Sonntag, 08. November 2015, 17:32 Uhr

"Alki, Alki" kommt ins Kino: Ganz schräg und schonungslos geht's bergab

Axel Ranisch gilt als einer der in den letzten Jahren am meisten gefeierten jungen Filmemacher. Seine Werke waren bisher weitab vom glattgebügelten hollywoodschen Kino-Look, den längst auch die Filme von Schweiger und Schweighöfer erfasst haben.

"Alki, Alki" kommt ins Kino: Ganz schräg und schonungslos geht's bergab

Mehr noch: Der 32-jährige, extrem warmherzige Ranisch (Foto oben) arbeitete auch gerne mal ohne Drehbuch! Inzwischen hat sich das etwas verändert. Mit dem Budget wuchsen auch die technischen Möglichkeiten. Was bleibt, sind seine skurillen Einfälle… Am 12. November startet jedenfalls mit “Alki, Alki” sein neuester Streifen, eine flotte Tragikomödie über die älteste Männerfreundschaft der Welt, für den es sich auch Iris Berben nicht nehmen ließ mitzuwirken. In weiteren (kleineren) Rollen: Oliver Korrite und auch Michael-Gwisdek-Sohn Robert, der u.a. auch die Filmmusik mit Bruder Hannes beisteuerte.

Ansonsten setzt der gebürtige Ost-Berliner Ranisch auf seine Lieblingsdarsteller aus ‘Dicke Mädchen’: Heiko Pinkowski und Peter Tabner! Und natürlich auf seine äußerst vitale 94-jährige Oma Ruth Bickelhaupt.

Die seriöse Presse jubelte bereits vorab: “…fulminant und unbedingt sehenswert…” (Die Zeit) “…herrlich skurril und schonungslos wahr…“ (Süddeutsche Zeitung) ”…Abstürze, wie sie lustvoller nicht sein könnten…” (Münchener Abendzeitung)…

"Alki, Alki" kommt ins Kino: Ganz schräg und schonungslos geht's bergab

Ranisch, neuerdings mit figurbetonendem reinweißem Hemd und knallroten Hosenträgern, erklärt die Entstehungsgeschichte von ‘Alki, Alki’ so: “Ich war noch immer vollkommen betrunken und umnebelt vom für mich vollkommen unerwarteten, furiosen Uraufführungs-Erfolg unseres Filmes ‘Dicke Mädchen’ bei den Hofer Filmtagen. Da stand Peter Trabner im Oktober 2011 mitten in der Fußgängerpassage im fränkischen Hof vor mir und stellte mir seine neue Idee vor. Die Geschichte eines Alkoholikers. Ein langes 90-minütiges Bergab. Ein gänzlich depressiver Film über den Niedergang eines Familienvaters. Puh! So ganz pessimistische Filme liegen mir ja eigentlich nicht. Ich bin ein Mensch, der auch die Schicksalsschläge des Lebens versucht, von der positiven Seite zu sehen. So sind auch meine Filme. Gerne böse. Aber mit einem Augenzwinkern.”

"Alki, Alki" kommt ins Kino: Ganz schräg und schonungslos geht's bergab

Ihm fehle auch der gewisser Kick, so Ranisch, dessen Eltern beide Leistungssportler (!) waren,weiter. “Eine Abstraktion, eine Fantasie in Peters Idee. Ich sagte ihm, dass ich noch nicht so richtig begeistert sei. Er nickte und für zwei Wochen war erstmal Ruhe. Als Heiko, Peter und ich ein paar Wochen später vom Filmfest Lünen im Auto nach Hause fuhren, kam Peter erneut mit seiner Idee. Diesmal hatte er weiter gedacht und fragte, was denn wäre, wenn die Sucht eine eigenständige Figur wäre. Man hätte die Zündschnur hören können, die plötzlich entfacht war und sich zu einer riesigen kreativen, begeisterten Explosion durchbrannte. Das war es!”

Die kommenden fünf Stunden im Auto habe man dann von nichts anderem mehr geredet.

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Ranisch weiter: “Wir schaukelten uns hoch. Immer deutlicher wurde uns, dass die Sucht alle Züge eines Menschen trug und die Beziehung zur Sucht einer Freundschaft, vielleicht sogar einer Liebe zwischen zwei Menschen glich. Diese Energie im Auto war unglaublich. Ich hätte fast weinen können. Wie oft gibt es das schon, dass Menschen ihre Erfahrungen dank ihres Berufes in etwas Erhebendes und Gutes umwandeln können. Heiko und Peter können das. Und vor allem, sie wollen das. Die beiden haben eine Botschaft.” Übrigens: die Premiere ist am kommenden Dienstagabend in der Berliner Kulturbrauerei.

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Fotos: AEDT/WENN.com, Missing Films, Gute Filme