Donnerstag, 10. September 2015, 17:55 Uhr

Karl Lagerfeld: Der König der Maßlosigkeit wird heute eventuell 80 oder so

Karl Lagerfeld wird bewundert und hofiert. In der Welt der Mode gilt er seit dem Tod von Yves Saint Laurent als Alleinherrscher. In den Medien ist der Star omnipräsent.

Karl Lagerfeld:  Der König der Maßlosigkeit wird heute eventuell 80 oder so

Wer sich hinter der Stilikone mit dem weißen Mozartzopf und der Sonnenbrille wirklich versteckt, bleibt ein Rätsel – so wie sein Geburtsdatum. Nur der 10. September steht fest. Lange kursierte 1938 als Lagerfelds Geburtsjahr. Andere Quellen sprechen von 1933. Vor wenigen Jahren datierte der Mode-Maestro das Ereignis auf 1935. Glaubt man ihm, kann man ihm jetzt zum 80. Geburtstag gratulieren.

Modezar, Fotograf, Designer, Filmemacher, Verleger und Stilikone: Frankreichs Presse nennt den gebürtigen Hamburger, der Frankreich und Paris zu seiner Wahlheimat erkoren hat, “König der Maßlosigkeit” oder “Karl den Großen” in Anspielung an den gleichnamigen Herrscher, der bis 814 König des Frankenreichs war, das unter ihm zu seiner größten Ausdehnung und Machtentfaltung fand.

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Er habe sich schon immer für Kleider interessiert, ohne zu wissen, dass man das Mode nenne, sagte Lagerfeld einmal in einem seiner zahlreichen Interviews. Als er in der französischen Hauptstadt Mitte der 50er Jahre seine Mode-Karriere begann, arbeitete er zunächst für Namen wie Balmain, Patou und Chloé. Sein Wechsel im Jahr 1983 zu Chanel war wegweisend. Er rüttelte die traditionsreiche Luxusmarke aus ihrem Dornröschenschlaf. Die typischen Tweedstoff-Jacken poppte er mit Bändern und Fransen neu auf, Haute Couture-Kleider kombinierte er mit Sportschuhen. Treu blieb er dem klassischen Cocktailkleid und dem rosa Kostüm.

Lagerfeld darf und kann alles. Ausgerechnet der High-Society-Vertreter verkaufte kurzzeitig bei H&M. Bei den diesjährigen Pariser Schauen veranstaltete der Fashion-Meister – neben seinem Haute-Couture-Defilee für Chanel – erstmals für das römische Modehaus Fendi eine Haute-Couture-Pelzschau. Anlass war sein 50-jähriges Dienstjubiläum. Mode unter seinem eigenen Name kreiert Lagerfeld seit Mitte der 70er Jahre.

Seine Kreativität kennt keine Grenzen. Als Fotograf, Designer, Filmemacher und Verleger schlug er immer wieder neue Wege ein. “Man muss sich für alles interessieren – aber man darf nie nur in eine Richtung gehen, man muss sich alle Türen offen halten. Man darf seine Neugierde nicht verlieren, sonst geht die Energie weg”, sagte er der Wochenzeitung ‘Die Zeit’.

Im Jahr 2008 entwarf er für den Spielzeughersteller Steiff einen Lagerfeld-Teddybär. Das Schmusetier mit Sonnenbrille, schwarzer Seidenkrawatte und weißem Hemd mit Stehkragen war auf 2 500 Stück limitiert – der Preis für das Alpaca-Plüschtier: 1000 Euro. Ein Lagerfeld zum Kuscheln? “Ich interessiere mich nur für mich selbst und mein Spiegelbild”, lautete seine Begründung.

Karl Lagerfeld:  Der König der Maßlosigkeit wird heute eventuell 80 oder so

Berühmt-berüchtigt sind seine Ironie und seine Lästerattacken. Die britische Sängerin Adele finde er zu rundlich, das Model Heidi Klum sei nicht top wie Claudia Schiffer oder Nadja Auermann, wie ihn die Zeitschriften die ‘Bunte’ und ‘Glamour’ zitieren. In seinem Buch ‘Karl über die Welt und das Leben‘ schrieb er: “Niemand will eine kurvige Frau auf dem Laufsteg sehen. Es sind die fetten Frauen, die mit einer Tüte Chips vor dem Fernseher sitzen und sagen, die dünnen Models seien scheußlich.“ Einen Aufschrei des Entsetzens löste der Modezar auch aus, als er sagte, Sängerin Adele sei ein kleines bisschen zu fett, habe aber ein schönes Gesicht und eine begnadete Stimme. Und er mag das Gesicht von Pippa Middleton nicht. Sie solle sich nur von hinten zeigen, sagte er der Boulevardzeitung ‘The Sun”.

Bei Sandra Maischberger konfrontierte man ihn mit seinen Klassenkameraden (Siehe Video). Lagerfelds Kommerntar: “Bitte nehmen sie diese grauenhaften Lustgreise weg.” “Karl der Große” kann sich so etwas herausnehmen. Auch eine Luxus-Katze halten. Lagerfeld ließ sie für Opel und japanische Schönheitsprodukte werben. Millionen von Euro soll seine Choupette damit verdient haben.

Karl Lagerfeld nimmt übrigens seine einstigen Gewichtsprobleme mit Humor. Der Designer hat 2001 innerhalb von 13 Monaten rund 45 Kilogramm abgenommen, weil er in der Lage sein wollte, stylischere Klamotten zu tragen. Illustratorin Tiffany Cooper enthüllte nun, dass Lagerfeld ihr erlaubt hat, ihn mit mehr Kilos auf den Rippen für die neue improvisierte Biografie ‘Karls Welt‘ zu zeichnen. Ein Kapitel in dieser trägt den Titel ‘Mega Fett‘ und zeigt den Modeschöpfer als dicke Comicfigur essend vor dem Fernseher oder in der Badewanne. Cooper erklärte gegenüber ‘WWD‘: “Wenn er sich mit so etwas einverstanden erklärt, zeigt das, wie offen er ist und dass er einen gewissen Sinn von Humor hat. Es gibt nicht viele Designer, die so etwas machen würden. Er ist aber im Reinen mit seinem Image.“ In der Vergangenheit hatte sich der 81-Jährige auch Ärger, wegen fieser Kommentare, die er zum Thema Gewicht machte, eingehandelt. Diese machte er allerdings, nachdem er selbst abgenommen hatte.
(Sabine Glaubitz, dpa, BANG)

Fotos: WENN.com