Donnerstag, 20. August 2015, 16:27 Uhr

Jennifer Weist: Hier spricht das Mordanschlagsopfer George

Der Fall machte republikweit Schlagzeilen, weil eine Prominente betroffen war. Ein Freund der Jennifer-Rostock-Sängerin Jennifer Weist war am Wochenende im Berliner Szenebezirk am Bahnhof Warschauer Straße brutal überfallen und niedergemetztelt worden. Solche Angriffe sind in Berlin längst an der Tagesordnung.

Jennifer Weist: Hier spricht das Mordanschlagsopfer George

„Es fehlten nur Millimeter und er wäre direkt auf der Straße in meinen Armen gestorben”, erklärte die Sängerin in einem bewegenden Facebook-Post. Da war schlichtweg ein feiger Mordanschlag. Punkt. Aus! Radio-Energy-Moderator Gregor Bogowicz hat George, so heißt der amerikanische Bekannte von Jennifer Weist, getroffen. Hier das Interview.

Bist du hier zu Besuch?
Ich bin Amerikaner, aber ich wohne hier seit einem Jahr.

Was ist genau passiert?
Ich war mit Jennifer unterwegs, dann kam ein Typ, der ihr was klauen wollte. Daraufhin habe ich ihn zur Seite geschubst. Dann hat er meine Kette weggerissen und ich habe seinen Arm festgehalten. In dem Moment kam ein Freund von ihm von der Seite
und hat mich am Hals wahrscheinlich mit einer Rasierklinge erwischt.“

Bist du öfter auf dem RAW-Gelände unterwegs?
Ja, wenn ich im Friedrichshain feiern gehe, bin ich meistens in der Gegend.

republikweit Schlagzeilen,

Gehst du nach dem Vorfall weiter dorthin?
Vielleicht mache ich jetzt eine Pause, aber bald gehe ich wieder hin. Ich habe keine Angst.

Was würdest du machen, wenn du den Typen wiedersiehst?
Ich werde nicht die Konfrontation suchen. Ich bin glücklich, dass ich noch lebe. Wenn ich den nochmal sehen sollte, rufe ich die Polizei. Ich bin nicht auf Rache aus. Das waren Kinder, wer weiß wie die aufgewachsen sind und welche Probleme die haben.“

Bewaffnest du dich jetzt auch?
Nein, ich mache ganz viel Kampfsport, ich hätte mich wehren können, aber das waren kleine Kinder und ich wollte sie nicht verletzen. Die ganze Situation war auch eine Lehrstunde für mich. Das nächste Mal muss man einfach schneller die Situation verlassen.

Jennifer Weist: Hier spricht das Mordanschlagsopfer George

Am 18. August postete die Berliner Polizei auf Facebook unter der Überschrift “Überfälle am RAW-Gelände” das hier. (Na dann viel Vergnügen liebe Touristen und Besucher der Hauptstadt!) Hier der Wortlaut des Postings:

Der Bereich um das sogenannte R.A.W. – Gelände hat sich in den vergangenen Jahren zu einer „Amüsiermeile“ von überregionaler Bedeutung entwickelt. Aufgrund der dichten Ansammlung von Bars, Lokalen, Diskotheken und Veranstaltungsorten besteht hier ein großes Vergnügungsangebot für Berliner und Touristen. Aber leider stellen wir hier seit etwa zweieinhalb Jahren einen Anstieg des illegalen Handels mit Betäubungsmitteln fest. Auch die Anzahl der Taschendiebstähle und Rohheitsdelikte (z.B. Körperverletzung, Raub) hat zugenommen.

Erst am Samstag kam es nach einem versuchten Taschendiebstahl zu einem schweren Landfriedensbruch.

Nach bisherigen Erkenntnissen hatte ein Unbekannter gegen 3.15 Uhr zunächst versucht, einem holländischen Touristen in der Revaler Straße die Brieftasche zu stehlen. Der 19-jährige wehrte sich, seinem Begleiter gelang es, einen mutmaßlichen Täter festzuhalten. Der Täter erreichte durch lautes Rufen, dass ca. 15 Personen zum Ort kamen, auf die beiden Holländer eintraten, einschlugen und Reizgas versprühten. Der 19-jährige, sein Begleiter und zwei in der Nähe befindliche Rettungssanitäter wurden verletzt.

