Sonntag, 27. September 2015, 19:46 Uhr

Soulstar Mic Donet über sein brandneues Album "Rise and Shine"

Mit “Rise and Shine” meldet sich Mic Donet diese Woche mit einem neuen Album zurück. Viel ist in der Zwischenzeit im Leben des Ex-“Voice of Germany”-Teilnehmer passiert. So hört man dem Wahlberliner eine neue Form der Nachdenklichkeit auf dem Album an. Grund genug, für klatsch-tratsch.de-Reporter Dennis sich mit Mic zu treffen und mit ihm über Tiefgang, Älterwerden, seine Breakdance-Vergangenheit und darüber, wie man das Leben so richtig feiert, zu plaudern.

Soulstar Mic Donet über sein brandneues Album "Rise and Shine"

Dein neues Album ist nachdenklicher als sein Vorgänger…
Nachdenklich war ich schon immer. Man beschäftigt sich schon sehr mit der Frage: „Wo ist der Kern? Wo ist die Essenz?“ Man möchte die Oberfläche verlassen, um in die Tiefe zu gucken. Damit steht auch der Albumtitel „Rise and Shine“ in Verbindung. Der Song auf dem Album beschreibt diese und auch meine Beziehungskiste an dem Punkt, an dem man merkt, dass man nicht mehr in der Lage ist, einen Schritt auf den anderen zuzugehen, in die Tiefe zu gehen und echte Emotionen zuzulassen. Es geht auch um die Frage ‘Wo fange ich an? Wo höre ich auf?’ „Rise and Shine“ war einer der ersten Titel, die ich je geschrieben habe und ich habe ihn nach Jahren aus der Kiste ausgegraben und es war wie eine Reise zurück vom Kind, das praktisch gerade erwachsen wird. Dass alt werden muss, um wieder Kind zu sein, um so zur Essens zurück zu finden. Da steckt einfach diese Nachdenklichkeit drin. Ich bin gerade auch ein einem Alter, in dem man viel darüber nachdenkt, wo man steht, wo man noch hinwill und was man erreichen will. Diesen Impuls habe ich in dem Album sehr stark verarbeitet.

Du scheinst also ein sehr nachdenklicher Kollege zu sein. Macht man sich dann um Dinge wie Erfolgsdruck doppelt einen Kopf? Du hattest diesmal zusätzlich ein Team aus London mit dabei, mit dem du auch viel Neues ausprobiert hast …
Ich denke, es gibt auf dem Album mit Sicherheit den einen oder anderen Song, der die Leute, die ich bisher für mich gewonnen habe, etwas abschrecken könnte oder der für sie komplett neu ist, weil er in eine andere Richtung geht. Ich sage mir immer: ‘Wurzeln wachsen in verschiedene Richtungen, aber sie vergessen nie ihren Stamm’. Ich muss das irgendwie ausleben und finde, dass man sich als Künstler nicht immer zu sehr festlegen sollte. Alles andere fände ich auch etwas lebensfremd. Keiner ist nur nachdenklich, traurig, happy oder was auch immer. Warum sollte ich nicht ein komplettes Spektrum eines Menschen abdecken? Ich habe alle Emotionen in mir und das hat die Platte auch. Sie trägt dich durch alle Stimmungen und da sind auch echt tanzbare Kracher drauf. Da ist alles dabei.

Apropos tanzbar: Kannst du denn tanzen?
Ich glaube schon. (schmunzelt) Noch geht es. (lacht)

Gibt es so einen richtigen Mic-Move, den du immer machst, wenn du tanzt?
Bestimmt. Ich bin ein Kind der Neunziger und mache bestimmt noch einige Bewegungen aus dieser Zeit. Ich habe Breakdancer-Wurzeln. Ich habe lange getanzt und das war echt mein Hauptding, bevor ich in die Musik gegangen bin. Ich habe gute zehn Jahre davon gelebt und für das Video von „The One“ habe ich zwei meiner alten Jungs dazu geholt und wir haben diese Zeiten noch mal aufleben lassen. Und geguckt, was da noch so geht. Wir sind ja auch nicht mehr die Jüngsten. (lacht)

Und? Ging es noch?
Jupp, war alles super.

Überkommt es dich eigentlich manchmal beim Feiern und du lässt den alten Battle-B-Boy raushängen?
Ich war nie so ein Battle-B-Boy. Das war so die Generation danach, als die ganze Welle aus Amerika kam und es so alles ums Zerstören ging. Wir kamen noch aus dieser großen Gemeinschaftswelt, wo sich B-Boys aus ganz Deutschland auf Jams getroffen haben. Wir waren eher eine große Community. Oft war es so, dass du in eine andere Stadt gefahren bist und gar nicht wusstest, wo du die Nacht schlafen wirst. Man traf dort immer einen, der meinte „Kein Problem, du kannst bei mir pennen“. Und den Typen hatte man davor noch nie gesehen. Das war auch egal, denn wir B-Boys waren eine große Familie. Diesen Spirit habe ich noch in mir. Dieses Battle-Ding war nie so meins, mir ging es immer mehr um das Lebensgefühl. Wir haben das Leben gefeiert. Wenn ich heute feiern bin und ein geiler Song läuft, dann bin ich der Erste auf der Tanzfläche.

Soulstar Mic Donet über sein brandneues Album "Rise and Shine"

Was wäre das denn für ein Song?
Definitiv: „Wanna Be Startin’ Somethin’“ von Michael Jackson. Da muss ich immer sofort tanzen.

Kommen dann so ein paar Original-Moves aus dem Video?
Tatsächlich. Ich kann vor allem ein paar Moves aus dem „Beat it“-Video.

Zu welchem Song stürzt man am besten ab?
Ich würde sagen zu „New York“ von Jay-Z und Alicia Keys. Ich verbinde den Song einfach mit Party machen in Berlin und der läuft da eigentlich immer. Meist zu später Stunde, wenn schon ordentlich was drin ist. (lacht)

Apropos Berlin. Du bist ja aus Bayern zugezogen. Gibt es eine Sache an Berlin, die dich nervt?
Ja, diese Anonymität und diese Unverbindlichkeit. Leute sind schnell dabei, wenn etwas geht, aber sie sind ganz schnell wieder weg, wenn du sie brauchst.

Was aus Bayern vermisst du?
Ich vermisse so ein paar Essenssachen aus Bayern wie zum Beispiel Butterbrezeln. Die gibt es zwar auch in Berlin, aber wenn, dann richtig beschissen. Nicht zu vergleichen mit den Originalen. Dann vermisse ich ein bisschen diese Biergartenkultur. In Bayern trifft man sich im Sommer im Biergarten. Das ist einfach toll.

Hier in Berlin schwappen ja jetzt die ganzen Fake-Oktoberfeste rüber …
Ja, aber das hat hier alles keine Kultur. Das ist auch ok. Das muss ja nicht sein.

Bist du eigentlich so ein Oktoberfest-Typ?
Ja, das war früher bei uns immer Pflichtprogramm und da hat man sich einfach getroffen. Treffpunkt bei uns war meist der Schottenhammel, aber nicht im Zelt, sondern davor. Im Zelt war uns einfach immer zu krass. Das ist so ein Verrücktenzelt, wo man eigentlich schon mindestens zwei Maß Bier intus haben musst, bevor du da mitmachen kannst.

Soulstar Mic Donet über sein brandneues Album "Rise and Shine"

Fotos: Brede