Sonntag, 04. Oktober 2015, 18:42 Uhr

Faithless über ihr Comeback, das neue Album und die Leiden der Newcomer

Vier Jahre ist es nun her, dass Faithless ihre Trennung bekannt gaben. Dieses Band-Aus sollte aber nicht über die Ewigkeit sein, denn nun melden sich Maxi, Rollo und Sister Bliss zurück. Neben dem Comeback gibt es nämlich noch das 20-Jährige Bandjubiläum zu feiern.

Faithless über ihr Comeback, das neue Album und die Leiden der Newcomer

Zwei Jahrzehnte ist es jetzt her, dass Techno-Jünger in knalligen Farben und mit diesen hohen Buffalo-Plateausohlen zu „Insomnia“ – dem größten Faithless-Hit – durch die Clubs gestolpert sind. An diese Zeiten möchten Faithless erinnern und wieder anschließen. Deshalb bringen sie ab kommendem Freitag die Doppel-Compilation „Faithless 2.0“ auf den Markt, für die DJ-Größen wie Avicii, Axwell oder auch Eric Prydz die größten Faithless-Hits neu geremixt haben. klatsch-tratsch.de-Reporter Dennis hat Sister Bliss zum Bandjubiläum gratuliert und vier Alben vom Talk mitgebracht. Die verlosen wir hier!

Wann hattet ihr die Vision, mit Faithless ein Comeback zu starten?
Dieses Jahr ist unser 20. Bandjubiläum und das ist mir Anfang des Jahres erst so richtig bewusst geworden. Da saß ich in der Badewanne. Das ist der Ort, wo die besten Ideen kommen und ich dachte, es sei ein guter Zeitpunkt dieses Jubiläum mit Musik und Shows zu feiern. Glücklicherweise hat Maxi das auch so gesehen und hier sind wir.

Dann lass uns mal auf eure lange Bandgeschichte zurückblicken. Was war dein Lieblings Faitless-Moment?
Das ist schwer zu sagen, weil es einfach so viele tolle Momente gab. Spontan fällt mir unser diesjähriger Auftritt beim Exit-Festival in Serbien ein. Wir haben da noch nie zuvor gespielt und es war einfach großartig da. Wir haben da unser Video für den Avicii-Remix von „Insomnia 2.0“ gedreht. Es ist uns gelungen die Stimmung einzufangen und man kann echt sehen, was für eine großartige Show das war. Es war sehr schön zu sehen, dass den Menschen unsere Musik noch nach all der Zeit viel bedeutet und sie uns so viel Liebe geben – auch wenn wir sehr lange weg waren. Es war beeindruckend zu sehen, wie Menschen aller Generationen absolut ausgerastet sind, als sie uns live gesehen haben. Es war sehr spirituell für uns. Serbien befand sich ja eine Zeit lang in einem Konflikt und wir haben mit vielen Journalisten und Menschen, die wir getroffen haben, darüber gesprochen. Sie haben uns oft erzählt wie wichtig ihnen die Musik von Faithless war. Sie haben unsere Musik gehört, während ihre Städte beschossen wurden und sie nicht wussten, ob sie den nächsten Tag überleben würden. Musik war für sie die einzige Unterhaltung. Die Musik, Texte und die Bedeutung dahinter können das Leben von Menschen verändern. Das zu hören ist als Musiker sehr ergreifend und schafft Demut. Man hofft zwar das den Menschen die eigene Musik gefällt, aber so etwas zu hören berührt einen schon sehr. Man konnte es in der Luft spüren, deshalb fand ich diesen Moment auch so intensiv.

Faithless über ihr Comeback, das neue Album und die Leiden der Newcomer

Habt Ihr als Band euer Jubiläum irgendwie im kleinen Kreis gefeiert?
Nein, die Feierei machen wir bei den Shows. Wir waren zusammen im Studio und haben an ein bisschen neuer Musik gearbeitet. Das hat echt Spaß gemacht, weil bei uns einfach die Chemie stimmt. Es ist für mich auch immer total cool Maxis Stimme aus den Lautsprechern zu hören. Es war echt super.

