Sonntag, 27. September 2015, 17:13 Uhr

Guy Sebastian: Australiens heißester Pop-Export im Interview

Guy Sebastian ist Australiens heißester Export. Hierzulande noch eher ein Geheimtipp, aber in seiner Heimat längst ein Superstar. So trat er beim diesjährigen Eurovision Song Contest für Down Under an und sitzt neben Dannii Minogue und James Blunt in der dortigen „X-Factor“-Jury. klatsch-tratsch.de-Reporter Dennis hat sich mit dem sympathischen Sänger zum Talk getroffen.

Guy Sebastian: Australiens heißester Popexport im Interview

Du hattest eben deinen ersten Auftritt in Berlin …
Ja, und es war großartig. Die Gegend um die Warschauerstraße ist einfach unglaublich inspirierend. Dort gibt echt tolle Streetart und es gibt tolle Mode zu sehen. Mich inspiriert diese Ausdruckskraft, die diese Stadt hat. Ich war davor schon zwei Mal in Berlin, habe jetzt aber auch für mich beschlossen häufiger nach Berlin und Deutschland insgesamt zu kommen. Das bietet sich jetzt auch an, wo ich bei Sony Germany unter Vertrag genommen worden bin. Ich möchte in Zukunft auch mehr von meiner Musik nach Deutschland bringen. Ich lerne gerade sogar ein bisschen Deutsch. Da möchte ich noch vertiefen. Ich habe jetzt mit Spanisch angefangen und danach will ich richtig Deutsch lernen.

Klingt, als ob du ein echtes Sprachentalent bist.
Nein, gar nicht. Das ist das Problem. (lacht) Ich war immer gut in der Schule und hatte immer tolle Noten. Meine Schulzeiten längst her und ich habe es verlernt zu lernen. Mein Problem in diesem Zusammenhang ist, dass ich etwas von der Logik verstehen muss, damit ich es umsetzen kann. Das ist bei Sprachen ziemlich schwer. Im Deutschen ist es noch komplizierter habe ich mir sagen lassen. Ihr habt so viele verschiedene Fälle und Ausnahmen.

Hast du eine besondere Beziehung zu Deutschland?
Ja, ich habe eine Wohltätigkeitsorganisation gegründet, die Geld sammelt, um unter anderem Obdachlosen kostenlos warme Mahlzeiten anbieten zu können. Sehr viel Geld kommt von mir, da ich nebenher noch fotografiere und das Geld aus dem Erlös daraus zu 100% an diese Organisation spende. Ich bin für Canon als Botschafter und war in diesem Rahmen in Deutschland zum Wandern. Ich war alleine unterwegs und bin mit dem Auto von München durch den Süden, bis nach Frankfurt gefahren. Habe mir unterwegs das obligatorische Tour-Ding um Schloss Neuschwanstein gegeben. Mein letzter Stop war Berlin und ich kann sagen – auch wenn die Reise recht kurz war – dass ich viel von Deutschland sehen konnte und mehr Zeit hier verbringen möchte. Ich bin fasziniert von der Landschaft und konnte hier echt tolle Bilder machen.

Wann bist du das letzte Mal sauer geworden?
Was mich immer am Fliegen so richtig nervt ist, wie das Bodenpersonal mit unseren Instrumenten umgeht. Vielleicht ist das eine Sache, die für Nichtmusiker schwer zu verstehen ist, aber wir atmen durch unsere Instrumente. Vielleicht ist eine Gitarre nur ein bisschen Holz mit Saiten dran, aber für uns ist sie eine Form der Kommunikation und dadurch wertvoll. Weshalb wir immer sehr auf unsere Instrumente achten. Die Bodenmitarbeiter könnten sie ganz einfach über den Boden gleiten lassen, stattdessen werfen sie die Instrumente aber grob herum. Obwohl schlitternlassen körperlich viel leichter wäre. Manchmal wirkt es echt so, als ob denen das Spaß macht, die Instrumentenkasten zu zerstören. Wir bekommen regelmäßig kaputte Kästen wieder und das nervt.

Wenn wir schon auf Betriebstemperatur sind: Wem würdest du gerne mal eine Kopfnuss geben?
Ich bin eigentlich ein sehr ruhiger und entspannter Mensch. Wenn mich etwas aufregt, dann ist es Ungerechtigkeit oder wenn Menschen gemobbt werden. Da muss ich echt für die Schwächeren eintreten. Ich habe in den Medien mitbekommen, wie Menschen sich vor Flüchtlingsheime gestellt haben, die Flüchtlinge beschimpft und Steine geworfen haben. So etwas widert mich an. Da könnte ich echt ausrasten.

Was ist dein Lieblingsschimpwort?
Scheißenkopf (lacht)

Guy Sebastian: Australiens heißester Pop-Export im Interview

Das ist aber kein richtiges deutsches Wort …
Ich weiß. (lacht) Ich fluche allgemein nicht so viel rum, aber ich habe da ein anderes deutsches Wort von unserer Tourmanagerin gelernt. Meine Band wollte wissen wie man „Motherfucker“ auf Deutsch sagt. Sie meinte dann, es gäbe keine gute Übersetzung außer „Muttivögler“.

Lass uns über die musikalischen Abgründe auf deinem iPod sprechen …
Wenn man es zugibt, wird man von Leuten verarscht, aber wenn man mal irgendwo „Barbie Girl“ spielt, dann rasten die Leute aus, als ob es kein morgen gibt.

