Samstag, 24. Oktober 2015, 23:27 Uhr

Der letzte Wolf: Trotz Desaster am Set entstand doch noch eine 3D-Bilderorgie

Der französische Meisterregisseur Jean-Jacques Annaud (Der Name der Rose, u.a. mit Sean Connery) verfilmt mit der ‘Der letzte Wolf’ den erfolgreichsten chinesischen Bestseller aller Zeiten und schafft eine überwältigende Abenteuergeschichte, die dem Wolf ein spektakuläres Denkmal setzt, wie es nur das Kino kann.

Der letzte Wolf: Trotz Desaster am Set entstand doch noch eine 3D- Bilderorgie

In berauschenden 3D-Bildern erzählt der Film von der unbeherrschbaren Schönheit der Natur, von der Seele der Wildnis, von Freiheit und Verantwortung und von der Hoffnung darauf, dass die Beziehung zwischen Natur und Mensch die einer Freundschaft ist. Kinostart der chinesisch-französischen Koproduktion, deren Beginn alles andere als unter einem guten Stern stand, ist am 29. Oktober.

Und darum geht’s: China 1967. Der Student Chen Zhen wird in die innere Mongolei geschickt. Hier, im majestätisch sich erhebenden, grenzenlosen Grasland, soll er den Schäfern Lesen und Schreiben beibringen. Doch seine Leidenschaft gilt vom ersten Tag der archaischen Wildnis und dem von den Nomaden am meisten gefürchteten und am meisten verehrten Tier: dem Wolf.

Der letzte Wolf: Trotz Desaster am Set entstand doch noch eine 3D- Bilderorgie

Allen Warnungen zum Trotz beobachtet Chen Zhen heimlich die stürmischen Raubzüge der Wolfsrudel. So wird er Zeuge von urgewaltigen Jagdszenen und ist tief bewegt von der Erhabenheit, die von dem erschreckend schönen und ebenso tödlichen Tier ausgeht. Als aus Peking der Befehl eintrifft, die Wölfe als Gefahr für Vieh und Mensch auszuschalten und alle Wolfsjungen zu töten, rettet Chen Zhen einen jungen Wolf und zieht ihn auf. Es entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen dem jungen Mann und dem kleinen Tier, doch das Wolfsrudel vergisst nicht, was ihm genommen wurde. Während immer mehr Bauern in die Steppe drängen, haben sich die Wölfe ein neues Ziel gewählt: die Siedlungen der Menschen. In dem tiefen Abgrund zwischen Mensch und Natur steht bald nicht nur die Freundschaft zwischen Chen Zhen und dem wilden Tier, sondern auch das Leben des letzten Wolfs auf dem Spiel.

Das Budget des Film betrug in etwa 40 Millionen Dollar. Das ist viel Geld für eine chinesische Produktion. Dazu sagte der Regisseur (siehe oberstes Foto): “Die chinesische Kinoindustrie ist bestrebt, ein anderes Niveau zu erreichen. Unter den 400 Filmen, die pro Jahr entstehen, gibt es echte Perlen. Die Situation der chinesischen Filmindustrie erinnert mich an die Situation in Italien in den 1960er Jahren, die Zeit der Spaghetti-Western und Sandalenfilme. Es gab einerseits Billigfilme, die einfach nur Geld einspielen sollten und daneben große Regisseure, die sehr gute Filme drehten.”

Aber: Am ersten Drehtag sah Annaud die 3D-Kameras und stellte ernüchtert fest, “dass sie sich in einem fürchterlichen Zustand befanden. Ich war sauer, aber versuchte, meine Szene mit dieser mangelhaften Ausrüstung zu drehen. Nach der Pause erfuhr ich, dass sich die Assistenten geirrt hatten. Keiner kann mit diesen 3D-Kameras umgehen. Es wurde kein einziges Bild aufgenommen.”

Der letzte Wolf: Trotz Desaster am Set entstand doch noch eine 3D- Bilderorgie

Die Hälfte seiner französischen Freunde wollte nur nach Hause, so Annaud weiter. “Mein Chefkameramann schloss sich in seinem Zimmer ein und heulte. Wir blieben dennoch hartnäckig und es gelang uns, diese so komplizierte Szene mit dem Angriff der Wölfe auf die Pferde in den Kasten zu bekommen. Das war im November. Als ich im Januar zurückkam, erlebte ich eine angenehme Überraschung. Die Produktion hatte in München zwei neue Kameras gekauft und dort mehr als ein Dutzend Mitarbeiter aus der Kamera-Crew schulen lassen.”

Oft müsse man sich aber auch anpassen, so der Regisseir weiter: “Das betrifft zum Beispiel die Schneemaschinen. In China ist es verboten, Flugzeugbenzin einzusetzen. So kann man nicht mit handlichen Flugzeugmotoren arbeiten, die man im Westen für ‘Filmschnee’ einsetzt. Wir mussten uns Ventilatoren besorgen, die eher an Museumsstücke erinnerten. Das sind 400 Kilogramm schwere Monster, denen ich bereits in den 1960er Jahren bei einem Besuch in sowjetischen Studios begegnet war… Und dann das volle Luxus- Kontrastprogramm: Ultramoderne 1000-KW-Scheinwerfer, die an ferngesteuerten Haken befestigt werden und nachts mitten im Sturm die Größe eines Fußballfeldes ausleuchten können…”

Der letzte Wolf: Trotz Desaster am Set entstand doch noch eine 3D- Bilderorgie

Annaud verriet auch, wie die Drehtage mit den Wölfen verliefen: “Ein liebenswerter Alptraum. Der Wolf ist ein sehr wildes Tier, immer auf dem Sprung. Man darf sich einem Wolf nicht nähern. Manchmal muss man Stunden oder sogar Tage warten, damit er die Szene „fu?hlt“. Wir hatten zwei Gruppen von Wölfen, eine davon war besonders anspruchsvoll. Die Kleinen aus der ersten Gruppe waren eine Woche nach ihrer Geburt zu
uns gekommen. Sie haben ihre Tiertrainer niemals mit ihren echten Eltern verwechselt. Man konnte sie nie wirklich domestizieren. Das war sogar ein Plus für den Film.”

Ein Trick musste dann doch angewandt werden: “Die Tiertrainer für die Wölfe waren während des Drehs ganz in blau gekleidet und auch die Trainer für die Pferde steckten wir in diesen Schlumpf-Look. So konnte man sie alle in der Postproduktion wieder digital entfernen.” Wäre es da nicht leichter gewesen, CGI-Wölfe digital in der Postproduktion einzufügen? “Wir setzten diese sehr teure und zeitaufwendige Technik in etwa 15 Einstellungen ein. In Totalen oder sehr schnell geschnittenen Szenen erzielt man mit Computer generierten Bildern (CGI) ganz gute Resultate. Bei eher emotionalen Szenen wird es schon sehr viel komplexer und schwieriger”.

Der letzte Wolf: Trotz Desaster am Set entstand doch noch eine 3D- Bilderorgie

Fotos: Wild Bunch