Donnerstag, 13. August 2015, 20:27 Uhr

Max Schautzer lästert: Es wird "nur noch gekocht, getalkt, gecastet und gequizzt"

Max Schautzer hat die TV-Unterhaltung viele Jahre mitgeprägt, Formate erfunden, Shows moderiert – schaltet aber den Fernseher heute gerade mal für Nachrichten ein.

Max Schautzer lästert: Es wird "nur noch gekocht, getalkt, gecastet und gequizzt"

Schautzer, der vor allem mit ‘Pleiten, Pech und Pannen’ und ‘Immer wieder sonntags’ ab den 1980er Jahren zwei Jahrzehnte lang Traumquoten schaffte, hat mit dem heutigen Unterhaltungsangebot nichts am Hut. “Heute wird nur noch gekocht, getalkt, gecastet und gequizzt. Das sind die vier Schienen, sonst ist nichts mehr übrig”, sagt der langjährige Moderator.

Am Freitag wird Max Schautzer 75 Jahre alt. Er spielt Theater, schreibt ein Buch und bastelt weiter an seinem Großprojekt ‘telebono’ oder ‘Bono TV’ – allerdings in verkleinerter Version.

Passanten sprechen Schautzer beim Spazieren durch Köln – einem von zwei Wohnsitzen neben Kitzbühel in Österreich – noch immer häufig an. Er nimmt sich Zeit für einen Plausch. Zwar ist er kaum noch im TV präsent, viele erinnern sich aber noch gut an ihn – wegen Sendungen wie ‘Alles oder nichts’, ‘Allein gegen alle’, ‘Die Goldene Eins’ oder ‘Ein Platz an der Sonne’.

Im derzeitigen Fernsehprogramm findet sich der Österreicher nicht mehr wieder. Nicht mal als Zuschauer. “Ich schalte eigentlich nur noch bei den Nachrichten ein. Die Unterhaltung ist nicht mehr meine Welt. Was wir früher gemacht haben, hatte eine viel größere Vielfalt.” Schautzer kritisiert: “Heute wird Quotenfernsehen gemacht, auch bei den Öffentlich-Rechtlichen. Wir brauchen aber Qualitätsfernsehen. Die Legitimation für ein öffentlich-rechtliches Fernsehen mit seinen Gebühren wird immer schwieriger.” Dass man “seinen” Show-Klassiker ‘Pleiten, Pech und Pannen’ Ende 2014 in der ARD neu aufgelegt hat, hat ihn geärgert. “Das tut mir insofern weh, weil ich es versäumt hatte, mir damals die Rechte zu sichern.” Eine kritische Auseinandersetzung mit Radio und Fernsehen soll Schwerpunkt seines zweiten Buches werden, an dem er zurzeit arbeitet. “Es wird auch autobiografische Elemente haben.”

Begonnen hat Schautzer einst als Sprecher und Reporter beim WDR. Er bringt bis heute gerne Menschen zum Lachen, wie er sagt. “Ich spiele Theater, ein neuer Abschnitt in meinem Leben.” Er fing an mit einer Kriminalkomödie in München. Im kommenden Jahr ist er in zwei Stücken zu sehen, darunter in Düsseldorf. Da steht er auf der Bühne in der Männerhochzeitskomödie ‘Meine Braut, sein Vater und ich’.

Schautzer – neben einem Studium der Wirtschaftswissenschaften hatte er eine Schauspielschule absolviert – erzählt: “Ich bin der Vater, ein versoffener, schwuler Adeliger. Das macht wirklich viel Spaß, das ist turbulent, ein Slapstick, die Leute lachen ununterbrochen.” In Dresden und Köln gab es schon Auftritte.

Auf der Agenda steht weiter ‘telebono’ – aber in abgespeckter Variante. Sein Ziel seit Jahren, einen eigenen Fernsehsender “für Menschen in der zweiten Lebenshälfte»”zu gründen, ist nicht finanzierbar. “Deswegen haben wir uns entschlossen, eine Nummer kleiner anzufangen und via Internet zu starten, dazu zeichnet sich jetzt ganz konkret eine Kooperation ab.”

In Ländern wie den USA, Kanada, den Niederlanden oder Dänemark funktionierten solche TV-Programme. Als Themen seien Gesundheit, Reise, Rente, Finanzen oder Pflege geplant. “Man muss für ältere Zuschauer auch anders produzieren, langsame Kamerafahrten, nicht so ein Schnitt-Hickhack.”

Dem “Robin Hood der Senioren” (‘Bild’-Zeitungs-Jargon) gehen Jugendwahn und “krampfhafte Verjüngungsbemühungen” gegen den Strich. “Die Älteren haben mehr und mehr das Gefühl, sie werden zwar geduldet, sind aber nicht erwünscht”, sagt Schautzer. Das gelte auch für das Fernsehprogramm. “Eine Retroshow zur Musik der 60er, 70er Jahre von einem 25-Jährigen moderieren zu lassen, macht wenig Sinn. Das sind alles so Dinge, die den Zuschauern auffallen.”

Der TV-Kenner bilanziert: “Der Unmut über das Fernsehangebot wächst, und das nicht nur bei den älteren Zuschauern. Die Jüngeren verabschieden sich ja ohnehin schon vom herkömmlichen Fernsehen.” (Yuriko Wahl-Immel, dpa)