Du bist mittlerweile verheiratet, aber erinnerst du dich noch an dein schlimmstes erstes Date?
Oh, da gab es einige. (lacht) Ich kann keine Namen nennen, aber dieses Mädchen hat die ganze Zeit nur Videos von sich und ihren Auftritten abgespielt. Sie hat mir von irgendwelchen Schulauftritten bis zu irgendwelchen Musikvideos alles gezeigt. Aber nicht nur für eine halbe Stunde, sondern das komplett erste Date. Das ging so drei Stunden. „Guck, und das bin ich am Performen hier und da. Ich denke, das ist eine tolle Möglichkeit mich kennenzulernen“. Furchtbar. Ich meinte nur: „Wir könnten uns auch einfach unterhalten und vielleicht was essen“. Das hat sie aber wohl nicht so gesehen und wollte bei unserem nächsten Date wieder da selbe tun. Das ging gar nicht, sie war zu selbstverliebt. Bei einem Date möchte man doch Dinge über die andere Person erfahren. Sie hat mir keine einzige Frage gestellt. Stattdessen haben wir uns alle ihre Auftritte angesehen. Das war seltsam.

Hast du dich mal bei einem Date dumm angestellt?
Ja, ganz früher als Teenager gab es ein Mädchen, in das ich verknallt war. Sie hat in einem Sportladen gearbeitet, an dem ich immer vorbeigelaufen bin. Wir kannten uns nur vom Sehen, weil ich fast täglich in den Laden kam, nur um sie zu sehen. Ich bin immer rein und hab sie freudig begrüßt und sie muss sich auch gedacht haben: „Wer ist dieser Typ, der jeden Tag hier rein kommt ohne was zu kaufen?!“ Ganz selten habe ich auch mal was gekauft, damit ich nicht ganz so stalkermäßig wirke. (lacht) Irgendwann habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen und meinte: „Du bist so cool. Hast du Lust dich mal auf einen Drink zu treffen?“ Ich war damals voll unerfahren und hatte keinen Swag. (lacht) Sie meinte nur: „Hm, eher nicht!“ Das war hart. Sie hätte wenigstens sagen können sie hätte einen Freund oder so, das wäre nicht ganz so hart gewesen. Ich glaube das war das einzige Mal, dass ich jemanden nach einem Date gefragt habe.

Brauchst du auch nicht mehr. Du bist ja jetzt verheiratet. Wirst du immer noch von Frauen angegraben?
Angegraben im Sinne, dass man angesprochen wird, nicht so, aber es gibt diese Blicke. Wenn ich zum Beispiel in einer Mall bin, dann kommt es vor, dass einem Leute hinterherlaufen oder sich vor einen stellen und einem diese sexy Blicke geben. Sie versuchen so Aufmerksamkeit zu bekommen. Darüber habe ich vor zwei Wochen sogar einen Song geschrieben (lacht). Es ist Spaßsong und er heißt „Tempterous“ und inhaltich singe ich in etwa: „Du kommst zu jeder meiner Shows, aber nicht wegen der Musik“. (Singt)

Nice. Könnte ich mir gut mit einem Rap-Feature vorstellen. Kommt der Song auf dein nächstes Album?
Ja. Das habe ich vor. Der Song ist ziemlich funky hat einen leichten 2Step-Beat.

Guy Sebastian: Australiens heißester Pop-Export im Interview

Warte: Du hast den Song erst vor zwei Wochen geschrieben und jetzt schon den Beat und alles?
Jupp, ich sage dir, ich habe in den letzten vier Wochen quasi die Hälfte meines neuen Albums geschrieben. Das hört sich jetzt echt schnell an, aber davor habe ich Monate lang Gedichte und Ideen gesammelt. Ich schreibe immer so in Perioden. Ich sammle und sammle und irgendwann strömt es aus mir raus.

Wenn du einen Song über deine vergangene Woche schreiben müsstest. Welche vier Worte würden darin vorkommen?
Hurrikane – Weil die Zeit einfach so schnell ging und ich so schnell von Stadt zu Stadt gereist bin. wolkig – weil alles zu einem verschmilzt. Ist zwar ein dummes Wort für einen Song, aber naja. Ich bin Nacht für Nacht in einem anderen Hotelzimmer, versuche mir ständig die Zimmernummer zu merken und bin immer weg von zuhause und meiner Familie. Ich liebe was ich mache, aber das ist diese – Sehnsucht – nach Zuhause.Und – Citylights – weil ich jede Nacht in einer anderen Stadt bin.

Lass uns am Schluss noch kurz über den verrücktestes Fan-Erlebnis sprechen.
Da gab es vor längerer Zeit mal diese seltsame Situation. Ich war mit meiner Frau zu Hause und plötzlich klingelte es an meiner Tür. Als ich aufmachte, stand eine fremde Frau vor meiner Tür und sprang mir um den Hals und hat versucht mich zu küssen. Ihr Freund hat sich in einem Baum vor meinem Haus versteckt und wollte Bilder von der Situation machen. Die hatten wohl vor dieses Bilder zu verkaufen. Ich meinte nur „Was machst du?“ und sah dann den Typen auf dem Baum. Ich meinte zu ihm „ Runter vom Baum! Du erschreckst noch meine Nachbarn! Die sind alt“. Wir ist dann erst später aufgefallen, dass die versucht haben mir eine Falle oder etwas zu stellen. Es ist nie ein Bild aufgetaucht, aber das war schon schräg.

Fotos: WENN.com, Brian Powers