Mittwoch, 12. August 2015, 20:56 Uhr

Filmkritik "Codename U.N.C.L.E.": So-La-La-Agentenfilm zwischen Slapstick und Action

Einmal kurz die Welt retten: Guy Ritchies Kino-Update der TV-Serie aus den 1960er Jahren pendelt unentschlossen zwischen Parodie und Action. Und leider fehlt den Hauptdarstellern der Humor.

Filmkritik Codename U.N.C.L.E.: So-La-La-Agentenfilm zwischen Slapstick und Action

Bei ihm dürfen Männer noch echte Kerle sein: In den Filmen von Guy Ritchie kann von der Krise des vermeintlichen starken Geschlechts keine Rede sein. Bekannt wurde der 1968 geborene Brite mit ruppigen Gangsterkomödien wie ‘Bube, Dame, König, grAS’ (1998) oder ‘Snatch – Schweine und Diamanten’ (2000). Echte Männerfilme.

In der Folgezeit war Ritchie vor allem damit beschäftigt, mit Pop-Diva Madonna verheiratet zu sein, nachdem er mit ihr einen BMW-Werbefilm drehte. Die Ehe hielt immerhin fast acht Jahre, bevor Ritchie mit den beiden ‘Sherlock-Holmes’-Filmen seinen Durchbruch in Hollywood feiern konnte. Der legendäre Detektiv ist bei ihm kein pfeiferauchender Sonderling, sondern ein muskelbepackter Actionheld, verkörpert von dem Energiebündel Robert Downey Jr.

Mit seinem neuen Film ‘Codename U.N.C.L.E.’ bleibt Ritchie seiner Linie treu: Zwei knallharte Agenten, die aber manchmal auch die Lizenz zum Schmunzeln haben, kämpfen in den guten alten 1960er Jahren gegen ein ominöses Verbrechsyndikat, angeführt von einer diabolischen Frau.

CIA-Mann Napoleon Solo (Henry Cavill, ‘Man of Steel’) und sein KGB-Kollege Illya Kuryakin (Armie Hammer, ‘The Social Network’) sollen sich zusammenraufen, um der verbrecherischen italienischen Millionärin Victoria (Elizabeth Debicki), die mit einer Atombombe droht, das Handwerk zu legen. Dieser sehr überschaubare Plot, angereichert mit etwas Nazi-Grusel und Sixties-Flair, basiert locker auf der amerikanischen TV-Serie ‘Solo für O.N.C.E.L’ (1964-68).

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Ritchies rasantes, aber simpel gestricktes Kino-Update besteht primär aus einer Reihe von Verfolgungsjagden: Da geht es zunächst mit dem Trabi durch das düstere Ost-Berlin, ein schräges Zweitakter-Ballett. Später rasen die Helden mit dem Sportboot durch südliche Gefilde, oder es geht mit Geländewagen und Cross-Motorrad durch unwegsames Gelände. Da spritzt der Matsch dann sehr pittoresk. Aber die Split-Screen-Sequenzen und atemlos schnellen Schnitte können über die Schlichtheit des Drehbuchs kaum hinwegtäuschen.

Zwischen den sinnfreien PS-Capricen ähnelt ‘Codename U.N.C.L.E.’ dann bisweilen einer Mode-Illustrierten aus den 60er Jahren. Schrille Sonnenbrillen, poppige Pettycoats, braune Cordanzüge.

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Das alles ist ganz hübsch anzusehen, aber die biederen Hauptdarsteller bleiben einfach viel zu blass: Henry Cavill spielt den robusten Womanizer und Armie Hammer darf sich in eine ostdeutsche Automechanikerin (Alicia Vikander) verlieben. Aber die Ironie, die diese Agenten-Plotte erträglich machen würde, geht den beiden weitgehend ab. Als Lichtblick kommt Hugh Grant als CIA-Chef Waverly leider viel zu spät ins Spiel. Da blitzt dann endlich einmal typisch britischer Humor auf.

Gewürzt hat Ritchie sein nostalgisches Männerabenteuer mit den scheinbar unvermeidbaren Nazi-Zutaten. Wochenschaubilder vom Führer, und Sylvester Groth als diabolischer KZ-Arzt. Nur leider ist die Folterszene auf dem Zahnarztstuhl aus John Schlesingers ‘Marathon-Mann’ (1976) mit Dustin Hoffman geklaut. So bleibt am Ende leider das Gefühl, eine rasante Mogelpackung gesehen zu haben. (Johannes von der Gathen, dpa)

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Fotos: Warner Bros.