Donnerstag, 13. August 2015, 18:10 Uhr

Filmkritik "Coconut Hero": Lakonisches Indie-Drama mit schwarzem Humor

Heute startet in den Kinos der Film ‘Coconut Hero‘. Mike (Alex Ozerov) ist ein schluffiger Teenager, der in einem kanadischen Kaff im Nirgendwo vegetiert und obwohl er Null Elan hat, ist sein Nachname auch noch Tyson – ja er heißt Mike Tyson.

Filmkritik "Coconut Hero": Lakonisches Indie-Drama mit schwarzem Humor

Schon die Eingangszene ist witzig und herzzerreißend zugleich: Mike versucht, sich mit einer Schrotflinte zu erschießen. Das winzige Kinderzimmer ist sorfältig – als wollte man Tapezieren – mit Knisterfolie ausgelegt und Mike wiederholt immer wieder die Schusshaltung zur Probe. Der Abzug und die Mündung haben einfach einen zu weiten Abstand, das Gerangel um jeden Millimeter wird zur Farce. Aber vor dem großen Bang muss Mike noch seinen Nachruf beim örtlichen Käseblatt telefonisch durchgeben – die Zeitungsanzeige vermurkst er schon mal. Dann kann es endlich losgehen mit dem grande Finale. Klappt natürlich nicht, sterben wird jemand ganz anderes. Mike verletzt sich nur leicht am Kopf und kommt im Krankenhaus umso deprimierter wieder zu sich.

Seine Mutter Cynthia (Krista Bridges), Single Mom, rabiate Nörglerin mit einer ordentlichen Portion Wut, ist besorgt über das Kleinstadtstadtgeschwätz. Der Junge geht ihr auf die Nerven und ist ein Zeitdieb.

Und so kommt es, dass Mike das Ergebnis der Routineuntersuchung alleine erfährt. Als Diagnose erhält er ein merkwürdiges Geschenk: ein inoperabler Gehirntumor. Viel Zeit bleibt ihm nicht mehr, doch von Stund an ist der Teenager glücklich! Ein Tumor! Hurra! Von allen Selbstzweifeln und Kümmernissen befreit – er verschweigt sowohl die Krankheit als auch alle Therapieformen – beginnt er völlig befreit und losgelöst seine finalen Projekte zu planen, z. B. Holz klauen, um sich seinen Sarg selbst zu bauen.

Der einzigen ärztlichen Auflage nach Mikes versuchtem Suizid gehört absurderweise, eine Therapie zu machen. Ausgerechnet! In der kanadischen Holzfäller-Einöde ist die Lehrerin Miranda (Bea Santos) ein bunter Tupfen mit ihrer Tanztherapie.

Filmkritik "Coconut Hero": Lakonisches Indie-Drama mit schwarzem Humor

Mike gelingt mit Hilfe der nur etwas älteren Miranda ein neuer, frischer und unverstellter Blick auf das Leben, zum ersten Mal ist er nicht der Looser der Schulhölle und auch nicht länger der Prügelknabe vom Dienst. Die beiden machen sich inner- und äußerlich auf den Weg und ‘Coconut Hero’ erinnert dabei ein klein wenig an ‘Harold and Maude’.

Fazit: Lakonisches Indie-Drama/Komödie mit sehr schwarz-humorigen Einschlag. ‘Coconut Hero’ ist kein Feelgood Movie. Einen Minuspunkt gibt es leider für die holzschnittartige Negativdarstellung der alleinerziehenden Mutter. Regisseur Florian Cossen („Das Lied in mir“ 2010) hat einen starken Film geliefert. Mehr davon bitte! (KW)

Filmkritik "Coconut Hero": Lakonisches Indie-Drama mit schwarzem Humor

Fotos: Majestic