Samstag, 15. August 2015, 13:28 Uhr

Anika Lehmann: In diesem Sommer stirbt sie 67 Mal

Schauspielerin Anika Lehmann, u.a. bekannt aus der ARD-Serie “Rote Rosen” ist ein wahres Multitalent. Neben Hauptrollen in Musicals wie ‘Marie Antoinette’ und ‘Dracula’ arbeitete sie auch als Sängerin.

Anika Lehmann: In diesem Sommer stirbt sie 67 Mal

Derzeit gastiert sie mit einer Rolle bei den Störtebeker-Festspielen. Das gigantische Open-Air-Spektakel in Ralswiek auf Rügen gibt es seit 1993. Die Naturbühne am Großen Jasmunder Boddens ist Deutschlands erfolgreichstes Open-Air-Theater. klatsch-tratsch.de hat Anika getroffen.

Seit Juni bist du als Nadeshda in “Aller Welt Feind” bei den Störtebeker Festspielen auf Rügen zu sehen. Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet?
Ich habe mich zuerst mit Nadeshdas Fähigkeiten, in die Zukunft sehen zu können und den Visionen die sie hat, beschäftigt. Mit ihrem starken Glauben an Perun, ihren “Natur Gott“, ihren Wünschen und Hoffnungen. Das war alles schon wahnsinnig spannend! Natürlich auch die Tatsache, dass man in dieser Zeit um 1397 mit solchen Fähigkeiten als „Hexe“ galt und verbrannt worden ist. Ich habe ihr eine Körperlichkeit gegeben und die Beziehungen zu den Menschen verinnerlicht mit denen sie zu tun hat und auf die sie trifft. Kurz: unsere Herzen aufeinander abgestimmt. Da in „Aller Welt Feind“ in Russland spielt, habe ich mich natürlich auch mit dem Land und den Leuten zu dieser Zeit beschäftigt und mir von meiner Oma (sie spricht fließend Russisch) Nachhilfe geben lassen in Sachen Aussprache.

Man sieht dich auf der Bu?hne auch hoch zu Ross. Musstest du in Vorbereitung auf diese Szenen extra Reitunterricht nehmen?
Ja, während der Probenzeit hatten wir morgens jeden Tag Reitunterricht. Aber leider sitze ich bei unseren Vorführungen nicht oft auf dem Pferd, da ich überwiegend mit „Mischa“, einem Waisenjunge aus meinem Dorf unterwegs bin (wir sind die einzigen beiden Überlebenden nach dem Brand der Miene) und wir hätten sonst immer zusammen auf’s Pferd gemusst. Dafür ist es umso schöner mit meinem Pferd „Jack“ zum bejubelten Schlussapplaus im Galopp auf die Bühne zu reiten.

Wie reagiert das Publikum auf die Inszenierung von Regisseur Thomas Schendel?
Das Publikum liebt diese Mischung aus Action, Humor, Liebe, die emotionalen Momente, die Tiere, Stunts und die vielen tollen Kulissen-Bilder sehr. Gerade gestern sagte eine Zuschauerin zu mir bei der Autogrammstunde: „Also meine Nachbarin hat in Ihrer Sterbeszene so bitterlich geweint, am liebsten hätte ich sie in den Arm genommen.“ Es ist wirklich rührend sowas zu hören und es macht mich sehr glücklich, das Publikum auf diese Reise mitzunehmen, es aus ihrem Alltag zu „ befreien“ und auch neue Impulse geben zu können. Wir dürfen das Publikum zum Weinen bringen und im nächsten Moment zum laut Lachen.

Gab es bisher auch Momente in denen du an dem Projekt gezweifelt hast? Ihr steht schließlich 3 Monate lang fast jeden Tag auf der Bühne, das ist ein ordentliches Pensum …
Das stimmt und ich muss sagen, dass es schon was mit mir macht jeden Abend und insgesamt 67 Mal zu sterben und vom Störtebeker (Bastian Semm) so herzzerreißend ins Ahnenreich „beschworen“ zu werden. Aber gezweifelt habe ich nie. Ich finde es ist eine perfekte Mischung aus lauten und ganz leisen Tönen, den wunderschönen Tieren und ein echtes Erlebnis jeden Abend auf dieser grandiosen Naturbühne zu stehen und die Geschichte von „Aller Welt Feind“ gemeinsam mit einem tollen Ensemble vor einem Publikum von 8.700 Menschen erzählen zu können.

Worin besteht der größte Unterschied zwischen einem Engagement wie diesem und deinen bisherigen Schauspieljobs wie z.B. bei “Rote Rosen”?
Auf der Bühne bist Du direkt dran am Publikum und spürst die Energie der Menschen, ganz pure und direkte Reaktionen. Das liebe ich sehr. Vor der Kamera und besonders bei „Rote Rosen“ ist es ein ganz anderes Arbeiten. Wir haben an einem Tag eine komplette Folge gedreht und da bleibt für die einzelnen Szenen nicht so wahnsinnig viel Zeit. Eine Probenzeit wie am Theater gibt es dort gar nicht. Ein riesen Unterschied ist im Moment natu?rlich auch der Platz. Während ich auf der Naturbühne gefühlt mehrere Kilometer Sand hinter mir lasse, ist es im Studio bei „Rote Rosen“ eher überschaubar. Mein Rhythmus ist auch ein anderer: hier bin ich wieder “Nachteule” und bei “Rote Rosen” gab es Tage an denen ich schon um 7.15 Uhr in der Maske saß und wir dann bis 18.30 Uhr gedreht haben.

Als Nadeshda kämpfst du für das Gute. Gibt es privat auch Projekte für die du dich engagierst?
Ja, ich setze mich für den Tierschutz ein und bin gerade im Gespräch mit der Organisation SOS Kinderdorf, um zu besprechen, wie ich die Kinder am besten persönlich und vor Ort unterstützen kann. Nach unserem Dreh für den neuen Spot von „Aktion Mensch“ mit dem tollen Regisseur Jan Hinrik Drevs und auch dem Video zum Casting „Das 1. Mal“ ist mir wieder klar geworden, wie wichtig es ist Vorurteile – jeden Tag – abzubauen und wirklich fu?reinander da zu sein.

Bis zum 5. September kann man dich noch auf der Naturbu?hne Ralswiek auf Rügen sehen. Hattest du überhaupt schon Zeit die Insel in Ruhe zu erkunden?
Ja, nachdem die Premiere vorbei war und wir im „Spielmodus“ waren, hab ich beschlossen mir diese wunderschöne Gegend und Natur genauer anzugucken. Ich liebe es auf Abenteuerreise zu gehen. Manchmal setze ich mich einfach ins Auto, fahre los und lasse mich treiben bis mir ein Ort gefällt und ich spüre: „Ja, hier möchte ich ´ne Weile bleiben.“

Wie geht es nach diesem Engagement für dich weiter? Welche Projekte stehen an?
Wir werden das Theaterstück “Frau Müller muss weg” am Winterhuder Fährhaus in Hamburg wieder aufnehmen. Darauf freue ich mich, weil mir auch Komödien sehr viel Spaß machen. Außerdem steht ein weiteres Stück an, in dem ich auch endlich wieder singen darf. Juhuuu! Und dann freue ich mich natürlich darauf wieder vor der Kamera zu stehen und weiter an meinen internationalen Plänen zu arbeiten.
Mehr über Anika Lehmann erfahrt ihr auf ihrer Facebook-Seite!