Donnerstag, 29. Oktober 2015, 23:06 Uhr

Kino-Preview: Erich Mielke - Meister der Angst

Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR sah sich als „Schild und Schwert der Partei“. Gegründet wurde die Stasi 1950, geprägt hat sie Erich Mielke. Der Mann aus dem Berliner Wedding organisierte und formte den Unterdrückungsapparat, dessen zermürbender und subtiler Terror Zehntausende ins Gefängnis brachte und ungezählte Menschenleben aus der Bahn warf.

Kino-Preview: Erich Mielke - Meister der Angst

Von hauptamtlichen Offizieren und den Generälen bis hin zu den zuletzt mehr als 180.000 inoffiziellen Mitarbeitern – Mielke stand für alle, die für die Stasi aktiv waren. Erstmals erzählt nun ein umfassendes Dokudrama, wie Erich Mielke wurde, was er war: ein Meister der Angst. Am 5. November kommt der Film ins Kino.

Doch wer war dieser Mann wirklich, über den CIA und BND Akten führten? Das Dokudrama von Jens Becker und Maarten van der Duin enthu?llt den Menschen Erich Mielke hinter dem totalitären Apparat: seine Motivation, seinen Glauben, seine Macht, sein Funktionieren und sein Scheitern. Der Film zeigt Erich Mielke auf dem Höhepunkt seiner Macht 1989 und in totaler Resignation im Gefängnis 1991. In Spielfilmszenen erleben wir einen vitalen 83-jährigen Mann an seinem Arbeitsplatz, dem Ministerium für Staatssicherheit. Wir sehen, wie er als Minister agiert, wie er versucht, die DDR zu retten und wie er letzten Endes kapituliert. Auf der zweiten Spielfilmebene erleben wir Erich Mielke als gebrochenen Mann in der Berliner Justizvollzugsanstalt Moabit, wo er – körperlich und geistig um Jahre gealtert – auf seinen Prozess wartet. Im Gespräch mit einer Psychologin resümiert er sein Leben.

Interviews in Verbindung mit Archivmaterial und exklusiven Einsichten in die BND- und BStU-Akten über Mielke komplettieren das 90-minu?tige Dokudrama. Im Interview berichten u.a. Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Mielkes Anwälte Stefan König und Hubert Dreyling, der KGB General a. D. Nikolai Leonow, der renommierte Historiker Nikita Petrow sowie der Leiter der JVA Moabit Wolfgang Fixson. In der Rolle des Erich Mielke ist der Berliner Schauspieler Kaspar Eichel zu sehen. Der war einer der meistbeschäftigten Stars des DDR-Fernsehens.

Drehbuchautor und Regisseur Jens Becker sagze über seinen Film: “Fünfundzwanzig Jahre nach dem Ableben der DDR scheinen alle Geschichten über die Stasi erzählt zu sein. Könnte man meinen. Erstaunlicherweise gibt es bis heute einen blinden Fleck in der medialen Aufarbeitung des MfS: ihr langjähriger Chef Erich Mielke. Der Minister für Staatssicherheit war einer der bekanntesten Politiker der DDR, sicher auch der am meisten gehasste, und doch weiß die Öffentlichkeit fast nichts über ihn. Das hat mehrere Gründe. Erich Mielke wuchs in der Klassenkampf-geprägten Weimarer Republik auf und schloss sich schon früh dem aggressiven, paramilitärisch geprägten Teil in der KPD an. Diese Leute operierten im Untergrund, sie wollten die Gesellschaft destabilisieren. Konspiration und Geheimhaltung waren daher von Anfang an selbstverständlich fu?r Mielke, auch was seine eigene Person betrifft.”

Kino-Preview: Erich Mielke - Meister der Angst

Im Laufe seines Lebens entwickelte Erich Mielke stark paranoide Züge, so Becker weiter. “Er misstraute jedem, legte selbst u?ber fu?hrende Genossen Dossiers an und trug diesen Geist auch in den Apparat des MfS. Genau genommen kann man gar nicht sagen, ob Mielke die Stasi paranoid gemacht hat oder umgekehrt. Er selbst wollte alles wissen, aber nichts preisgeben. So war der Öffentlichkeit zwar Mielkes Name sehr geläufig, auch sein Gesicht war bekannt – aber es verbanden sich keine Eigenschaften oder Charakterzüge damit. Unsere Aufgabe war es, diesen Charakter zu erforschen, in Beziehung zu seinem Leben zu setzen und in unserem Film erfahrbar zu machen. Die fiktionalen Szenen schildern kammerspielartig Entscheidungssituationen, in denen Erich Mielkes Charakter sich deutlich spiegelt. Der Schauspieler Kaspar Eichel hat sich den Gestus und die Sprache von Erich Mielke geradezu perfekt angeeignet. Dokumentarisches Material, Fotos und Dokumente erzählen chronologisch sein ganzes Leben, so dass Mielkes Handeln als Minister für Staatssicherheit zurückgeführt werden kann auf seine frühen Lebenserfahrungen in der Weimarer Republik und im sowjetischen Exil.”

Erich Mielke als Meister der Angst – das ist ein treffendes Bild. “Und doch holt der Film den Minister vom Sockel, macht ihn als Menschen begreifbar in seinen Stärken und Schwächen, in seinen Illusionen und mit seiner Weltanschauung. Seine Lebensgeschichte ist sicher einzigartig, aber sie ist zugleich auch eine typische für das 20. Jahrhundert.”

Kino-Preview: Erich Mielke - Meister der Angst

Fotos: Polyband