Freitag, 25. September 2015, 22:10 Uhr

Bushido über Schwule, Abou Chaker und das Pöbel-Telefonat von Kay One

Bushido, Deutschlands umstrittenster Rapper, hat bei dem Berliner Sender 98.8 KISS FM in 32 Stunden das längste Interview der Welt gegeben. Von gestern früh um 7 Uhr bis heute Nachmittag um 15 Uhr befand sich der Skandal-Rapper knapp zwei Tage lang nonstop im Gespräch mit Radiomoderatoren, Gast-Interviewern, Politikern, Integrationsbeauftragten, Hiphop-Experten, Freunden und Kritikern.

Bushido über Schwule, Abou-Chaker und das Pöbel-Telefonat von Kay One

In dem Interviewmarathon erklärte er offen wie selten unter anderem, dass an den Gewaltvorwürfen gegen seine Frau nichts dran ist, Drogen für ihn ein No-Go sind und der Abou-Chaker-Clan wie eine Familie für ihn ist. Weiterhin ging es um die deutsche Rapszene, seine Haltung gegenüber Homosexuellen, um seine Vergangenheit, seine Freunde und seine Feinde.

Highlights der Sendung waren unter anderem der nächtliche Überraschungs-Anruf von Kay One, der dem Rapper vorwarf, seinen Song gesperrt zu haben. Doch das Teloefinat endete nur in gegenseitigen Schuldzuweisungen… Mehr dazu unten im Video!

„Wir haben den Weltrekord!“ so Programmdirektor Sebastian Voigt. „Ich bin stolz auf das ganze KISS FM-Team, das in den letzten Tagen sehr hart an den Vorbereitungen zum Interview gearbeitet hat. Und natürlich: Respect, Bushido und Tolga!“ Auch der Rapper freut sich riesig: „Ich möchte einen ganz großen Dank an alle aussprechen. Wir haben den Weltrekord gebrochen. Das ist das Maximum. Es war wie ein Kindergeburtstag, im sehr positiven Sinne. Ich hoffe ich habe genügend Entertainment geboten. Und jetzt werde ich einfach gleich schlafen gehen.“

Ursprünglich waren für das Interview mit dem Skandal-Rapper 98 Stunden angesetzt. Doch der Berliner Sender hat sich mit „nur“ 32 Stunden trotzdem den Weltrekord gesichert. Der Weltrekord zum längsten Interview der Welt mit Bushido entstand im Rahmen einer Challenge gegen 98.8 KISS FM. Nils aus Kreuzberg hatte gewettet: „Ihr schafft es nicht, einen Star 98 Stunden lang zu interviewen.“ Der Hörer mit der Idee kann sich nun über 1.000 Euro freuen.

Hier die Highlights vom zweiten Interview-Tag:

Familie/Kinder:
Bushido: „Ich würde mich freuen, wenn meine Kinder dann irgendwann traurig wären, wenn ich halt nicht mehr da bin. Weil das mit meiner Mutter auf jeden Fall eine Traurigkeit in mir hinterlassen hat, aufgrund dessen, weil sie ein guter Mensch und eine gute Mutter war. Und ich würde mich freuen, wenn ich das auch erst mal hinterlassen würde ohne irgendwelche Denkmäler, ohne irgendwelche Audio-Dateien, Poster und Plakate und Bravo-Cover und so was alles, weil meine Kinder sagen sollen: „Ey, Papa ist jetzt nicht mehr da, aber war cool“. (Stimme zittert, Bushido weint). „Oh ich werd voll sentimental gerade. Bullshit ey. Ist natürlich nur der Uhrzeit geschuldet (schluckt). Aber ist schon wieder alles gut“.

Bushido über Schwule, Abou-Chaker und das Pöbel-Telefonat von Kay One

Seine Haltung zu Homosexualität:
Bushido: „Wenn Leute heute immer noch von Minderheiten reden und dafür sorgen, dass beispielsweise Homosexuelle sozusagen öffentlich immer noch als Minderheit dargestellt werden, das ist so wie Menschen, die angeblich nicht integriert sind blablabla. Wenn wir irgendwann mal aufhören Schwule als Minderheiten darstellen zu wollen, dann verschwindet auch irgendwann diese Idee, dass es eine Minderheit ist. Wir gehören doch alle zusammen, ob jetzt nun zwei davon existieren oder halt fünf, ändert doch nichts an der Tatsache, dass wir alle zusammengehören.“

Seine Beziehung zum Abou-Chaker-Clan und zu Arafat:
Bushido: „Ich fand das mega respektlos, dass mein aller allerbester Freund, den ich habe und eine Person, die auch so unglaublich viel in meinem Leben bedeutet, dass die plötzlich so schlecht dargestellt wird. Er hat ein gutes zwischenmenschliches Bauchgefühl und ich lege sehr viel Wert auf seine Meinung. Meine Gruppe und so und auch meine ganze Gang – nennen wir es jetzt einfach mal so bisschen Rap-Jargon-mäßig – das ist wirklich meine Familie. Mittlerweile hab ich natürlich den Segen, dass ich jetzt meine eigene Familie gegründet habe. Aber das verstehen Leute nicht, die können das gar nicht verstehen, dieses unbedingte Vertrauen und auch diesen unbedingten Respekt, den jemand hat, der nicht auf Angst oder auf Unterdrückung basiert, sondern auf Wertschätzung, auf Liebe und auf Respekt und auch Vertrauen und auch zu wissen, dass diese Person immer nur das Beste für dich will. Und das hab ich in dieser Person.

Deutsches Schulsystem/Schulische Vergangenheit:
Bushido: „Ich bin jetzt generell nicht so unzufrieden mit irgendwelchen theoretischen Punkten im Schulsystem. Die Sorge sollte aber darin liegen, qualifiziertes Personal zu aktivieren, Lehrer und Lehrerinnen, die aktiv mit den Schülern umgehen. Das ist immer leicht gesagt und natürlich auch schwer umzusetzen, aber es reicht halt nicht, sich einfach nur grob nach dem Lehrplan zu richten. Auch gerade so dieses verborgene Talent oder verborgenes Potenzial zu wecken… Ich hatte immenses Potenzial. Rein vom Intellekt her hätt ich locker mein Abi machen können, aber ich hatte keine Motivation. Und vor allem hat ein Lehrer hat dann auch völlig ohne Grund gesagt, ich würde mein Abi nicht machen. Er wollte mir dann in diesem Satz einfach zurückgeben, dass er sagt: „Ok, pass auf, du nimmst mich nicht ernst, du zweifelst meine Autorität an, aber ich kann dir auf jeden Fall versprechen dass du dein Abi nicht machst.“ Das ist so die Retourkutsche, die ich bekommen habe. Anstatt darauf zu pochen, dass er auf jeden Fall respektiert wird… Nur auf Grund der Tatsache, dass er Lehrer ist und wir halt Schüler, das reicht nicht für Respekt, da muss auch zwischenmenschlich einiges stimmen.“

Fotos: 98 8 KISSFM