Samstag, 22. August 2015, 20:31 Uhr

Interview: Florian David Fitz ist Erich Kästner

Als Oberarzt, als Tourette-Kranker, als Schallplatten-Händler, als unglücklich Verliebter hat Florian David Fitz (40) geglänzt. Jetzt spielt er einen klugen Schriftsteller. Da gibt es Gemeinsamkeiten.

Interview: Florian David Fitz ist Erich Kästner

Schriftsteller Erich Kästner hat mit seinen Kinderbüchern ‘Emil und die Detektive’, ‘Das fliegende Klassenzimmer’ und ‘Das doppelte Lottchen’ deutsche Literaturgeschichte geschrieben. Jetzt schlüpft Frauenschwarm Florian David Fitz in die Rolle des 1974 gestorbenen Autoren aus Dresden.

Im TV-Film ‘Kästner und der kleine Dienstag’ (ORF/ARD) wird ein wahres Kapitel aus dem Leben des kinderlosen Mannes beschrieben. Drehort ist Wien – und dort unter anderem ein traditionelles Kaffeehaus. Fitz (40) ist ein Verehrer des klugen Moralisten Kästner. dpa sprach mit dem Kinostar.

Was verbindet sie mit Kästner und welche Rolle spielte er in ihrem Leben?
Florian David Fitz: Ich bin Münchner und Kästner hat dort Jahrzehnte seines Lebens verbracht. Er hat einen feinen Humor, meiner ist vielleicht nicht ganz so fein. Kästner hat mit Otfried Preußler zusammen zu meinen prägenden Kindheitsfiguren gehört. Die Bücher, die Kassetten, die Filme.

Sagt ihnen Kästner als Charakter zu?
Er hat sich selber als menschenfreundlichen, ironischen Moralisten gesehen. Später hat er eingesehen, wenn man die Menschheit ändern will, soll man bei sich selber anfangen – und da aufhören. Und auch ich befrage mich heute öfter genau über mein eigenes Tun, bevor ich den Mund aufreiße. Außerdem finde ich seine Gedichte sehr hart, düster, klug und kritisch. Er war kein reiner Kinderbuchautor.

Interview: Florian David Fitz ist Erich Kästner

Sind sie auch ein ironischer Moralist?
Leider schon. In Bezug auf den Moralisten leider, weil es immer so etwas Pädagogisches hat, was man sich verkneifen möchte. Und die Ironie ist natürlich das eleganteste Kleid des Moralisten.

Einem Tourette -Kranken wie in ‘Vincent will Meer’ rutschen unkontrolliert immer wieder schlimme Gedanken und Worte raus. Wäre weniger Kontrolle und mehr Direktheit in der Kommunikation erstrebenswert?
Das widerspricht sich nicht. Kontrolle bedeutet, dass man sich überlegt, was man sagt. Das ist nicht unbedingt dumm. Bei der Direktheit muss man sich die Wirkung auf den Anderen überlegen. Direktheit kann auch ein Ego-Trip sein. Die Kunst der Kommunikation ist jedenfalls unendlich kompliziert. Es geht im Grunde darum, in Kommunikation zu bleiben. Die größte Kunst ist Zuhören.

‘Der geilste Tag’ als letztes Abenteuer zweier Todkranker mit ihnen und Matthias Schweighöfer kommt 2016 in die Kinos. Es ist titelgemäß eine Jagd nach besonders schönen Stunden. Lohnt das Jagen?
Ich möchte gerade die Jagd nach dem Optimum auf die Schippe nehmen. Mittlerweile irritiert mich das, dass man das Optimale aus seinem Leben rausholen soll. Was soll das sein, das Optimale? Es geht auch darum, das zu nehmen und wahrzunehmen, was da ist. Ich war früher auch einer, der sich ständig Sachen angeeignet hat. Es geht aber auch ums Gegenteil. Es geht auch um Dinge, die man einfach lässt. Auch für Kreativität ist ein bisschen Leerlauf nicht schlecht.

Interview: Florian David Fitz ist Erich Kästner

Kästner war ein klassischer Kaffeehaus-Literat. Wie ist es bei Ihnen. Schreiben Sie Drehbücher dort?
Ich mag das Kaffeehaus schon. Aber ich bin keiner, der sich zum Schreiben in Café setzt. Mir ist das zu laut.

Schon zu ihrer Zeit als noch unbekannter Schauspieler in New York haben ihnen viele Frauen Avancen gemacht. Wie ist das Leben als Frauenschwarm?
Das ist eine Art von Heiligenschein, der einem von außen verpasst wird. Davon profitiere ich, das ehrt einen. Aber das prägt nicht den Alltag.

Zur Person: Fitz (40), geboren und aufgewachsen in München, wollte nach dem Abitur zunächst Komponist oder Maler werden. In den USA studierte er am Boston Conservatory Gesang und Schauspiel. Für seine Rolle in der Komödie ‘Meine verrückte türkische Hochzeit’ erhielt er 2006 den Grimme-Preis. In der Krankenhaus-Serie ‘Doctor’s Diary’ (RTL) spielte er einen machohaften Oberarzt. Mit dem Kinofilm ‘Jesus liebt mich’ gab er sein Regiedebüt. ‘Der geilste Tag’ ist ebenfalls nach eigenem Drehbuch unter seiner Regie entstanden.

Interview: Matthias Röder, dpa, Fotos: ARD Degeto/WDR/Ester Reglin Film/Dor Film/Anjeza Cikopano