Montag, 09. November 2015, 13:39 Uhr

"Club der roten Bänder": Interview mit Hauptdarsteller Damien Hardung als Jonas

In der ersten eigenproduzierten fiktionalen Serie in der Geschichte von VOX, basierend auf den wahren Erlebnissen des spanischen Autors Albert Espinosa, erleben sechs junge Patienten im Krankenhaus gemeinsam Höhen und Tiefen.

"Club der roten Bänder": Interview mit Hauptdarsteller Damien Hardung als Jonas

Ihre Erkennungszeichen: Die roten OP-Armbänder, tiefe Freundschaft und unglaubliche Lebensfreude. Obwohl die Jugendlichen an unterschiedlichen Krankheiten leiden und „draußen” wahrscheinlich nur wenig gemeinsam hätten, verbinden sie die Erfahrungen im Krankenhaus so sehr, wie es wohl nur an einem Ort wie diesem möglich ist. VOX zeigt die Dramedy-Serie “Club der roten Bänder” ab 9. November immer montags um 20:15 Uhr in Doppelfolgen.

Der freundliche und zurückhaltende Jonas (gespielt von Damien Hardung, hier geht’s zum Video!) findet in Leo (Tim Oliver Schultz) schnell einen guten Freund – denn die beiden teilen das gleiche Schicksal. Auch Jonas muss aufgrund seiner Krebserkrankung ein Bein amputiert werden. Und mit Leo hat er einen Spaß-Experten an seiner Seite, der ihm hilft, sich gebührend von seinem Bein zu verabschieden und den Verlust zu verarbeiten.

Der erst 17-jährige Damien  Hardung ist nicht neu im Filmgeschäft: Er spielte in Comeback der Träume (kommt 2016), Du bist kein Werwolf: Gruppenzwang (2013), Mord in Eberswalde (2013), Clara und das Geheimnis der Bären (2013), Die Holzbaronin (2012), Transpapa (2012), Unter Frauen (2012) / und Ein Fall für die Anrheiner: Reifeprüfung (2011)

"Club der roten Bänder": Interview mit Hauptdarsteller Damien Hardung als Jonas

Worum geht es bei „Club der roten Bänder“?
Damian Hardung: Bei „Club der roten Bänder“ geht es um sechs Jugendliche und ihre Freundschaft. Die Serie handelt von guten und schlechten Zeiten und wie die Jugendlichen an ihren Aufgaben wachsen. Dabei leben sie in einer Art Parallelwelt: Während andere Jugendliche draußen Party machen, erleben die Freunde ganz andere Dinge. Man kann eigentlich nicht davon sprechen, dass die Jugendlichen irgendetwas verloren haben, nur weil sie krank sind. Albert Espinosa – der Erfinder des spanischen Originals – formulierte es sehr schön, dass in jedem Verlust auch ein Gewinn steckt. So sehen das auch unsere Rollen. Meine Figur Jonas verliert beispielsweise ein Bein, gewinnt aber fünf unglaublich wertvolle Freundschaften, die ihm durch diese schwere Zeit helfen und sein Leben lang bleiben werden. Es ist eine Geschichte, die von Mut und Freundschaft handelt, nicht von Tragödie und Leid.

Mehr im Interview: Tim Oliver Schultz ist der Star im „Club der roten Bänder“

Du hast die Krankheiten angesprochen, aber nicht, wo ihr euch eigentlich befindet…
Damian Hardung: In der Serie leben die Freunde im Krankenhaus und haben darum ganz besondere Herausforderungen, aus denen sie viel lernen. Die Charaktere sind dadurch auch reifer als gleichaltrige Jugendliche ohne Krankheit.

"Club der roten Bänder": Interview mit Hauptdarsteller Damien Hardung als Jonas

Wahrscheinlich ist diese Zeit im Krankenhaus auch viel intensiver als die Zeit draußen.
Damian Hardung: Es ist schwer, verschiedene Lebensweisen miteinander zu vergleichen. Generell bin ich der Meinung, dass die Zeit der Jugendlichen im Krankenhaus mindestens genauso intensiv ist wie die Zeit draußen, nur eben anders. Die Jugendlichen eignen sich im Krankenhaus eine ganz spezielle Lebensweise an.

Die ganze Thematik hat ja eine gewisse Schwere…
Damian Hardung: Die Serie handelt aber eben nicht von einer Geschichte, die sich über Leid definiert. Es ist eine Geschichte, die sich über das Positive im Verlust definiert. Die Charaktere zeigen den Lichtblick, den positiven Schimmer, den man in jeder Traurigkeit finden kann. Mein Charakter findet etwas Positives durch den Verlust seines Beines. Das ist es, was aufbaut, was hilft, erwachsen zu werden.

Es ist aber eben auch nicht nur Leichtigkeit…
Damian Hardung: Ich würde auch nicht von Leichtigkeit sprechen… Es ist mehr ein Lernprozess, der angestoßen wird. Mir fällt dazu immer ein Satz von John Stuart Mill ein: „Es ist besser, ein unzufriedener Mensch zu sein als ein zufriedenes Schwein.“ Die Jugendlichen finden etwas Erleuchtendes durch das, was sie lernen. Das Leben hört nicht auf, nur weil man eine bestimmte Krankheit hat. Man soll den Kopf nicht hängen lassen, sondern immer nach vorne blicken.

