Sonntag, 30. August 2015, 13:43 Uhr

Culcha Candela im Interview: "Candelistan" ist da

Culcha Candela are back! Und noch viel besser, sie kehren zurück zu ihren Wurzeln. Denn ihr neues Album ‘Candelistan’ erinnert stark an die Anfänge der Berliner Kultband. Weg vom Electrosound und zurück zu gut gelaunten Songs und einem Mix aus Reaggeton, Hip Hop und Latinmusic.

Culcha Candela im Interview: "Candelistan" ist da

Zwar verringerte sich die Zahl der Bandmitglieder von sechs auf vier, aber eigentlich sind Culcha Candela noch ganz die alten. klatsch-tratsch.de traf die Herrschaften in Berlin und das auf der grandiosen Dachterrasse des Weekend Clubs am Alexanderplatz.

Viele sprechen von einem Comeback von Culcha Candela. So lang wart ihr aber eigentlich gar nicht weg. Seht ihr es selbst als eine Rückkehr?
Ja, es ist schon ein Comeback. Und zwar weil quasi alles anders ist. Wir sind bei einer anderen Plattenfirma, eine andere Besetzung, wir sind ein bisschen weniger geworden, aber im Endeffekt gleich. Die Essenz von Culcha ist natürlich geblieben, denn wir sind immer noch dieselben. Man kann sagen, wir sind drei Schritte zurück gegangen zu unseren musikalischen Wurzeln, um wieder fünf Schritte nach vorn gehen zu können.

Viele Künstler sprechen immer von Weiterentwicklung, ihr geht Schritte zurück, warum?
Es hat sich richtig angefühlt und uns Spaß gemacht. Mit dem letzten Album haben wir EDM, Autotune und Pop bis zum Anschlag ausgereizt. Und uns war klar, dass wir nicht wieder dasselbe machen wollen. Und deswegen hat es sich einfach richtig angefühlt, wieder Musik zu machen, die zu unseren Anfangszeiten zurück geht. Aber dennoch muss man sagen, alles was wir in der Vergangenheit gemacht haben, hat sich zum damaligen Zeitpunkt immer richtig für uns angefühlt, wir wurden auf keinen Fall zu irgendwas gedrängt. Aber in der Respektive kann man Dinge eben auch wieder anders sehen. Als wir uns 2014 hingesetzt haben und mit der neuen Platte angefangen haben, haben wir gesagt wir machen das, worauf wir Bock haben und das ist nun eben das Ergebnis.

Die Meinungen zu eurer Entscheidung back to the roots zu gehen, werden von Fans unterschiedlich aufgenommen. Lest ihr Kommentare z.B. bei YouTube?
Naja, alle Kommentare lesen wir nicht, aber wir versuchen es. Hast du ein paar bestimmte Kommentare?

Ja, z.B. „Hilfe, mein Lieblingstyp ist weg!“
(Lachen). Aber wir sind doch noch da!?

Oder dass ihr ein Mix aus Texten der Fantastischen Vier seid und vom tänzerischen eher die Backstreet Boys?
Ist das auf das Video zu „Scheiße aber happy“ bezogen? Wegen der Tanzerei mit dem Wasser? Naja das haben wir natürlich extra so gemacht, denn wir hatten in der Vergangenheit nie die Möglichkeit uns mal so zu zeigen. Wir wollten unseren Plautzen ein Denkmal setzen, das fanden wir geil. Wir finden den Kommentar auch gar nicht negativ, sondern sehr treffend. Fanta 4 trifft auf Backstreet Boys, besser kann man das Video zu dem Song auch nicht beschreiben. Und wir finden, wir sehen besser aus als die Backstreet Boys.

Okay, dann der letzte Kommentar: „Ihr seid wieder da wo ihr angefangen habt, bitte wieder mehr Reagge und weniger so moderne Pop-Elektro Scheiße!“
Ja das stimmt, da haben wir nichts dran auszusetzen.

Culcha Candela im Interview: "Candelistan" ist da

Was könnt ihr denn ansonsten noch über euer neues Album erzählen, außer das ihr zu euren Wurzeln zurück kehrt?
Man kann sagen, das Album ist sehr bunt. Das kann man zum Beispiel auch auf dem Cover sehen, denn es hält was es verspricht. Und wir können sagen, jeder wird mit Sicherheit mindestens einen Song darauf finden, den er feiern wird. Das hat uns einfach schon immer ausgemacht, dass wir unsere verschiedenen Einflüsse mixen. Wir haben ein Album kreiert, das konsequent gute Stimmung verbreitet. Und wenn man unsere ganzen Alben miteinander vergleicht, kann man sagen, dass „Candelistan“ und unser aller erstes Album sich am meisten ähneln.

