Sonntag, 20. September 2015, 19:48 Uhr

Kygo: Interview mit einem der großen Newcomer des Jahres

Kygo (24) zählt definitiv zu den großen Newcomern des Jahres.Mit seinen Hits „Firestone“ und „Stole the Show“ hat der norwegische DJ und Producer mit seinem sogenannten Tropical House in den Charts abräumen können. Am vergangenen Wochenende hatte er seinen ersten Berlin-Auftritt beim Lollapalooza Fesival auf dem Tempelhofer Feld. klatsch-tratsch.de-Reporter Dennis hat mit dem sympathischen Newcomer geplaudert.

Kygo: Interview mit einem der großen Newcomer des Jahres

Woher nimmst du deine Inspiration?
Als ich damals angefangen habe die Art von Musik zu machen, die ich heute mache, hatte ich drei Vorbilder. Mein größtes Vorbild war Avicii. Er war der Grund, warum ich überhaupt begann mich für elektronische Musik zu interessieren. Ich liebe seinen melodischen Stil. Es gab dann noch zwei norwegische Produzenten, die ich sehr inspirierend fand. Sie hatten sehr verträumte und melodische Sachen. Es ging sehr in die Deep-House-Richtung mit extrem coolen Baselines. Ich habe sie viel gehört und wollte einen Mix aus dem machen und natürlich meine eigene Note hinzufügen.

Du hast gerade einen Remix von A-ha’s „Take on me“ veröffentlicht. Wie kam es denn zu dem Remake?
Ich liebe es einfachm alte Klassiker zunehmen und in ein neues, alternatives Gewand zustecken. Das habe ich in der Vergangenheit beispielsweise auch bei „Sexual Healing“ von Marvin Gaye gemacht. Auf die Idee haben mich A-ha selbst gebracht. Sie wollten, dass ich einen Remix zu diesem Track mache und ihn in eine moderne Version umwandele. Ich fand die Idee großartig und habe im Studio ein wenig damit herumgespielt. Ich habe diesen Remix Anfang des Sommers gemacht und deshalb wurde der so tropisch mit Wellengeräuschen und Vogelzwitschern im Hintergrund. Für mich war das einfach so ein Sommersong.

Apropos „Sexual Healing“: Gab es eigentlich eine Reaktion zu dem Remix von Marvin Gayes Familie?
Ja, die Familie hat den Remix abgesegnet, denn sie besitzen ja die Rechte an seiner Musik. Als wir den Song auf Spotify bringen wollten und auch Verhandlungen im Raum standen, den Song in einem Film unterzubringen, musste die Zustimmung her. Ihnen hat der Remix gefallen.

Als Du den Song davor bei Soundcloud gepostet hast, hattest du aber noch nicht die Rechte an dem Song, oder?
Ja, damals war es noch ein inoffizieller Remix. Ich hatte davor bei Youtube die Vocals von Marvin Gaye gefunden und beim herumbasteln kam dieser Remix dann zustande. So lief das ab.

Als Coldplay dich gefragt haben, ob du einen Remix für sie machen möchtest, bist du ausgerastet. Wer würde dich noch zum Ausrasten bringen, wenn sie dich um einen Remix bitten würden?
Mittlerweile würde ich vermutlich gar nicht mehr ausrasten. Ich bin aber ständig auf der Suche nach coolen Leuten, um mit ihnen zu arbeiten. Allerdings möchte ich aber meinen Fokus eher eigene Songs legen, statt nur Remixe zu machen. Sehr spannend fände ich etwas mit Ed Sheeran oder The Weeknd zu machen.

Gibt es da schon Bemühungen in diese Richtung?
Nichts konkretes bisher. Ich würde es mir aber echt wünschen. Ich habe Ed Sheeran via E-Mail darauf angesprochen. Er findet die Idee wohl auch ganz cool. Allerdings ist er momentan super beschäftigt und immer unterwegs. Deshalb ist es echt schwer Zeit zu finden, damit wir zusammen mal ins Studio können. Aber ich hoffe wir bekommen mal was zusammen hin.

Kygo: Interview mit einem der großen Newcomer des Jahres

Wie muss man sich das vorstellen, wenn sich Superstar-DJs irgendwo treffen? Backstageparty oder Neid?
Wenn ich irgendwo Künstler wie Robin Schulz oder Martin Garrix treffe, dann freue ich mich immer, weil sie echt cool drauf sind. Wir laufen uns extrem oft über den Weg, weil wir oft auf den gleichen Festivals spielen. Wir freuen uns jedes Mal. Ich würde schon fast von Freundschaften sprechen, die dadurch entstanden sind.