Am Sonntag kam es in unmittelbarer Nähe zu einem versuchten schweren Raub. Hier war ein 26-Jähriger gemeinsam mit seiner 28-jährigen Begleiterin zu Fuß auf dem RAW-Gelände unterwegs, als gegen 4.45 Uhr zwei männliche Personen das Duo angetanzt haben sollen. Die Begleiterin bemerkte den versuchten Handtaschendiebstahl und verwehrte sich gegen das Antanzen.
Nach bisherigen Erkenntnissen griffen die Diebe dann nach der Halskette des 26-Jährigen und rissen sie ihm vom Hals. Als der Mann einen Dieb festhalten konnte, eilte den Tätern wieder eine Personengruppe zu Hilfe. Aus dieser Gruppe heraus wurde dem 26-jährigen mit einem scharfen Gegenstand eine große Schnittverletzung am Hals zugefügt.
Die Täter flüchteten, der Verletzte wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Wir kontrollieren verstärkt, auch mit Sondereinsätzen, diesen Bereich. Allein im aktuellen Jahr wurden von Januar bis Juni bereits 234 Einsätze durchgeführt. Zudem wird gemeinsam mit den Eigentümern des RAW-Geländes stetig an der Verbesserung des Sicherheitskonzeptes gearbeitet.

Es ist eher unwahrscheinlich, dass Euch dort was passiert, dennoch möchten wir einige wichtige Tipps geben, die wir aus unseren polizeilichen Erkenntnissen und der Gewaltforschung ableiten.

+++ Unsere Tipps für Nachtschwärmer +++

1. Lasst gerade, wenn Ihr wisst, dass Ihr gemeinsam mit vielen anderen auf engem Raum Party macht, Wertsachen, die Ihr nicht dringend braucht, zu Hause (Ketten, Schmuck, Uhren), die anderen tragt eng und am besten nicht sichtbar am Körper (Telefone bspw.). Geld könnt Ihr auch in die Hosentasche stecken oder in die Socken/Schuhe.

2. Wenn Ihr merkt, dass sich Euch jemand nähert, der nicht zu Euch gehört und sich auffällig verhält, geht auf Distanz oder fragt Eure Leute laut, ob jemand den Typen kennt. Sobald jemand sich beobachtet fühlt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er von der Tat ablässt.

3. Wenn Ihr merkt, dass Euch jemand etwas wegnimmt, dann stellt Euren Kumpels gegenüber laut und eindeutig dar, was da gerade passiert und ruft am besten: “Hey STOPP, lass mich los, das sind meine Sachen!“ Und zu Euren Kumpels: “Hey, helft mir, ich werde beklaut!“ Dadurch wird Öffentlichkeit hergestellt, die kein Täter gerne hat. Und Ihr habt mit Euren Freunden ein taktisches Team, das dem Täter gegenübersteht, so dass er spürt, dass er es nicht mehr mit einem Einzelnen zu tun hat, sondern mit einer ihm übermächtigen Gruppe. Obwohl viele Täter die Tat zwar allein ausführen, werden sie passiv von Unterstützern begleitet, die ihnen gegebenenfalls Rückendeckung geben. Dennoch bedeutet es, wenn Ihr Euch als Gruppe zusammenschließt in aller Regel Abschreckung für weiteres Handeln. Ihr könnt Euch auch immer an Ordner und Türsteher wenden.

4. Versucht Straftaten nicht gewaltsam zu verhindern indem Ihr die Sachen festhaltet oder den Täter direkt gewaltsam davon abhaltet. Gebt die Sachen im Zweifel lieber freiwillig raus.
Hier gilt der Grundsatz: Kein Gegenstand kann so wertvoll sein, wie die eigene Gesundheit.

5. Unternehmt nichts, was den Täter reizen könnte. Denkt daran: Die Täter sind vorbereitet, ihr werdet überrascht sein. Und setzt bloß nicht irgendwelche Gegenstände als Waffen gegen den Täter ein, auch die “Gegenseite” zieht ihre Waffen und das kann tödlich enden.

6. Versucht so schnell wie möglich aus der Situation herauszukommen, haut ab!

7. Alarmiert uns so schnell Ihr könnt. Denn nur, wenn wir wissen, welche Taten wann und wo Euch den Spaß verderben, können wir helfen, daran etwas zu ändern, damit Ihr in Ruhe feiern könnt

Fotos: WENN.com, Radio Energy, Berliner Polizei