Montag, 28. September 2015, 17:50 Uhr

Wolfgang Stumph auf den Spuren von "Go Trabi Go"

Ottfried Fischer saugt Krümel vom Gartentisch, André Eisermann fährt Trabi und Claudia Schmutzler klettert: 25 Jahre nach den Dreharbeiten für den Kultfilm ‘Go Trabi Go’ ist Schauspieler Wolfgang Stumph noch einmal mit der “Rennpappe” von Bitterfeld nach Rom gefahren – ohne Familie und Zelt auf dem Dach.

Wolfgang Stumph auf den Spuren von "Go Trabi Go"

Bei der Spurensuche mit dem MDR-Kamerateam erlebt er Überraschungen, trifft auf Vertrautes und Mitstreiter, die zu Kollegen und Freunden wurden. Der Sender strahlt die knapp einstündige TV-Dokumentation ‘Go Trabi Go Forever’ heute um 22.15 Uhr aus – nach dem Original von 1990.

In der Komödie zuckelt die ostdeutsche Familie Struutz – Deutschlehrer Udo, seine Frau Rita und die 17-jährige Tochter Schakkeline – kurz nach dem Mauerfall im himmelblauen Trabi “Schorsch” von Bitterfeld über Regensburg, München und Rom nach Neapel. Ihr Kompass: Goethes Italienreise. Das Roadmovie nimmt Ost-West-Klischees aufs Korn, es wird mächtig gesächselt und belächelt, und “Schorsch” endet als Cabrio. Für “Stumpi”, wie der Dresdner von Fans genannt wird, war es der Beginn einer beachtlichen Karriere in Kino und TV.

“Das gibt’s nich!” Im Hof der Bitterfelder Ernst-Thälmann-Straße sieht es aus wie damals. “Die heißt auch wirklich noch so, es war, als ob die Zeit stehengeblieben wäre”, erinnert sich der 69-Jährige, als er durch das Backstein-Tor fährt und aus dem Trabi steigt. Dort, wo Filmfamilie Struutz 1990 die “erste große Westreise” begann, fängt auch Stumphs Revival an – mit dem einstigen Drehplan als Wegweiser. “Ich wollte wissen, was aus Kollegen, Mitstreitern und Drehorten geworden ist und was die Zeit mit Ost und West gemacht hat.”

Alles begann – wenige Wochen vor der Wiedervereinigung – am 14. August 1990 in einem Land, das es nach Drehschluss nicht mehr gab. “Es ist wie bei ‘Und täglich grüßt das Murmeltier'”, ruft der Schauspieler 2015 fast ungläubig in die Kamera. “Hier kam Jacqueline raus, damals war aber noch mehr Farbe an der Tür.” Und auch der Putz ist der alte, dafür sind Schlagbäume und Grenzposten Geschichte. Der Stumph trifft Trabant und ‘Go Trabi Go’-Fans ebenso wie Protagonisten und Macher des Films.

Mit Komiker Fischer und Schauspielerin Billie Zöckler sitzt er genau in dem Regensburger Garten beim Kaffeetrinken, in dem der Film-‘Ostbesuch’ einst landete. Fischer befindet in breitem Bayerisch: “So gierig wie früher seins nimma”. Wenig später lässt Stumph Schauspielkollege André Eisermann, der damals Struutz-Neffe Alfons Amberger spielte, in Bad Hersfeld ans Steuer – für eine Spritztour mit dem «kleinen Stinker».

Das putzige Gefährt erregt auch beim nächsten Stopp in München Interesse. “Manche haben sich noch nicht an den Trabi gewöhnt”, sagt Stumph lachend. Im Film muss ‘Schorsch’ nach einem Crash abgeschleppt werden, Frau und Tochter Struutz nutzen die erzwungene Rast zum Shopping. In dem Kaufhaus steht nun plötzlich Liedermacher Konstantin Wecker vor Stumph. “Es waren tolle Leute und ein witziges Buch”, erklärt dieser sein Ja zur Nebenrolle als Playboy.

Wolfgang Stumph auf den Spuren von "Go Trabi Go"

Bei der Bavaria interviewt Stumph Produzent Günter Rohrbach, für den ‘Go Trabi Go’ ein Glücksgriff war. Mit Drehbuchautor Reinhard Kloos und Regisseur Peter Timm trinkt er ein “Aubi” – alkoholfreies DDR-Autofahrerbier – auf dem Schrottplatz, der für ‘Schorsch’ fast zum Friedhof wurde. Ihn sucht Stumph bisher vergeblich. “Der Hauptdarsteller ist verschwunden.” Wie einst ‘Schorsch’ schnauft nun die Kopie um den Gardasee nach Manerba del Garda, wo die Crew auch am 3. Oktober 1990 drehte. “Mir geht wie damals das Herz auf”, schwärmt er.

Hier klettert Schakkeline noch mal auf dem Steg im See an der Stange hoch, an der sie damals für den Film tanzte. Am Strand des Campingplatzes rollt Stumph für Schmutzler die Picknickdecke aus – stilecht mit DDR-Kühlbox, Ost-Sekt und Ostbrötchen. Auch für seine Kollegin, die später “Schwester Stephanie” wurde, war es “der erste Film, die erste Hauptrolle und mein erstes Mal im Westen”. Sie hätte ‘Go Trabi Go’ auch ohne Gage gemacht. “Es war verrückt, im wahrsten Sinne des Wortes”, sagt sie.

Wolfgang Stumph auf den Spuren von "Go Trabi Go"

1,6 Millionen Kinozuschauer und zig Wiederholungen im TV sprechen für sich, findet Stumph, der die Geschichte der Familie Struutz nach dem weniger erfolgreichen zweiten Teil 1992 gern weitererzählt hätte – zehn, 20 oder eben 25 Jahre später. “Es ist keiner angesprungen”, bedauert er. Nun malt er sich am Ende der Dokumentation aus, wie es ihnen ergangen ist: Rita im Ruhestand mit Minijob, Udo zu Hause und Schakkeline erwachsen. (Simona Block, dpa)

MDR/DOKfilm/Thomas Koppehele,