Sonntag, 18. Oktober 2015, 20:39 Uhr

Die Kunst der schiefen Töne: Alles über die schräge Diva Florence Foster Jenkins

Am Donnerstag, den 29. Oktober 2015, startet der französische Nummer 1-Hit ‘Madame Marguerite oder Die Kunst der schiefen Töne‘ in den deutschen Kinos. Frei inspiriert von Florence Foster Jenkins Biografie, erzählt der Film die Geschichte einer Opern-Diva, die eigentlich nicht singen kann.

Die Kunst der schiefen Töne: Alles über die schräge Diva Florence Foster Jenkins

2016 kommt auch eine Kinoversion mit Meryl Streep in die Kinos, die sich etwas originalgetreuer an die Geschichte hält. Doch wer genau war Florence Foster Jenkins eigentlich? Die Story wurde inspiriert von der Geschichte der realen „schlechtesten Sängerin aller Zeiten“, der US-amerikanischen Sopranistin Florence Foster Jenkins. In jungen Jahren war die 1868 geborene Tochter einer wohlhabenden Familie ein (tatsächliches) Wunderkind am Klavier und trat als „Little Miss Foster“ sogar im Weißen Haus auf. Nach der Highschool wollte sie Gesang studieren, was ihre Eltern jedoch nicht unterstützten. Mit 17 heiratete Florence Foster den 16 Jahre älteren Arzt Frank Thornton Jenkins.

Von ihrem Mann handelte sich die junge Frau eine Syphilis-Infektion ein, die unter anderem dazu führte, dass sie ihre Haare verlor und künftig auf Perücken angewiesen war. Gerüchten zufolge verlor Jenkins ihr bis dahin sehr wohl vorhandenes musikalisches Talent entweder durch die Krankheit selbst oder infolge der zur damaligen Zeit nicht gerade unschädlichen chemischen Behandlung. Die Ehe der beiden wurde 1902 geschieden.

Als ihr Vater 1909 starb, wodurch sie und ihre Mutter ein beachtliches Vermögen erbten, konnte die zwischenzeitlich als Klavierlehrerin arbeitende und nahe der Armutsgrenze lebende Florence Foster Jenkins mit Anfang 40 endlich ihren Traum von einer großen Gesangskarriere in die Tat umsetzen. Umgehend begann sie, Gesangsunterricht zu nehmen. Im selben Jahr lernte sie auch den Schauspieler St. Clair Bayfield kennen, mit dem sie bis an ihr Lebensende zusammenblieb. In ihrer neuen Heimat New York City war Florence nun wieder Teil der wohlhabenden Gesellschaft, verkehrte mit den Reichen und Schönen, trat zahlreichen Damen-Clubs bei und gründete sogar einen eigenen, den „Verdi Club“. 1912 gab Jenkins dann ihr erstes Konzert im Foyer des Ritz-Carlton in New York.

Für das Publikum war bereits ab dem ersten Auftritt unschwer zu erkennen, dass die Künstlerin weder über Rhythmusgefühl, noch einen besonders großen Stimmumfang, noch über die Fähigkeit verfügte, einen Ton über mehrere Sekunden zu halten – kurz gesagt: Florence Foster Jenkins konnte einfach nicht singen.

Die Kunst der schiefen Töne: Alles über die schräge Diva Florence Foster Jenkins

Gekrönt wurden ihre Darbietungen dadurch, dass sie selbst entworfene prunkvolle Kostüme trug, die meist eher lächerlich wirkten und die schrägen Performances so nur allzu passend abrundeten. Im Laufe der Zeit wurde die Fangemeinde der unbegabten Sängerin immer größer, schließlich bot sie mit ihren Konzerten beste Unterhaltung – wenn auch auf völlig andere Art und Weise als geplant. Ob Jenkins tatsächlich an maßloser Selbstüberschätzung litt und der Überzeugung war, sie könne gut singen, blieb bis zuletzt unklar. Andere Stimmen interpretierten ihre Auftritte als kalkulierte „Comedy-Show“, mit denen sie ihren Gesang selbst nicht ernst meinte.

Trotz der großen Nachfrage nach ihren Auftritten beschränkte sich Florence Foster Jenkins auf private Konzerte in kleineren Clubs, daneben nahm sie (selbst finanziert) einige Schallplatten auf. Nach vielen Jahren willigte sie dann doch ein, eine Performance auf der ganz großen Bühne zu geben.

Am 25. Oktober 1944 trat sie im Alter von 76 erstmals öffentlich auf, und zwar in der New Yorker Carnegie Hall. Das Konzert avancierte zum bis dato am schnellsten ausverkauften Event in der Geschichte des Hauses. Während die Zuschauer am jenem Abend voll auf ihre Kosten kamen und ihre Begeisterung in Form ungebremsten Gelächters zum Ausdruck brachten, waren die seriösen Kritiker weniger angetan und zerrissen Jenkins’ Auftritt entsprechend. Nur einen Monat später starb die einmalige Künstlerin an einem Herzanfall. Mach einer vermutete, die niederschmetternden Kritiken und die Häme des Publikums hätten ihr Herz gebrochen.

Die Kunst der schiefen Töne: Alles über die schräge Diva Florence Foster Jenkins

Fotos: Concorde