Lass uns über euer Compilation-Album „Faithless 2.0“ reden …
Die Idee dahinter war, ein paar unserer größten Songs zu remixen. Wir wollten unseren Songs einen neuen Anstrich geben und sie so aufbereiten, dass sie auch die derzeitige Generation inspiriert. Ich denke damit und auch mit den Shows, die wir spielen, machen wir unseren alten Fans eine große Freude. 2.0 ist eine Art Wortspiel, das an die Zahl 20 – also unser Jubiläum – angelegt ist. Wir haben die Zahl aber mit einem Punkt geteilt und es soll auch eine neue Version darstellen. Auch in unserer Live-Band gab es Veränderungen. Wir haben jetzt einige andere Musiker dabei und es fühlt sich alles wieder so frisch und aufregend an.

Welchen Remix auf dem Album magst du am liebsten?
Hmmh, schwer zu sagen, weil da sind schon echt starke Songs dabei. Ich denke Above & Beyond haben einen großartigen Job an „Salva Mea“ geleistet. Das Ergebnis ist ein sehr episches Stück geworden und mit diesen Clacks auch sehr hypnotisch gleichzeitig. Ich bin insgesamt ein großer Fan von denen, ich spiele momentan echt jeden Remix von ihnen in meinen DJ-Sets. Dann gefällt mir auch sehr der High Contrast Remix zu „Muhammad Ali“, weil ich einfach Musik mag, die funky ist. Ich mag aber alle Songs, da alle Remixe anders sind und ich mag sie deshalb alle aus unterschiedlichen Gründen.

Was habt ihr eigentlich während eurer Pause mit Faithless gemacht?
Ich habe eigentlich nur eine kleine Pause gemacht. Wir haben danach noch ein paar Faithless-DJ-Sets gespielt und waren kreativ. Ich habe beispielsweise ein Plattenlabel gegründet und bin nach wie vor viel am Auflegen. Ich habe auch eine Radioshow, die „Sister Bliss in Session“ heißt. Ich bin immer total heiß auf neue Musik und toure in der Weltgeschichte herum und suche nach neuen Produzenten und Künstlern, die ich unterstützen kann. Ich mache auch meine eigene Musik und teile sie mit der Welt. Man kann also sagen, dass es seit dem Tag, seit dem Faithless – ich sage mal pausiert hat – von Pause eigentlich keine Rede sein kann. Auch Maxi ist sehr beschäftigt gewesen. Er ist noch in einer anderen Band und macht viel Musik.

Erinnerst du dich noch an euren schlechtesten Auftritt?
Es gab eine Show in Deutschland – die war jetzt nicht schrecklich – aber sie war sehr denkwürdig und hat uns eine komplett neue Perspektive aufgezeigt. Das war damals ziemlich am Anfang. Wir hatten davor eigentlich nur kleine Shows in Großbritannien gespielt und dann ist „Insomnia“ so krass in Deutschland in die Charts gekommen. Unser Label meinte dann zu uns: „Kommt rüber und spielt dort ein paar Shows!“ Die haben dann unsere Shows gebucht und die Locations wurden wegen der großen Nachfrage immer größer und größer. Das hat uns umgehauen, weil Deutschland damals der weltweit zweit- oder drittgrößte Musikmarkt war und wir plötzlich in einer Riesenhalle in Baden-Baden vor 5.000 Leuten gespielt haben. Außerdem wurde dieses Konzert damals auch von SWF3 live im Radio übertragen. Das was unsere erste große Show und nach dem Auftritt haben wir uns das Konzert auf Kassette nochmal im Tourbus angehört und wir dachten uns „Wir klangen ganz ok“. Wir bekamen dann eine Vorstellung davon, dass das, was wir eigentlich für schrecklich hielten, im Enddefekt gar nicht mal so schlimm klang. Es war also dann auch ein glücklicher Moment.

