Samstag, 19. September 2015, 22:05 Uhr

Roland Emmerichs "Stonewall": Die ersten Bilder

„Stonewall“ ist die Geschichte eines fiktiven jungen Mannes, der 1969 in die historischen Stonewall-Unruhen hineingezogen wird: Als Danny Winters (Shootingstar Jeremy Irvine) von seinen Eltern verstoßen wird, muss er seine Freunde zurücklassen und nach New York fliehen.

Roland Emmerichs "Stonewall": Die ersten Bilder

Ohne Dach über dem Kopf und völlig mittellos lernt er in Greenwich Village eine Clique von Street Kids kennen, die ihn in die Kneipe The Stonewall Inn mitnehmen. Doch die zwielichtige Bar gehört der Mafia und ist nicht gerade eine Oase der Ruhe und Besinnlichkeit. Danny und seine Freunde werden diskriminiert und übel behandelt, selbst die Polizei schreckt vor Übergriffen nicht zurück – mit der Zeit staut sich eine ungeheure Wut in ihnen an. Das gilt für Danny ebenso wie für die gesamte Gemeinschaft der jungen Schwulen, Lesben und Transvestiten, die sich im Stonewall Inn treffen. Bis sich eines Tages ihr Zorn entlädt: Als der erste Stein fliegt, kommt es zum Aufstand – der Beginn ihres Kreuzzugs für die Gleichberechtigung.

In weiteren Hauptrollen neben Jeremy Irvine (Foto oben), Jonathan Rhys Meyers und “Hellboy”-Star Ron Pearlman. Deutscher Kinostart ist am 19. November.

Roland Emmerichs "Stonewall": Die ersten Bilder

Regisseur und Produzent Roland Emmerichs Interesse an einer Verfilmung der Stonewall-Unruhen wurde geweckt, als er mit Produzent Michael Fossat eine Führung durch das Los Angeles Gay & Lesbian Center machte. Emmerich war entsetzt von der Statistik, dass 40 Prozent der obdachlosen Jugendlichen Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transsexuelle sind.

Um ihnen zu helfen, überlegte er, wie er als Filmemacher deutlicher auf dieses Problem aufmerksam machen kann: „So entstand mein Interesse. Ich informierte mich über Stonewall. Ich merkte sofort, dass es da eine Geschichte zu erzählen gibt, und deren Botschaft halte ich für sehr wichtig: Gekämpft haben jene Menschen, die am wenigsten zu verlieren hatten, nicht etwa die politisch aktiven Leute, sondern es waren die Kids, die diese Bar frequentierten, wo man Stricher und aufgedonnerte Transen, überhaupt jede Menge Leute traf, von denen man nie erwartet hätte, dass sie der Polizei Widerstand leisten würden. Doch sie haben es getan.”

Doch während die Produzenten und Emmerich den Stonewall-Film unbedingt machen wollten, hielt das restliche Hollywood dieses Thema nach wie vor für zu gewagt und umstritten. „Immer noch schrecken die Leute vor Themen zurück, die nicht durch Action-Helden und große Stars eindeutig kommerzielles Potential bieten“, sagt Produzent Michael Fossat. „Wir setzen in unserem Fall auf einen Hauptdarsteller und auf ein Ensemble, die alle nicht unbedingt zu den etablierten Kassenstars gehören. Grundsätzlich geht es um Schwule, auch wenn es eine Menge Nebenhandlungen gibt. Jedenfalls stieß das gesamte Projekt eher auf Skepsis – es war für uns also extrem schwierig, und trotzdem hielten wir beharrlich an unserem Plan fest.“

„Er hat ein Jahr seines Lebens gegeben, um diesen Film zu machen, und er hat eine Menge seines eigenen Geldes investiert“, so Fossat weiter.

