Sonntag, 15. November 2015, 17:34 Uhr

Nach Paris: Welle von Konzertabsagen - und Ratlosigkeit

So mancher Konzertbesucher dürfte nach dem Terroranschlag von Paris künftig ein mulmiges Gefühl haben. Doch für Sicherheit könne nur der Staat sorgen, sagt der Konzertveranstalter Marek Lieberberg.

Nach Paris: Welle von Konzertabsagen - und Ratlosigkeit

Nach dem Terroranschlag auf das Pariser Konzert der Eagles of Death Metal hat die amerikanische Band ihre Auftritte in Deutschland diese Woche – wie berichtet – abgesagt. Auch Bands wie U2, Motörhead, die Foo Fighters und das britische Pop-Trio Years & Years sagten Gigs in Paris und anderswo ab. Popstar Madonna gab bei einem Konzert in Stockholm am Samstag zu, über eine Absage dort nachgedacht zu haben. Auf ihrem Tourplan steht Paris am 9. und 10. Dezember.

Bei beispiellosen Attentaten in Paris töteten Terroristen am Freitagabend viele Dutzend Menschen, allein in der Konzerthalle Bataclan gab es etwa 90 Tote.

Die irische Band U2 sagte die für Samstag und Sonntag (14./15.11.) in Paris geplanten Konzerte ab. “Wir sind am Boden zerstört angesichts der Toten beim Eagles-of-Death-Metal-Konzert”, hieß es auf der Internetseite der Gruppe. Die Auftritte sollen nachgeholt werden. Die amerikanische Rockband Foo Fighters (wir berichteten) brach ihre Europatournee ab. Eigentlich wollte sie nach einem Konzert am Samstag in Turin an diesem Montag (16.11.) in Paris und dann noch in Lyon und Barcelona spielen.

Die britische Heavy-Metal-Band Motörhead sagte ein für Sonntag (15.11.) geplantes Konzert in der französischen Hauptstadt ab. Der Gig werde auf Januar verschoben, schrieben die Musiker bei Facebook. Das britische Pop-Trio Years & Years (‘King’) strich kurzfristig einen für Montag (16.11.) geplanten Auftritt in Paris. “Unsere Liebe und Gedanken sind bei den Familien und Menschen, die betroffen sind.”

Auch die Band “Twenty One Pilots” sagt ihre Deutschland-Konzerte im November in Hamburg, Köln und München ab. In einem Statement des Duos heißt es: “Das Attentat in Paris hat uns bis auf die Knochen erschüttert, weshalb wir beschlossen haben, die Shows diese Woche abzusagen. (…) Im Moment ist es wichtiger, sich zu fokussieren, zu atmen und für diejenigen da zu sein, die uns brauchen.”

Konzertveranstalter Marek Lieberberg (auf unserem Foto rechts mit Verabnsrtalter-Kollegen Peter Rieger) sieht nun Sicherheitsbehörden und Gesellschaft gefordert. “Wir haben ausreichende Sicherheitsvorkehrungen in einer normalen Situation. Für eine terroristische Situation ist keiner von uns gewappnet, und zwar in keinem Bereich des öffentlichen Lebens”, sagte Lieberberg. “Wir können uns nicht mit bloßen Händen oder Metalldetektoren gegen Kalaschnikows oder Bomben zur Wehr setzen.” Sollte es Hinweise geben, dass ein Konzert gefährdet sei, müsse die Polizei für ausreichend Schutz sorgen. “Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass sich ein Ordner einem islamistischen Terroristen entgegenstellt, der mit einer feuernden Kalaschnikow auf ihn zurennt. Das ist doch verrückt”, sagte Lieberberg.

Nach der jüngsten Terrorwelle in Paris Konzerte abzusagen hält Lieberberg für den falschen Weg. Am Abend der Anschläge in den USA vom 11. September 2001 habe er zusammen mit Depeche Mode entschieden, ein Konzert stattfinden zu lassen. “Das war ein sehr trauriger Abend. Auf der anderen Seite hat es demonstriert, dass wir uns die Freiheit, die unser Leben auszeichnet, nicht nehmen lassen.”

Auch die heutige Pariser Premiere von Steven Spielbergs neuem Film ‚Bridge of Spies – Der Unterhändler’ ist abgesagt worden. 20th Century Fox gaben bekannt, dass die Premierenfeier verschoben werde: “Im Lichte der Pariser Tragödie haben wir unser geplantes Filmevent abgesagt. Unsere Gedanken sind bei den Leuten in Paris, die von diesem schrecklichen Ereignis betroffen sind. (dpa)

Foto: WENN.com/Hoffmann