Und was hat es mit „Candelistan“ auf sich? Erinnert mich an Absurdistan?
Genau, dass ist so eine Traumvorstellung oder eine Traumwelt, die wir erschaffen haben. „Candelistan“ existiert in unseren Social Media Kanälen schon lange. Denn wir sprechen unsere Fans schon lange mit „Candelistan“ an. Deswegen dachten wir, wir geben dem ganzen einen konkreteren Rahmen, indem wir das Album so benannt haben. Es ist ein Land, das in unserem Kopf existiert, wo alle Leute Willkommen sind, wo es freundlich und bunt ist und wo es die einzige Bedingung ist, nett zu sein. Es gibt keine Grenzen, es ist Platz für Jeden. Und wir packen den Ort zusammen und gehen damit auf Tour, d.h. wir bringen ihn in die Bundesrepublik.

Es ist schwer zu übersehen, ihr seid nur noch zu viert. Hat sich etwas für euch an der gemeinsamen Arbeit verändert? Ist es vielleicht leichter?
Auch wir mussten einen Weg finden, mit jeder Konstellation zu arbeiten. Für uns hat sich aber nicht so viel verändert, wir kennen uns und können gut zusammen arbeiten. Wir sehen das überwiegend positiv, natürlich mussten wir auch schauen, okay wie machen wir das jetzt, es war auch ungewohnt für uns. Aber dadurch, dass wir weniger geworden sind, ist mehr Platz entstanden um auch mit anderen Künstlern zusammen arbeiten zu können. Das war vorher einfach schwieriger.

Culcha Candela im Interview: "Candelistan" ist da

Andere Bands entscheiden nach dem Weggang einer oder mehrerer Bandmitglieder, sich neue dazu zu holen, war das bei euch auch einmal eine Option?
Nein! Wir haben darüber geredet, aber haben uns dann ganz schnell dazu entschieden es nicht zu tun.

In eurem Song „Scheiße aber happy“ geht es darum, dass man Dinge tut, die vielleicht nicht richtig sind, damit jedoch aber trotzdem glücklich ist. Gibt es denn etwas, was die letzten Monate bei euch so richtig scheiße war?
Nein, eigentlich waren gerade die letzten Monate richtig geil. Letztens sind wir z.B. bei der Starnacht am Wörthersee aufgetreten, das ist eine Schlagerveranstaltung. Früher hätten wir vielleicht gedacht, das wäre blöd, aber ganz ehrlich, es war richtig cool dort. Wir hatten einen hammer Ta, an dieser wunderschönen Location. Natürlich waren wir mit unserer Musik die Exoten bei dieser Veranstaltung, aber wir hatten einen tollen Tag und es ist schön, auf anderen Bühnen zu spielen und ein neues Publikum zu erreichen. Und der Song „Scheiße aber happy“ bringt es unserer Meinung nach auf den Punkt, man kann es nicht jedem Recht machen, aber wir sind glücklich dabei.

Eine eurer Stärken waren ja schon immer eure Live-Auftritte….
War? Sind!

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Culcha Candela im Interview: "Candelistan" ist da

Stimmt. Einer eurer Stärken SIND eure Live-Auftritte, was können die Fans diesmal erwarten?
Im September beginnen die Proben für die Tour und dann stellen wir die ganze Show auf die Beine. Wir wollen wieder eine richtige Show machen, da wir jetzt auch viele neue Songs haben, die wir performen können. Wir haben zwar keine Band, aber Backroundsänger, Tänzer und einige Überraschungen. Wir wollen die Bühne richtig ausnutzen und uns zu jedem Song etwas Neues ausdenken. Wir wollen das Publikum mit einbeziehen. Wir wollen das Publikum schwitzen sehen, sie sollen sich bewegen. Es wird sehr heiß werden, alle sollten sich ein Wechselshirt mitnehmen. Und eine Culcha-Show verbindet auch. Denn auch wenn du alleine kommst, du wirst nicht lange alleine bleiben.

Also ist ein Culcha-Konzert auch eine Singlebörse?
Genau, es sind schon lebenslange Beziehungen aus unseren Konzerten hervorgegangen.

Wie muss man sich das denn eigentlich vorstellen, wenn ihr auf Tour seid? Wie auf einer Klassenfahrt?
Ja, auf jeden Fall. Aber geiler. Wir haben ein Bus, da schlafen wir alle. Unsere Schuhe liegen immer überall verteilt im Bus herum, mal riecht es gut, mal nicht so gut. Es ist schon eine sehr ähnliche Situation wie auf einer Klassenfahrt.

Fotos: WENN.com/Hoffmann, Warner Music