Samstag, 29. August 2015, 12:48 Uhr

Chvrches-Frontfrau Lauren Mayberry: Brutales Mobbing wegen Video

Es sind seltsame Zeiten, wenn eine Frau in einem Musikvideo nicht einmal mehr ein normales Minikleid anziehen kann, ohne dafür im Internet brutal gemobbt zu werden. So geschehen bei Chvrches-Frontfrau Lauren Mayberry (27).

Chvrches-Frontfrau Lauren Mayberry: Brutales Mobbing wegen Video

Die Band veröffentlichte erst vor Kurzem das Video zu ‘Leave A Trace’, der ersten Single ihres am 25. September erscheinenden neuen Albums ‘Every Open Eye’. Direkt danach wurde im Internet ein Forum ins Leben gerufen, in dem es geradezu sexistische Kommentare darüber “regnete”. Das verriet die Sängerin jetzt in einem Interview in der britischen Fernsehsendung ‘Channel 4 News’. In dem betreffenden Musikvideo wird der Fokus mehr auf Mayberry, als auf die anderen zwei Bandmitglieder gelegt.

Die Frontfrau zeigt sich darin unter anderem in einem Minikleid, scheinbar auf einer Wasseroberfläche laufend und mit nassen Haaren, während ein Sturm im Hintergrund wütet. Dieses total harmlose Szenario war dann für einige sogenannte Fans dann offenbar doch so anstößig, dass sie die Sängerin im Internet als Heuchlerin beschimpften. Da wurde sie dann auch gleich einmal mit Worten wir “Hure” und “Schlampe” tituliert und ausgiebig darüber diskutiert, ob man mit ihr Sex haben wolle oder nicht. Wenn das mal an Absurdität nicht zu übertreffen ist! Schließlich sei Mayberry auf Twitter selbst noch dazu “eingeladen” worden, sich der Diskussion anzuschließen.

Ihre Reaktion darauf: Sie twitterte nur: “An alle, die glauben, dass Frauenfeindlichkeit nicht existiert. Das tut sie und so sieht sie aus.” In der britischen TV-Sendung ‘Channel 4 News’ gab die Sängerin gestern ihre Meinung über solch ein dümmliches Verhalten kund: “Wenn jemand nicht mag, was eine Frau macht, dann greift er üblicherweise auf die einfachen höhlenmenschlichen Argumente zurück, mit körperlicher und sexueller Gewalt zu drohen. Denn das ist die [einzige] Trumpfkarte. So bringt man Frauen zum Schweigen.”

Und speziell auf das Video bezogen, erklärte Mayberry: “Ich bin eine 27 Jahre alte Frau, die ein Minikleid mit nassen Haaren trägt. Wenn man das nicht gut findet, ist das in Ordnung. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Kritik und Hass.” Weiterhin erzählte sie von einem kranken Twitter-Kommentar, in dem ihr nahe gelegt wurde, “sich eine Pistole in den Mund zu stecken”, wenn sie nicht mit solchen Internet-Anfeindungen klar kommen würde. Diese Person war dann sogar so “nett”, ihr gleich ihre eigene Waffe dafür anzubieten. Hat man dafür noch Worte?! Sie selbst gab zu, dass ihr das dann auch schon gehörig zu denken gegeben hätte.

Auf den Vorschlag, das brutale Mobbing einfach zu ignorieren, antwortete Lauren Mayberry: “Sie wollen einem Angst einflößen, dich einschüchtern und zum Schweigen bringen. Es zu ignorieren macht für mich also keinen Unterschied. Und meiner Überzeugung nach bekommen wir sicher genauso viele negative Kommentare, wenn ich bei einem Gig ein übergroßes T-Shirt und kurze Hosen trage, wie wenn ich ein Kleid in dem Video trage. Nach meiner Ansicht gründet es sich nicht notwendigerweise auf das, was man in einem speziellen Moment macht.” Die Sängerin ist mit dem Thema Frauenfeindlichkeit schon seit einigen Jahren vertraut. Schon vor zwei Jahren schrieb sie in der britischen Zeitung ‘The Guardian’ einen Artikel, in dem sie über ihre schlechten Erfahrungen in der Musikindustrie berichtete. Täglich sieht sie sich außerdem mit Vergewaltigungsdrohungen im Internet konfrontiert. Das wirft doch abschließend nur noch eine Frage auf: In was für einer kranken Welt leben wir eigentlich? (CS)