Dienstag, 13. Oktober 2015, 19:48 Uhr

The Voice of Germany: Stefanie Kloß und ihre Pläne für die Show

Stefanie Kloß von Silbermond ist der einzige weibliche Coach bei „The Voice of Germany“. Nach ihrem Einführungsjahr weiß sie jetzt, wie der „The Voice of Germany“-Hase läuft und will es den Männern zeigen.

The Voice of Germany: Stefanie Kloß und ihre Pläne für die Show

Warum sie dafür keinen männlichen Jagdinstinkt braucht, welche Coach-Masche ihr „auf den Sack“ geht und was ein Studio in Nashville mit einem Schuhladen zu tun hat – wo ein großer Teil des kommenden Silbermond-Albums produziert wurde – verrät die Sängerin im Interview mit ProSieben. Hier ein Auszug.

Der Frauenstuhl ist der Einzige, der noch auf einen Sieg wartet. Bei „The Voice Kids“ hat es Lena in diesem Jahr geschafft – wie willst du dein Team zum Erfolg führen?
(lacht) Im Gegensatz zu den Männern haben wir Frauen nicht so einen Jagdinstinkt, diesen absoluten Siegeswillen. Keine Ahnung, woran das liegt. Aber ich will nicht um jeden Preis gewinnen. Ich muss meine Talente erstmal kennenlernen, schauen, wie sie mit dem Ganzen umgehen und wünsche mir, dass sie glücklich sind, wenn sie auf der Bühne stehen. Derjenige, mit dem ich ins Finale gehe, wird das sein. Wenn die Zuschauer das dann auch so sehen, bin ich happy.

Das ist deine zweite Runde bei „The Voice of Germany“ – was hat sich für dich durch die Erfahrung aus der letzten Staffel verändert?
Man fühlt sich auf jeden Fall etwas besser vorbereitet. Es ist ganz witzig zu sehen, wie Andreas als Neuling noch mal ganz anders reagiert – so wie ich in meinen ersten „Blinds“. Jetzt habe ich mehr Ruhe. Ich habe das Gefühl, ein bisschen mehr zu wissen, nach welcher Stimme und nach was ich bei „The Voice of Germany“ suche und was auf mich zukommt – auch wenn die Talente natürlich ganz andere sind.

The Voice of Germany: Stefanie Kloß und ihre Pläne für die Show

Wie hat sich Andreas Bourani in der Coach-Truppe eingefunden?
Wir verstehen uns alle als wären wir schon die ganze Zeit in der Coach-Konstellation zusammen. Und auch die Talente mögen ihn sehr. Ich hatte Andreas als wesentlich zurückhaltender eingeschätzt. Bei der ersten Blind Audition dachte ich, alter Schwede, was ist denn hier los: Er weiß genau, was er will und hat in Rea einen guten Battlepartner gefunden. Da fliegen ordentlich die Funken! Die Fantas und ich gucken uns das an und fühlen uns bestens unterhalten – sehr amüsant.

Wie groß ist der Konkurrenzkampf unter den Coaches in diesem Jahr?
Rea (Garvey) spielt super gerne die „ich bin der alte Hase, ich hab schon so viel Erfahrung und bin auch ein bisschen international“-Nummer. Unser „Neuer“, Bourani, hat schon auch ein paar ganz gute Karten, die er ausspielt. Und die Fantas bestechen natürlich mit ihrem Humor. Jeder hat seine Art, mit der er versucht seine Talente zu angeln und nach vorne zu bringen. Ich konzentriere mich da ganz auf mich und das, was ich leisten kann, nicht auf die anderen Coaches.

Worauf hörst du in den Blind Auditions besonders?
Ich hab mir vorgenommen, dass ich nur bei einer Stimme, die Charakter hat, buzzere. Wenn ich ein Talent singen höre, ohne es zu sehen, muss ein Bild in meinem Kopf entstehen – Stück für Stück, Zeile für Zeile. Ich steh einfach auf Charakterstimmen, wo ein bisschen Kratzen drin ist, die eine kleine Kante haben. Aus denen ich Gefühl und Leidenschaft heraushöre. Das ist das, worum es in der Musik geht.

The Voice of Germany: Stefanie Kloß und ihre Pläne für die Show

Auch mal verdrückt?
Was heißt verdrückt. Manchmal dreht man sich um und stellt fest, das Talent will gar nicht zu dir. Oder man hat nach den ersten paar Sätzen raus, dass man vielleicht nicht auf der gleichen Wellenlänge ist, was natürlich total oberflächlich ist. Aber das ist nicht das, was bei „The Voice of Germany“ in erster Linie zählt. Wenn man drückt, dann ist das eine ganz klare Entscheidung.

Mit welcher Strategie versuchst du die Talente in dein Team zu locken?
Ich bin niemand, der sich anbiedert. Ich will auch niemanden überreden, zu mir zu kommen. Ich bin wie ich bin, das sage ich den Talenten auch. Mir ist es wichtig, auf einen guten Auftritt hinzuarbeiten. Das ist es, was sie letztlich in der Show abliefern, was ihre Familien und Freunde sehen, was sie mit nach Hause nehmen und was einfach für immer bleibt – egal wie weit sie kommen.

Was willst du deinen Talenten in den Coachings mit auf den Weg geben?
In der letzten Staffel sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die die Talente ein bisschen unsicher machen. Einige denken, ich bin in einer TV-Show, jetzt muss ich was ganz besonderes anziehen, obwohl sie sich darin gar nicht wohlfühlen. Und dann können sie sich auch nicht auf das konzentrieren, was sie eigentlich tun sollen: nämlich gut singen. Ich sage immer, zieht Sachen an, in denen ihr euch wohlfühlt. Und dann sorgen wir erstmal dafür, dass ihr euch auf der Bühne zu Hause fühlt und Sicherheit bekommt. Ich trage auf der Bühne auch immer Sachen, die gemütlich sind, in denen man sich gut bewegen kann und nicht unsicher fühlt. Danach können sie auch mutiger werden, was das Styling angeht. Und dann geht es natürlich um die Stimme, um ein paar technische Sachen. Je besser du dein „Handwerk“ beherrschst, desto mehr kannst du auf der Bühne mit deinem Talent spielen.

The Voice of Germany: Stefanie Kloß und ihre Pläne für die Show

In diesem Jahr wird es ein neues Album von Silbermond geben – wie laufen die Vorbereitungen?
Wir sind kräftig am Arbeiten, sitzen im Studio und mit jedem Tag wächst und gedeiht das neue Album. Wir sind selber sehr gespannt und sehr aufgeregt. Einen Großteil des Albums haben wir in Nashville aufgenommen, was eine unglaubliche Erfahrung war. Nashville ist eine sehr inspirierende, musikalische Stadt, in der die Studiokultur ganz groß geschrieben wird.

Worauf dürfen sich die Fans freuen?
In den Blackbird Studios, wo wir aufgenommen haben, gab es unglaublich tolle Möglichkeiten, Sounds auszuprobieren. Das war für eine Band wie ein Schuhladen für Frauen: Du stehst vor einem riesigen Regal voller toller Schuhe – in dem Fall Gitarren, Verstärker, Schlagzeuge und Becken, zum Teil aus Beatles-Zeiten, und kannst dir aussuchen, was du möchtest, um den perfekten Sound zu kreieren. Das war toll, weil wir auf der Platte mehr als je zuvor wie eine wirkliche „Band“, die wir ja auch sind, klingen wollen.


Fotos: ProSieben/ Claudius Pflug