Montag, 09. November 2015, 19:25 Uhr

Interview: Tim Oliver Schultz ist der Star im "Club der roten Bänder"

Heute Abend startet um 20.15 Uhr die erste eigenproduzierte VOX-Serie ‘Club der roten Bänder’. In einer der Hauptrollen Tim Oliver Schultz! Hier gibt es ein Interview zum Start der Krankenhaus-Serie, die so ganz anders ist als die bekannten Klinikserien.

Interview: Tim Oliver Schultz ist der Star im "Club der roten Bänder"

Leo lebt bereits seit neun Monaten im Krankenhaus. Wegen einer Krebserkrankung musste ihm ein Bein amputiert werden – trotzdem begleitet ihn die ständige Angst, dass die heimtückische Krankheit zurückkommt.

Der „Veteran des Krankenhauses“ fühlt sich ohne seine Freunde aus der Heimat oft einsam. Doch der meist gut gelaunte Jugendliche lässt sich nicht so leicht unterkriegen – und entwickelt den Plan für den „Club der roten Bänder“. Mit seiner Schlagfertigkeit und viel Humor gelingt es ihm schnell, aus unterschiedlichsten Persönlichkeiten wahre Freunde zu machen.

Den 27-jährigen Tim kennt man aus Filmen wie Vampirschwestern 2 + 3 (2014 + 2015) / SOKO Köln: Der Gartenpirat (2013) / Systemfehler – Wenn Inge tanzt (2013) / Cobra 11: Engel des Todes (2012) / Vater aus heiterem Himmel (2010) / Siebenstein: Häuptling tapferer Rabe (2009) / Der Vulkan (2009) / Die Welle (2008)

Was ist Leo für eine Figur? Und was hat dich an der Rolle gereizt?
Tim Oliver Schultz: Leo ist in jeder Hinsicht ein Anführer. An der Rolle hat mich gereizt, einen Charakter zu entwickeln, der seit so langer Zeit in Krankenhäusern lebt, der mit seinen 16 Jahren noch sehr kindlich ist, dem die Kindheit aber letztlich genommen wurde. Wenn du in einem Krankenhaus bist, musst du ständig viel erwachsener sein als es dir lieb ist. Leo muss sich selbst motivieren, gibt den anderen Kraft und Motivation, das Beste aus dieser Zeit zu machen! Leo ist jemand, der irrational handelt und auch mal kindlich ausflippt. In einer Szene schreit er die Oberärztin an, er würde lieber sterben als noch eine weitere Chemotherapie zu machen. Anfangs habe ich viele Handlungen von Leo nicht verstanden, doch ich verschmolz immer mehr mit ihm. Das war teilweise erschreckend und auf eine so intensive Art auch neu für mich. In diesen zehn Folgen den Haupt-Charakter so glaubhaft zu erzählen und zu entwickeln, dass der Zuschauer natürlich an ihm dran bleibt, war ein großer Reiz für mich. Da hatte ich total Bock drauf!

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Interview: Tim Oliver Schultz ist der Star im "Club der roten Bänder"

Als Schauspieler schlüpft man natürlich regelmäßig in andere Figuren. Aber diese Rolle stellt ja einen Break für dich da – allein schon optisch. Wie ist es denn für dich in so eine Extreme einzutauchen?
Tim Oliver Schultz: Es war ein riesiger Reiz für mich, einen krebskranken Kämpfer zu spielen, der seine Haare verloren hat, der nur ein Bein hat und im Rollstuhl sitzt. Ich habe mich im Vorfeld viel damit beschäftigt und habe jemanden getroffen, der ein ähnliches Schicksal durchlebte wie Leo. Was er aus seiner Zeit im Krankenhaus erzählte, war faszinierend. Er sagte, dass es auf eine Art die schönste Zeit in seinem Leben war, obwohl er einige Chemotherapien mitmachen musste. Er berichtete von einem familiären Gefühl im Krankenhaus, das unglaublich sein kann. Man entwickelt so eine enge Bindung mit den Mitmenschen – trotz der ganzen Höllenqualen, die man durchlebt. Je mehr ich mich damit beschäftigt hatte, umso größer ist der Reiz geworden, diese Rolle zu spielen. Irgendwann war ich so drin, dass ich Leos Stimmungen täglich in mir gefühlt habe und nichts dagegen machen konnte. Besonders hart waren dann die Tage, an denen sich Chemotherapie, aggressivste Ablehnung gegen die Chemo, große Freude und Erfolgserlebnisse und dann wieder Chemotherapie abgewechselt haben.