Faithless über ihr Comeback, das neue Album und die Leiden der Newcomer

Ihr seid seit zwei Jahrzehnten im Musik-Biz unterwegs. Was hat sich eurer Meinung nach am meisten in der Industrie verändert?
Definitiv die Art, wie Menschen Musik konsumieren. Das hat sich durch das Internet total verändert. Musik hat zwar noch einen sehr hohen Stellenwert in ihrem Leben, aber es ist eine völlig andere Art geworden, sie zu vertreiben. Künstler haben heute mehr Kontrolle und können ihre Musik einfach auf Soundcloud oder iTunes stellen. Sie können sich heute selbst vermarkten und promoten oder ihre Freunde über die sozialen Netzwerke einbinden. Früher konntest du so was nicht machen, man musste eine Plattenfirma im Hintergrund haben, die einen promotet etc. Es gibt gute wie schlechte Veränderungen dadurch. Offensichtlich schlecht ist, dass damals, als wir rauskamen, Menschen tatsächlich noch CDs oder Platten gekauft haben und heute streamen Leute noch nur noch Musik. Sie kaufen sie nicht mehr, sie hören sie nur noch oder laden sie sich umsonst runter. Die Kids schauen sich bei Youtube die Videos an, aber die Künstler verdienen daran kaum etwas. Ich stelle es mir in der heutigen Zeit sehr schwer vor, ein Newcomer zu sein. Die Industrie ist sehr schnelllebig geworden, es ist schwer den Leuten aufzufallen, weil es einfach so viel Musik gibt. Wenn dir etwas nicht gefällt, dann klickst du gleich auf das Nächste. Man nimmt sich heute nicht mehr die Zeit, sich in etwas zu verlieben, so wie man das vor 20 Jahren gemacht hat. Auf der anderen Seite sind es aber Menschen, die Musik noch immer lieben und ihr Geld eher in Tickets für Konzerte investieren. Das Verhältnis zum Thema Besitz hat sich einfach verändert. Sie freuen sich wohl einfach, dass Musik zu jeder Tag- und Nachtzeit verfügbar ist und sie einfach nur klicken müssen, wenn sie etwas hören möchten. Sie müssen keine Plattensammlung mehr haben und die CDs müssen sie auch nicht mehr kaufen.

Das sind wirklich einschneidende Veränderungen, die man sich als junger Mensch kaum noch vorstellen kann …
Ja, sehr verändert hat sich auch, dass du als Künstler sehr viel Geld in die Hand nehmen musstest, um in ein Studium zu kommen, damit du dort aufnehmen kannst und deine Musik so abgemixt wird, damit sie irgendwie anhörbar klingt. Heute kannst du Musik auf dem Laptop machen. Es ist fast wie eine Demokratisierung des Musik-Machens. Mein Sohn ist neun Jahre alt und er bringt sich gerade bei am Laptop so ein bisschen Garage-Musik zu machen! Das ist eine faszinierende Entwicklung und wir können dabei zusehen, wie sich für junge Menschen die Pforten der Musikwelt öffnen.

Faithless über ihr Comeback, das neue Album und die Leiden der Newcomer

Macht einen das als Künstler nicht sauer, wenn man seine ganze Zeit sein Geld und sein Herzblut in seine Musik steckt und die Leute streamen die Musik nur, ohne sie zu kaufen?
Doch, wie sollst du heute noch als Künstler von deiner Musik leben und in deine Zukunft investieren? Wie sollst du eine Band bezahlen? Das Geheimnis heißt: Viel Touren. Die wenigsten Künstler können davon leben, wenn sie neue Musik auf den Markt bringen. Sie müssen heutzutage eine Show kreieren, mit der sie losziehen können. Man kann kein Studiokünstler mehr sein. Man muss nebenher noch ein DJ, ein Liveact oder etwas anderes sein, wenn man heute noch irgendwie nach vorne möchte. So etwas wie früher, das einige Künstler ein Album rausbringen und so gut davon leben können, dass sie nicht mal mehr das Haus verlassen müssen, gibt es längst nicht mehr.


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Fotos: SonyMusic