"Club der roten Bänder": Interview mit Hauptdarsteller Damien Hardung als Jonas

Es ist ja schon manchmal sarkastisch, wie die Jugendlichen in einigen Situationen mit ihrem Leid umgehen.
Damian Hardung: Mit manchen Situationen kann man durch Sarkasmus einfach besser umgehen. Das findet man natürlich in der Serie wieder.

Die Rollen sind also durchaus vielschichtig.
Damian Hardung: Definitiv! Die Charaktere sind alle sehr komplex. Jeder Mensch besitzt eine gewisse Tiefe und jeder Mensch hat eine Seite, die emotional berührbar ist. Diese Facetten bringen die Rollen hervor, indem wir hier Charaktere haben, die sich innerhalb der zehn Folgen wandeln und auch Schwächen zeigen. Und aus diesen Schwächen wachsen schließlich Stärken.

Gefällt dir, dass die Serie aus Sicht der Patienten erzählt wird?
Damian Hardung: Ich habe mir die erste Folge des spanischen Originals angeschaut und dann die Drehbücher gelesen und es war genau der Punkt, der mich berührte. Wenn man aus der Sicht eines Arztes erzählt, hat das immer etwas Rationales, weil man von einem Berufsleben erzählt. Hier geht es um das Leben. Die Sicht der Patienten hat etwas Direktes und Unmittelbares, was Leute eher anspricht. Die meisten Menschen waren schon einmal selbst Patient und nur die wenigsten sind Ärzte. Man kann durch die Serie lernen, wie man als Patient mit seinem Dasein umgehen kann.

"Club der roten Bänder": Interview mit Hauptdarsteller Damien Hardung als Jonas

Wie hast du das Treffen mit dem Autor Albert Espinosa in Erinnerung?
Damian Hardung: Ich hatte nur wenige Momente in meinem Leben, bei denen ich so berührt war, wie beim Treffen mit Albert Espinosa. Es war unglaublich, mit welcher Inbrunst er Erlebnisse erzählte und wie er uns klar gemacht hat, welche Bedeutung diese Serie hat. Jedes einzelne Drehbuch hat mich berührt, doch sie wurden durch das Treffen mit ihm nochmal realer. Albert Espinosa verkörpert alles, was wir versuchen rüberzubringen. Man merkt, wie ihn die zehn Jahre im Krankenhaus geprägt haben. Wenn er etwas sagt, hat es eine unglaubliche Tiefe. Vieles davon ist jetzt in der Serie!

Wie hast du dich ansonsten auf so eine schwierige Rolle vorbereitet?
Damian Hardung: Ich bin aktuell in der Bewerbungsphase einer Medical School und habe dafür auch mehrere Praktika in Krankenhäusern gemacht. In der Abteilung der Inneren Medizin habe ich viel über die Karzinomentfernung erfahren und konnte auf den Rundgängen mit den Ärzten sehen, wie sich Patienten fühlen und wie eingeschränkt die Zeit zwischen Patient und Arzt wirklich ist. So ein Krankenhaus isoliert einen wirklich von der Außenwelt. Natürlich gibt es Fenster, aber das ist nicht das Gleiche. Es ist vergleichbar mit einem Auslandsaufenthalt – man ist ganz woanders, aber die heimische Welt läuft weiter. Ich habe gelernt, dass man nicht darüber nachdenken sollte, was draußen läuft, sondern darüber, wie man die Zeit im Krankenhaus am besten nutzen kann.

"Club der roten Bänder": Interview mit Hauptdarsteller Damien Hardung als Jonas

Wie war eigentlich der Moment für dich, als dir vor laufender Kamera die Haare abrasiert wurden?
Damian Hardung: Tief berührend! In der Situation musste ich als Schauspieler keine Glanzleistung bringen. Ich war meinem Charakter Jonas in dem Moment einfach sehr ähnlich. Man sieht im Spiegel plötzlich einen Menschen, den man erst einmal gar nicht kennt. Man sieht, wie weiß die Kopfhaut ist und man dadurch irgendwie krank wirkt. Schlimmer sind allerdings die Reaktionen der Mitmenschen. Schließlich definiert man sich ja auch darüber, wie andere einen wahrnehmen. Plötzlich verharren Blicke in der Stadt nämlich länger auf dir. Deswegen bin ich die ersten ein oder zwei Wochen auch nur mit Mütze rausgegangen. Ich habe mich sogar meiner Freundin erstmal nur mit Mütze gezeigt. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem du das Ganze akzeptierst. Du schaust in den Spiegel und sagst: „Das ist ja eigentlich nur eine Veränderung deines Aussehens!“ Und was die gaffenden Menschen angeht, muss man einen Schalter umlegen und denken: „Lass sie doch gucken!“

Fotos: VOX/Martin Rottenkolber