Roland Emmerichs "Stonewall": Die ersten Bilder

Der Produzent fügte hinzu: „Sein Engagement für dieses Projekt ist unfassbar. Die meisten Leute spucken große Töne, handeln dann aber nicht danach – doch Roland hat sein Wort bis ins letzte Detail gehalten. Zweieinhalb Jahre haben wir an der Entwicklung dieses Films gearbeitet. Wir hätten auch kommerziellere Projekte anpacken können, die sich schneller umsetzen ließen und mehr Honorar gebracht hätten, aber nein, wir waren uns einig, dass wir diesen Film machen wollten. Wir alle hatten unsere Gründe, und es berührt mich zutiefst, welche Leidenschaft in dieses Projekt eingeflossen ist. Das betrifft nicht nur uns drei, sondern auch die Schauspieler und die Mitarbeiter. “

Viele Leute hätten die Produzenten angesprochen, als man mit den Dreharbeiten begann: “Sie wollten – egal wie – mitmachen, weil sie ebenfalls fanden, dass diese Geschichte unbedingt erzählt werden muss.“

Roland Emmerichs "Stonewall": Die ersten Bilder

„Ich habe unsere Filmstory zwar komplett erfunden“, fährt Emmerich fort, „aber ich wollte auch historische Figuren vorstellen. Das war ein relativ langer Prozess. Ich sprach mit Freunden, die Ähnliches durchgemacht haben. Sie erzählten davon, wie es damals war, wenn man auf dem Lande aufwuchs. Alle diese Informationen habe ich eingearbeitet. Daraus ergab sich meine Filmgeschichte, die ich mit meinen Produzenten durchgesprochen habe, und wir suchten nach einem Drehbuchautor. Den fanden wir in Jon Robin Baitz.“ Emmerich schätzte Baitz’ aktuelles Stu?ck ‚Other Desert Cities‘, ihm gefiel die coole Sprache des Autors. „Wir setzten uns zusammen, und so ist es dann gelaufen. Langsam, aber sicher entwickelte sich das Skript.“

Emmerich brachte seine Darsteller mit Leuten zusammen, die die Ereignisse miterlebt haben und die Szene kannten. „Ich habe Leute gefunden, die damals Scare Queens waren – so etwas gibt es heute nicht mehr. Sie waren bereit, sich mit meinen Schauspielern zu treffen“, erklärt Emmerich.

Roland Emmerichs "Stonewall": Die ersten Bilder

„Diese Kids waren sehr feminin, trugen Eyeliner und so etwas, aber sie waren keine totalen Transvestiten. Man nannte sie Scare Queens, weil sie sehr arm waren und einfach nicht das Geld hatten, um sich mit echten Fummeln einzukleiden. Es war toll, diese Leute aufzuspüren, die Drag Queens waren, und sie mit den Schauspielern zusammenzubringen – eine gute Idee. Jonny Beauchamp (der Ray/Ramona spielt) hat viele Einzelheiten verwendet, die er während eines langen Gesprächs mit (Stonewall-Veteran) Martin Boyce erfahren hat.“

„Die schwierigste Aufgabe beim Casting war unsere Suche nach Danny, weil er in jeder Szene auftritt: Der Film erzählt seine Geschichte“, sagt Fossat. „Also mussten wir uns entscheiden: Wenn wir einen berühmten Star besetzt hätten, wäre das hilfreich bei der Finanzierung gewesen. Oder wir entschieden uns für jemanden, der in die Story passt und nicht davon ablenkt, der aber als Darsteller genauso solide und verlässlich wie ein Star auftritt. Jeremy (Irvine) bringt diese Ausgeglichenheit mit, er hat eine Menge Erfahrung und ist sehr begabt, wenn er auch noch nicht bekannt ist wie ein bunter Hund. Man kennt ihn aus seinen bisherigen Filmen, aber ich glaube nicht, dass sein Bekanntheitsgrad von der Filmfigur ablenkt. Er soll einfach einen Jungen spielen, auf den wir uns voll konzentrieren. Als Figur soll er eher anonym erscheinen.“

Irvine übernahm die Rolle des Danny, weil er sie einfach nicht ablehnen konnte. „Als ich das Skript zu Ende gelesen hatte, lief es mir kalt den Rücken hinunter. Es hat mich noch Wochen später verfolgt“, erklärt Irvine. „Eigentlich war das ja ein Selbstgänger, die Chance für eine unglaubliche Rolle unter einem Regisseur, den ich sehr bewundere. Das Drehbuch ist makellos geschrieben und sehr witzig, bewegend, und es unterscheidet sich von allem, was ich bisher zu lesen bekam.”

Fotos: Warner Bros.