Dienstag, 27. Oktober 2015, 22:19 Uhr

"The Walk": 10 Fakten über Philippe Petit und den Drahtseilakt des Jahrhunderts

Seit letzer Woche ist ‘The Walk’ ein einmaliges Kino-Ereignis in 3D in den Kinos. Das Spektakel ist eine Liebeserklärung an das Paris und wohl vor allem auch das New York der 1970er Jahre und das unvergessliche World Trade Center.

"The Walk": 10 Fakten über Philippe Petit und den Drahtseilakt des Jahrhunderts

Der neue 3D-Film basiert auf der wahren Biografie des Hochseilartisten Philippe Petit (auf unserem Foto rechts – neben Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt und und Star-Regisseur Robert Zemeckis). Hier 10 Fakten über den Mann, der Artistik-Geschichte schrieb.

1. Philippe Petit wurde 1949 in Frankreich geboren und brachte sich die Drahtseilakrobatik als junger Mann selbst bei. Seine Idee einer spektakulären Hochseilnummer zwischen den Twin Towers entwickelte er bereits ab Ende der 60er Jahre, als sich die Türme noch im Bau befanden.

2. Bevor er seinen unglaublichen Hochseilakt in New York anging, war Petit bereits zwischen den Türmen der Kathedrale Notre Dame und quer über die Sydney Harbour Bridge balanciert. In beiden Fällen ohne Erlaubnis.

3. Der Drahtseilakt am World Trade Center war erst die dritte große Performance in seiner noch jungen Artisten-Laufbahn – auch dafür hatte er keine Genehmigung. Zur Vorbereitung reiste der Franzose im Vorfeld mehrere Male nach New York.

"The Walk": 10 Fakten über Philippe Petit und den Drahtseilakt des Jahrhunderts

4. Um sein Vorhaben ganz konkret planen zu können, machte Petit während seiner diversen New-York-Besuche geheime Vor-Ort-Besichtigungen. Mehrere Male schlich er am Security-Personal vorbei durchs noch nicht ganz fertiggestellte „WTC“, schoss Fotos, fertigte Skizzen an, informierte sich über Zugangswege. Später sagte Philippe Petit einmal, im Gegensatz zu allen anderen Auftritten habe er diese einmalige Aktion wegen der umfassenden Sicherheitsvorkehrungen wie einen Bankraub planen müssen.

5. Am Vorabend der Performance quartierten sich der Künstler und sein Team bereits auf dem Dach des Turms ein, von dem aus der Hochseilakt am nächsten Tag starten sollte. Um das Ende des 200 kg schweren Drahtseils zum anderen Zwillingsturm zu bekommen, wurde zunächst mit Pfeil und Bogen eine Angelschnur hinübergeschossen. Unter Zuhilfenahme immer stärkerer Seile konnte dann irgendwann das Hauptseil auf die andere Seite gezogen und gespannt werden. Für diese Vorbereitungen brauchte das Team die ganze Nacht.

6. Am Morgen des 7. August ging es los: Petit schnappte sich seine Balancestange und überquerte den 61 Meter weiten Abgrund zum gegenüberliegenden Turm. 417 Meter über dem Erdboden. Ohne Sicherung.

7. Innerhalb einer Dreiviertelstunde balancierte der tollkühne Artist insgesamt achtmal über die gewaltige Kluft zwischen den Twin Towers und vollführte mit jeder neuen Überquerung immer gewagtere Kunststücke. Auf den Straßen hatten sich unterdessen viele Tausend Menschen versammelt, um den unbekannten Akrobaten staunend zu bejubeln.

8. Als es zu regnen begann, beendete Petit seinen Auftritt und ließ sich von den bereits wartenden Polizisten verhaften. Das später folgende Gerichtsverfahren endete für den weltweit gefeierten Franzosen mit einer Verurteilung… zu einer im Central Park stattfindenden Gratis-Vorstellung für Kinder.

9. Durch sein „künstlerisches Verbrechen des Jahrhunderts“ war Petit mit einem Schlag berühmt geworden. Sofort gab es hochdotierte Offerten von Filmstudios und Buchverlagen, lukrative Werbeverträge wurden ihm angeboten. „Ich hätte innerhalb weniger Tage zum Millionär werden können“, erzählte Petit später. „Doch das war einfach nicht ich.“ Er lehnte die finanziell äußerst attraktiven Deals allesamt ab.

10. Im Laufe seiner weiteren Karriere fiel der Franzose nur ein einziges Mal vom Seil: Während einer Trainingseinheit im „Ringling Brothers Circus“, bei dem er eine Weile lang auftrat, stürzte er aus einer Höhe von 14 Metern – 413 Meter weniger als bei seinem „WTC-Walk“ – und brach sich dabei einige Rippen.

Fotos: SonyPictures