich glaube nicht, dass man es in Massen braucht.” Statt Eier und Milch gibt es nun zum Frühstück meist Reiswaffeln mit Erdnussbutter. Obst ersetzt die früher so geliebten Süßigkeiten. Der Lohn: Seit seiner Silbermedaille bei der WM 2013 in Barcelona, als Koch die Beckenschwimmer vor der totalen Pleite bewahrte, verlor er mehrere Kilo. “Und ich habe noch Muskelmasse aufgebaut.”

Schwimm-Weltmeister Marco Koch:  "Bin kein Typ, der sich so was aufhängt"

Medaillen und Zeiten bedeuten Koch übrigens mehr als Titel. Der “schwere Klunker” von Barcelona lag lange daheim in einem Kasten, die EM-Goldmedaille von Berlin in der ersten Nacht eher achtlos in seinem Rucksack statt wie bei anderen unterm Kopfkissen. “Ich bin kein Typ, der sich so was aufhängt.” Rennen und Zeiten waren und sind ihm wichtiger. “Natürlich will ich auch Olympiasieger werden. Aber mein Antrieb ist, ständig besser zu werden.” Das hat für den WM-Titel gereicht. (Marc Zeilhofer und Christian Kunz, dpa)

Fotos: Tolga Bozoglu, Martin Schutt