Dienstag, 01. September 2015, 11:12 Uhr

"Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger!"

Dass es Bayerns Innenminister Joachim Herrmann mal auf diese Seiten schafft, hätte er wohl selber nicht geglaubt. Doch nun sorgte er mit einer bizarren Entgleisung in einer Fernsehsendung für Furore.

"Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger!"

In der Talkshow ‚Hart aber fair‘ mit Frank Plasberg zum Thema “800.000 Flüchtlinge – schafft Deutschland das?” wollte er ein Beispiel nennen für herausragende Integration von Einwanderern: “Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat”, sagte Herrmann lächelnd. “Und beim FC Bayern spielen auch ‘ne ganze Menge mit schwarzer Hautfarbe mit. Und das finden die Fans vom FC Bayern auch gut.”

Die Äußerung sorgte mit reichlich Verspätung allerortens für Empörung, zumal das Wort „Neger“ als eine abwertende und rassistische Bezeichnung für Schwarze gilt. Im letzten Jahr wurde ein bayrischer Rentner wegen des Gebrauchs des Wortes zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verdonnert.

In der Sendung selbst herrschte zu der Äußerung erstaunlicherweise nur betretenes Schweigen. Plasberg entfleuchte nur ein „Hola!“ Diskussionsrunden-Teilnehmer Ranga Yogeshwar sah es gelassen “Mir hat man auch schon mal Neger gesagt. Das ist einfach so. Wahrscheinlich ist das Mangel an Differenzierung. Der kommt aber mit der Zeit.”

Heute früh im ZDF-Morgenmagazin rechtfertigte Hermann sich, dass dies doch nur eine Reaktion auf einen Einspieler gewesen sei, in dem ein Bayer sagte, er wolle “Neger” nicht in Deutschland haben. “Ich verwende das Wort Neger sonst überhaupt nicht“. „Und dann schob er noch einen Satz nach: Franz Josef Strauß hat auch mal zu Roberto Blanco gesagt: ‘Wir Schwarzen müssen zusammenhalten’.” Ein echter Schenkelklopfer!

"Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger!"

Was der in Tunesien geborene Roberto Blanco dazu sagt ist bis zur Stunde noch nicht bekannt. 2003 hob übrigens das Satiremagazin ‚Titanic‘ Roberto Blanco auf den Titel und fragte nach einem neuen Bndespräsidenten: „Muß es denn immer ein Mann oder eine Frau sein? Warum nicht mal ein Neger?“

UPDATE 17.00 Uhr: Inzwischen meldete sich auch Roberto Blanco zu Wort. Im Interview mit ntv sagte er u.a.: „Ich nehme ihm das nicht übel. Sie müssen sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Er hat gesagt, ich wäre ein (und jetzt betont Blanco vor allem das Adjektiv) ganz w-u-n-d-e-r-b-a-r-e-r Neger. Wissen Sie, das Wort Neger existiert schon sehr lange, und heute ist es natürlich angebrachter, von einem Farbigen zu sprechen, das ist sicher richtig. Klingt besser. Aber es kommt immer noch drauf an, wie man das Wort “Neger” benutzt. Der Ton macht die Musik …“

Er sei hier in einem zivilisierten Deutschland. „Hier sind nicht alle Nazis, noch nie, das habe ich noch nie gedacht oder so empfunden. Ich habe nie Probleme gehabt, im Gegenteil. Meine Kinder auch nicht. Ich bin seit 60 Jahren im Show-Business und meine Fans stehen an meiner Seite.“

Fotos: WDR/Oliver Ziebe, WENN.com