Jetzt ist das Ganze natürlich Fiktion. Entsteht aber trotzdem ein Gefühl der Gemeinschaft?
Tim Oliver Schultz: Absolut! So eine Gemeinschaft in einem Krankenhaus kann sehr schnell entstehen. Meine Erfahrung aus der bisherigen Drehzeit ist, dass alles teilweise erschreckend authentisch ist! Ich habe schon viele Drehs und dabei längere, sehr intensive Zeiten erlebt, aber wie dieses Team in den vier Monaten zusammen gewachsen ist, war eine völlig neue, abgefahrene Erfahrung. Wenn man so viele, so extreme Erlebnisse miteinander teilt, entsteht ein sehr natürliches Vertrauen. Diese fantastische Ebene wird in unserer Geschichte ja auch miterzählt. Die Serie beruht auf der wahren Geschichte von Albert Espinosa, dem Autor des spanischen Originals. Als wir ihn hier kennenlernten, hat er uns von der damaligen Zeit berichtet – von vielem, was er erlebt hat. Außerdem teilte er uns mit, wie er unsere Serie sieht, da er die Möglichkeit hatte, die ersten beiden Folgen anzuschauen. Er meinte, es sei damals alles sehr ähnlich abgelaufen und alles, was wir so tun, sei absolut glaubhaft. Als er mir erzählte, wie sehr er den Leo in mir sieht, war ich ziemlich gerührt.

Wie hast du dich auf eine so schwierige Rolle vorbereitet?
Tim Oliver Schultz: Zuerst habe ich die Outline gelesen, einen Überblick, was alles in den Folgen passiert. Ich sollte vielleicht erwähnen, dass ich weder das Original noch die amerikanische Steven-Spielberg-Version gesehen habe, weil ich ganz neutral an die Sache rangehen wollte. Ich habe dann einige Zeit im Krankenhaus verbracht – auf Kinderstationen und in der Onkologie. Ich habe jemanden getroffen, der ein ähnliches Schicksal durchlebt hat und habe versucht, alles von seiner Krankenhauszeit zu erfahren. Mit diesen Infos im Hinterkopf habe ich mir die Biografie von Leo zusammengebaut und die zehn Drehbücher genau durchgearbeitet. Oft war ich von den Dingen erst überrascht, die Leo macht, wie zum Beispiel die Oberärztin oder seine Freunde aus tiefstem Herzen anbrüllen! Als ich dann aber in der Rolle drin war, wurde es mir völlig klar. Leo muss genau so sein, er ist ein Kämpfer und Löwe – was sein Name ja auch sagt.

Interview: Tim Oliver Schultz ist der Star im "Club der roten Bänder"

Bist du eigentlich ein ernsthafter Mensch? Muss man das vielleicht sogar sein, wenn man so eine Rolle spielt?
Tim Oliver Schultz: Ich glaube ja, das bin ich. Wie ich, ist Leo zwar nicht durchweg nur ernst, aber er weiß das Leben ernsthaft wertzuschätzen. Dazu gehört auch, es leicht zu nehmen. Er versucht stets, das Beste aus seiner Zeit in diesem Krankenhaus zu machen. Er boxt sich zunächst allein durch diese Welt. Nach neun Monaten im Krankenhaus fragt er sich dann aber, wie es wohl wäre, wenn er das alles gemeinsam mit Freunden durchleben würde. Und aus dieser Überlegung heraus gründet er schließlich den Club der roten Bänder.

Gab es auch in deinem Leben mal entsprechende Schicksalsschläge, zum Beispiel in der Familie?
Tim Oliver Schultz: Vor ungefähr sechs Jahren haben wir die Nachricht bekommen, dass einer meiner besten Freunde Leukämie hat – ich bin aus allen Wolken gefallen. Ich wusste überhaupt nicht, was das bedeutet oder was jetzt passieren wird. Das war natürlich ein großer Schicksalsschlag für unsere Familie. Letztlich wurde aber alles wieder gut. Das Ganze hat mich extrem dazu motiviert, die Serie machen zu wollen. So haben Menschen einmal die Chance, sich mit einer solchen Krankheit zu beschäftigen! Wir haben teilweise einen sehr verkrampften Umgang mit Tod, Krankheiten und Leid. Als ich gehört habe, dass die Besucherzahlen in spanischen Kinder-Onkologien um 40 Prozent gestiegen sind, nachdem die Serie dort ausgestrahlt wurde, war ich noch überzeugter, dass wir hier etwas Gutes tun!

Interview: Tim Oliver Schultz ist der Star im "Club der roten Bänder"

Du hast schon erwähnt, dass die Serie aus Spanien kommt und für das deutsche Fernsehen adaptiert wurde. Eigentlich ist das Format hier doch etwas ganz Neues, oder?
Tim Oliver Schultz: In Deutschland haben wir ja viele Krankenhausserien, aber noch keine, die die Patienten in den Mittelpunkt rückt. Es geht um Leben und Tod, was wunderschön und kraftgebend ist. Darum ist es echt etwas ganz Neues und Mutiges. Ich hoffe, dass die Deutschen das annehmen – so, wie in den anderen Ländern. Wenn man einmal angefangen hat und sieht, wie toll diese unglaubliche Geschichte erzählt wird, wird man auch weiterschauen.

Was ist der Reiz der Serie? Ist es der Geist der Gemeinschaft? Die Dynamik, die entsteht?
Tim Oliver Schultz: Ja! Was die Sendung ausmacht, ist ein wahnsinnig positives Gemeinschaftsgefühl, das in einem Umfeld von Leben und Tod erzählt wird. In einer Gemeinschaft kann man nicht nur alles meistern, sondern dabei auch noch sehr viel Spaß haben!

Interview: VOX, Fotos:  VOX/Martin Rottenkolber