Sonntag, 30. August 2015, 18:14 Uhr

Shamir: Der etwas andere Rapper aus Las Vegas

Zugegeben, es ist nicht ganz einfach Newcomer Shamir zu beschreiben. Der 20-jährige Sänger und Rapper aus Las Vegas ist das, was viele andere Künstler gerne wären: Anders. Optisch und stimmlich ist er androgyn und das kommt an.

Shamir: Der etwas andere Rapper aus Las Vegas

Im Internet ist ein echter Hype um den „On the regular“-Interpreten ausgebrochen. Selbst die Kritiker vom britischen ‘Guardian’ nennen ihn anerkennend „den queeren Held des Internets“ und empfehlen den Sänger mit der hellen Stimme weiterhin im Auge zu behalten. klatsch-tratsch.de -Quasselstrippe Dennis hat sich mit dem Newcomer zum Talk getroffen.

Wann bist du das letzte mal so richtig ausgerastet?
Um ehrlich zu sein, versuche ich nicht auszurasten, ich versuche meinen Ärger mit mir selbst auszumachen. Wobei mein Tourmanager bringt mich häufig zur Weißglut. Wenn er mal wieder anfängt, sich über mich und meine Band lustig zu machen.

Du wirfst dann aber nicht dein Handy nach ihm oder so …
Um Gottes Willen, nein. Für so was bin ich nicht der Typ. Sachen rumzuschmeißen hilft mir nicht, mich besser zu fühlen. Ich ziehe mich dann eher zurück und meditiere oder schrammel irgendwas mit meiner Gitarre.

Was kann dir den ganzen Tag versauen?
Manchmal können es Leute sein, die einem einen eigentlich schönen Tag versauen. Ich versuche das aber nicht zu sehr an mich ranzulassen. Stimmungskiller sind für mich unhöfliche und unverschämte Menschen, die einen grundlos dumm anmachen.

Was ist denn dein peinlichster Song auf dem Handy?
So wirklich peinlich ist keiner. Ich mag alle Song auf meinem Handy und stehe zu ihnen. Da sind aber sicher einige Tracks dabei, die andere Leute peinlich finden würden. Beispielsweise das dritte Album von Mandy Moore, das ist eines meiner All-Time-Lieblinge. Das war der Zeitpunkt, wo sie sich von ihrer Bubblegum-Pop-Musik verabschiedet hat und einen erwachsenen Indie-Weg eingeschlagen hat. Ich werde sicher auch ewig die Jonas Brothers lieben. Ich weiß gar nicht, ob es noch als peinlich gilt die zu hören, aber ich habe viel Musik von denen.

Lass uns über dein schlimmstes erstes Date sprechen …
Um ehrlich zu sein, habe ich noch gar nicht so viele unterschiedliche Date-Erfahrungen. Ich habe mich bisher vielleicht mit zwei-drei Leuten getroffen.Das liegt daran, dass ich ziemlich introvertiert bin. Es kommt schon vor das Leute mit mir reden wollen, aber es zeigt sich meist recht schnell, dass sie furchtbar von der Art her sind. Ich wende mich dann aber auch ganz schnell ab. Bisher hatte ich echt noch kein schlechtes Date.

Auch schön. Dann kennst dieses lange, peinliche Schweigen, diese gequälten Gespräche über das Wetter und diese lang gezogenen „Ach ja …“-Seufzer gar nicht …
Das ist ja furchtbar. (Lacht) vielleicht liegt es daran, dass ich auf keine Blind Dates gehe, sondern die Leute davor schon kenne. Blind Dates finde ich um ehrlich zu sein auch ganz schön gruselig. Ich hätte viel zu viel Schiss an einen Kettensägenmörder zu geraten. (lacht)

Shamir: Der etwas andere Rapper aus Las Vegas

Was war die schlechteste Anmache, die du je zu hören bekommen hast?
Gott sei Dank noch keine. Ich bin aber auch noch so jung. Über diese Frage sollten wir uns in zehn Jahren noch mal unterhalten. (lacht) Bisher hatte ich auch nur drei Beziehungen. Du merkst, ich bin bisher noch recht unbedarft.

Hast du eine Alkohol-Weißheit?
Ja, niemals Alk wild durcheinander mixen. Dann gibt es auch keinen Kater. Zumindest ist das so bei mir so. Das habe ich wirklich nie. Da kann ich noch so besoffen sein. Außer bei meinem letzten Geburtstag. Da habe ich wild durcheinander gesoffen und die Quittung dafür war furchtbar.

Erinnerst du dich noch an deinen schlimmsten Auftritt ever?
Ja, das war mein allererster. Damals noch mit meiner alten Punkband in der Erstbesetzung. Unsere Drummerin ist während der Show plötzlich wie eingefroren und konnte nicht mehr spielen. Das war furchtbar. Wir sind dann einfach von der Bühne gerannt, weil einfach nichts mehr ging. Das war reinste Albtraum.

Was ist dein schlechtester Song?
Hm. Vermutlich „On the regular“, obwohl das eigentlich von den meisten der Lieblingssong ist. Ich habe ihn damals eigentlich – wenn du so willst – für die Mülltonne geschrieben. Mein Produzent hat mir damals das Instrumental geschickt und ich konnte nicht dazu singen. Der Beat hat ja keine Melodie und ist eher unruhig. Er meinte dann: „Versuche es trotzdem mal“. Ich habe dann darüber gerappt und bin eigentlich davon ausgegangen, dass sie den Song verwerfen werden, weil ich ja eigentlich ein Sänger bin. Das Gegenteil war der Fall: Sie liebten den Song. Ich bin kein Mensch, der sich selbst besonders ernst nimmt, aber dieser Song ist halt ein Spaßsong. Es ist toll ihn zu haben und letztendlich bin ich froh mehr oder weniger dazu gezwungen worden zu sein, diesen Song zu machen und mich aus meiner Komfortzone zu bewegen und neues zu versuchen. (lacht)

Hast du die Erfahrung gemacht, dass man dich im Musik-Biz zu etwas machen wollte, was du nicht bist?
Ja, vor allem die Presse. Mein Label aber Gott sei Dank nicht. Die sehen mich als Person und Künstler und lassen mich machen. Die würden mich nie in eine Rolle drängen, nur um dadurch ein Image zu generieren. Darüber bin ich echt froh.

Du definierst dich selbst als androgyn.  Du trägst Teile von beidem in dir. Wann ist dir das bewusst geworden?
Androgyn ist halt das Wort dafür und so hat man mich immer genannt. Ich wurde mein ganzes Leben schon als Mann oder Frau verwechselt. Wenn man mich von außen sieht, dann weiß keiner genau, ob ich ein Mann oder eine Frau bin. Es war keine Wahl, sondern einfach, wer ich bin. Biologisch gesehen bin ich ein Mann und das ist für mich vollkommen ok, aber viele sehen mich als Frau. Ich korrigiere die Menschen aber wenn sie mich in der Öffentlichkeit mit „Junge Frau“ oder Ähnlichem ansprechen. Es kommt häufig auch zu skurrilen Situationen, dass ich beispielsweise in Restaurants vom Kellner den Schlüssel für die Damentoilette in die Hand gedrückt bekomme. Da weiß ich dann immer nicht so genau, wie ich das finden soll. (lacht)

Nervt es dich, dass in jedem Interview das Gespräch darauf kommt?
Naja, mich nervt es eigentlich nur, wenn es so dargestellt wird, als ob eine Wahl ist, ist so zu sein oder etwas Großes, etwas zwielichtiges. Das ist es nämlich nicht.