Deine Karriere ist noch recht frisch. Was war die größte Umstellung für dich?
Vielleicht, dass einfach Menschen auf einen zukommen und nach Fotos und Autogrammen fragen. Ich war jetzt am Wochenende in London und da war am Flughafen ein Mädchen, die am Ausgang auf mich gewartet und angefangen hat zu weinen, als sie mich gesehen hat. Solche Situationen sind für mich noch immer etwas seltsam. Aber es freut mich auch, denn es zeigt mir, dass meine Musik ihnen etwas bedeutet. Sie meinte auch, meine Musik hätte sie durch eine sehr schwere Zeit begleitet. Das motiviert mich mehr Musik zu machen.

Was war der seltsamste Kommentar über dich oder deine Musik, den du online gelesen hast?
Ich sehe viele gute, aber auch viele schlechte Kommentare. Ich erinnere mich jetzt aber nicht speziell an einen bestimmten. Vermutlich sind das dann so Kommentare wie „Oh Gott, die Musik ist ja grausam“. Mich stört das aber nicht. Ich denke aber, dass Leute so weit aufgeschlossen sein sollten, dass sie unterschiedliche Musikgenres hören können. Ich weiß, dass nicht jeder meine Musik mögen kann. So ist es einfach. Menschen haben unterschiedliche Geschmäcker und das ist auch gut so. Allerdings scheinen einige Leute das Bedürfnis zu haben den Künstler hinter der Musik zu hassen und ihre Zeit damit zu verbringen Hass-Kommentare zu schreiben. Das kann ich persönlich aber nicht verstehen. Ich denke mir dann immer: „Dann hör dir den Künstler halt nicht an, wenn er dir nicht gefällt.“ Ich würde es eher verstehen, wenn Leute etwas Negatives zu sagen haben und posten: „Mir gefällt das nicht, weil so und so. Vielleicht kannst in Zukunft ja das und das machen“. So etwas konstruktives wäre vielleicht sogar hilfreich, um sich zu verbessern. Kommentare wie „Das ist furchtbar“ sind dagegen wenig hilfreich.

Apropos hilfreich, kannst du uns weiterhelfen und uns verraten wo eigentlich Einhörner leben?
(lacht) Keine Ahnung. Vielleicht in irgendwelchen Geschichten?

Welchen Song würdest du singen, wenn du bei „American Idol“ singen würdest?
Wenn ich singen müsste, dann vermutlich „Don’t stop believing“ von Journey. Und dazu muss ich sagen: Ich bin kein wirklich guter Sänger. Wenn ich dort meine Musik performen müsste, dann würde ich vermutlich „Firestone“ nehmen.

Was würdest du tun, wenn du eines Morgens als Miley Cyrus aufwachen würdest?
Dann würde ich aufstehen, mich zurecht machen und wäre Miley Cyrus für einen Tag. (lacht) Das wäre ziemlich abgefahren.

Du legst auf, wenn die Leute feiern. Feierst du denn selbst viel in deiner Freizeit?
Es geht. So krasses Clubbing mache ich gar nicht, aber wen ich in meiner Heimatstadt bin und Zeit habe, dann gehe ich gerne mit guten Freunden etwas trinken. Ab und an gehe ich auch mal in einen Club feiern.

Kygo: Interview mit einem der großen Newcomer des Jahres

Durch deine Arbeit hast du ja das Nachtleben von Orten wie Ibiza mitbekommen. Kann Norwegen denn da überhaupt mithalten?
Naja, sagen wir es mal so: Die Leute, die dort wohnen, können schon gut feiern. Wir haben aber keine verrückten Clubs wie Ibiza oder so. Wir haben zwar ein cooles Nachtleben, aber das kann man nicht vergleichen.

Was macht eine gute Party für dich aus?
Es sollte dort Alkohol, gute Musik und glückliche Leute geben. Das reicht mir eigentlich. (lacht)

Vorurteil: DJ’s können nicht tanzen. Tanzt du denn?
Ich kann schon tanzen … (lacht)

Dafür brauchst du dann aber Alkohol, oder?
(lacht) Ja, aber ich tanze auf der Bühne und da bin ich nüchtern.

Gibt es so einen bestimmten Tanz-Move, den du immer machst?
(lacht) Ich habe gehört ich mache wohl viel mit meinen Händen. Man muss dazu aber auch sagen, als DJ kannst du hinter der Anlage nicht so herumtanzen. Wobei, man kann das schon. Ich mache das aber nicht. Ich bin halt wohl eher der Hand-Typ. (lacht)

Und sonst so?
Momentan arbeite ich viel an neuer Musik und hoffe mein Album bis Ende des Jahres fertig zu bekommen.

Fotos: WENN.com, SonyMusic