Donnerstag, 17. September 2015, 18:57 Uhr

"Die Insassen" mit Wolfgang Stumph: Vom Vorstand direkt in die Klapse

Zwischen der Realität und dem Wahn(sinn) liegt oft nur ein schmaler Grat – und immer mehr Menschen fallen genau dort hinein, weil sie den Anforderungen des modernen Berufslebens oder der zwischenmenschlichen Beziehungen einfach nicht mehr gewachsen sind.

"Die Insassen" mit Wolfgang Stumph: Vom Vorstand direkt in die Klapse

Genau darum geht es in dem Film ‘Die Insassen’, der heute ab 20.15 Uhr im ZDF zu sehen ist.

Dr. Wilhelm Löhring (Wolfgang Stumph) ist auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz, einem ziemlich leeren Büro ziemlich weit oben. Er war ja auch mal ganz oben, nämlich Vorstandsvorsitzender eines international tätigen Finanzunternehmens. Dummerweise ist seine Absetzung von diesem Posten wohl an ihm vorbeigegangen, was ihm aber nun Mitarbeiter und Sekretärin unmissverständlich klarmachen. Daraufhin erleidet Löhring einen totalen Zusammenbruch mit massiven Wahnvorstellungen und völligem Realitätsverlust – und landet in einer noblen Nervenheilanstalt. Hinzu kommt, dass seine Frau Gisela (Leslie Malton) sich von ihm trennen will.

Statt Körbe zu flechten, macht sich der Spezialist für Restrukturierung sogleich an die Analyse der Psychiatrie – sehr zur Freude des Direktors (Ludger Pistor), der seiner Klinik gerne zu neuem Renommee verhelfen möchte.

Statt Körbe zu flechten, macht sich der Spezialist für Restrukturierung sogleich an die Analyse der Psychiatrie - sehr zur Freude des Direktors (Ludger Pistor), der seiner Klinik gerne zu neuem Renommee verhelfen möchte.

Löhring verbündet sich alsbald mit drei anderen Patienten: Keith Winter (Maximilian Brückner) ist ein begnadeter Analyst und kommuniziert nur über beschriebene Zettel, Hubert Wienkamp (Thomas Kügel) ist ein Ex-Personalchef mit Zwangsneurosen, und die clevere Karin Schlick (Jule Ronstedt) war mal Chefsekretärin, hat aber heftige Depressionen. Gemeinsam entdecken sie eine echte Marktlücke und wollen ein florierendes “Soulmanagement-Unternehmen” gründen, samt Börsengang und der Übernahme weiterer 29 Kliniken: Ein ebenso genial wie wahnsinnig anmutender Plan.

“Der Filminhalt ist schon der Wahnsinn”, sagt Schauspieler Stumph (69), der lange Zeit als Kriminalkommissar “Stubbe” im ZDF unterwegs war, der Nachrichtenagentur dpa. “Normale verhalten sich wie Verrückte, und Verrückte verhalten sich wie Normale. Wer hat denn nun wirklich einen an der Klatsche? Wir wollten deutlich machen: Es gibt noch etwas anderes außer Geld und Gier, denn wenn es das nicht gäbe, dann bliebe gar nichts an Menschlichkeit übrig, sondern eben nur Rücksichtslosigkeit.”

"Die Insassen" mit Wolfgang Stumph: Vom Vorstand direkt in die Klapse

Es gehe im Film um den wahren Charakter und das, was uns alle wirklich ausmacht – um den Wert des Menschen, auch um das kleine Glück und die Sensibilität für die Sorgen anderer Menschen. “Und wenn gerade ich das spiele, der ja immer so ein bisschen die Seele der Menschen putzt, dann hören und schauen da vielleicht viele Menschen noch eher hin. Und nehmen die Ernsthaftigkeit des Themas noch intensiver wahr”.

Da ist was dran, zumal Regisseurin Franziska Meyer Price (53) und Wolfgang Stumph sich schon gut kennen: Gemeinsam haben sie bereits ‘Stankowskis Millionen’ gedreht, und ihr nächster Film ‘Die Weihnachtsmänner’ ist am 25. Dezember im Ersten zu sehen. ‘Die Insassen’ ist nicht als reine Komödie angelegt, sondern durch die turbulente Handlung ziehen sich sowohl komische als auch tragische Momente. Gelegentliche satirische Seitenhiebe und das glänzend aufgelegte Schauspieler-Ensemble machen den Film zu einem stimmigen Vergnügen, bei dem trotzdem so manche bittere Wahrheit durchscheint. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger – und mit passendem, offenem Ende – wird dem Zuschauer ein Spiegel vorgehalten. (Klaus Braeuer, dpa)

Fotos: ZDF/Boris Laewen