Samstag, 21. November 2015, 20:56 Uhr

Tom Wlaschiha im Land der Dinosaurier - Das Interview

Tom Wlaschiha gehört längst zur ersten Riege der deutschen Schauspielergarde. Nach ‘Game of Thrones’, ‘Crossing Lines’ und vielen anderen nationalen und internationalen Produktionen taucht er nun bei ‘Arlo und Spot’ (Kinostart am 26. November) im Land der Dinosaurier auf.

Tom Wlaschiha im Land der Dinosaurier - Das Interview

klatsch-tratsch.de-Saurier-Expertin Geraldine hat sich mit dem sympathischen Star getroffen.

Es ist ja seit Jahren ein Trend, das Promis Animationsfiguren Ihre Stimme leihen. Wie sind sie denn darauf gekommen, dass du diesen durchgeknallten Dinosaurier und Tierchensammler sprechen sollst?
Ich habe keine Ahnung, wie sie auf mich gekommen sind, aber man hat es mir jedenfalls angeboten und das fand ich super. Wann bekommt man
denn schon mal als Schauspieler die Möglichkeit einen bekifften und verwirrten Dinosaurier zu sprechen (lacht).

Was ist das Besondere am Synchronisieren? Und wie lange steht man für so einen Film als Sprecher im Studio?
Es kommt ganz darauf an wie geschickt man sich anstellt, wie lang man im Studio steht. Das Besondere ist natürlich, dass man normalerweise
als Schauspieler Körper und Sprache zu gleichen Teilen hat, jedoch beim synchronisieren, nur die Sprache zur Verfügung steht und dann alles über die Stimme transportiert werden muss. Das ist auf der einen Seite eine Herausforderung, auf der anderen Seite macht es sehr viel Spaß, weil man viel mehr in Extreme geht und mit der Stimme moduliert und mehr machen kann, als im normalen naturalistischen Film.

Muß man das Original gesehen haben, um die deutsche Fassung zu machen oder wagt man einen Sprung ins kalte Wasser?
Ich weiß es nicht, ob man muss, aber ich wollte das gerne, damit ich ein Gefühl für die Stimmung bekomme und auch weiß was der Tierchensammler für eine Funktion innerhalb des Filmes hat.

Gerade wurde die 6. Staffel von “Game of Thrones” abgedreht. Deine Rolle wurde von Staffel zu Staffel immer bedeutender, wohl auch weil die Fans so begeistert von Dir waren. Es gibt aber Gerüchte, dein Charakter des geheimnisvollen „Jaqen H‘ghar“ würde den Serientod sterben…
Es wird ganz viel gesagt und geschrieben. Willst du wissen, ob ich nach der 5. Staffel noch da bin? Möchtest du mich das fragen? (lacht). Am Ende der
5. Staffel bin ich sehr lebendig (lacht). Ja, die Rolle ist tatsächlich immer größer geworden. Mal sehen was in der 6. Staffel noch kommt.

Als Deutscher in so einer Erfolgsserie mitzuspielen ist ja super. Was hat sich für dich verändert?
Ich kann nicht mehr so gut deutsch. (lacht) Es haben sich ein paar kleine Sachen verändert. Es ist natürlich Glück, wenn man in so einer Produktion mitspielen kann und ich wusste am Anfang der Serie nicht, dass es so ein Hype wird. Es hat z.B. den ganz praktischen Nutzen, dass mein Name viel bekannter wird und bei viel mehr Castern und Produzenten erscheint.

Was siehst Du Dir im Fernsehen am Liebsten an? Guckst du selbst Serien?
Ja, ich kann aber immer nur mit einer neuen Serie beginnen, wenn ich weiß, dass ich in den nächsten ein bis zwei Wochen nicht viel zu tun habe. Das endet sonst ganz böse, denn diese Serie muss ich auf alle Fälle dann weiter gucken, das ist schon mal klar. Wenn ich dann Termine habe, komme ich dann etwas unausgeschlafen hin.

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Was war deine letzte Serie?
“The Americans” fand ich toll, dabei geht es um ein sowjetisches Spionen-Ehepaar im kalten Krieg. Dann habe ich vor kurzem “Transparent” gesehen. Eine großartige Serie, der Hauptdarsteller hat auch einen Emmy dafür bekommen. Es um eine jüdische Familie in Los Angeles und der 70 jährige Vater stellt plötzlich fest, dass er schon immer eine Frau war und beschließt von heut auf morgen, dies nicht mehr zu verstecken. Sehr lustig und emotional.

Hast du “The Walking Dead” gesehen?
Nein habe ich noch nicht. Steht aber auf meiner Liste.

Gibt es eine Frage, die dir noch nicht gestellt wurde, die du aber gern beantworten würdest? z.B zum Tierchensammler?
Das ist so, wenn Journalisten keine Lust haben zu arbeiten (lacht laut), dann lassen sie die Interviewpartner selbst ihre Fragen überlegen. Ich bin heute schon so viel gefragt worden, ich weiß gar nicht, was da noch übrig ist zu dem Thema. Was möchtest du denn über den Tierchensammler wissen? Du hast einen 30 minütigen Zusammenschnitt gesehen. Geraldine, du warst heut schon früh da. Erzähl mir doch mal, wie du den Film empfunden hast.

Meine Antwort: Wenn man als Erwachsener in so einen Film geht, ist die Erwartungshaltung nicht groß, aber ich war sehr überrascht. Ich fand ihn sehr niedlich und witzig.
Das dachte ich auch und was macht den Film für dich so besonders?

Tom Wlaschiha im Land der Dinosaurier - Das Interview

Interviewst du jetzt mich? (wir lachen beide). Ich fand ihn sehr lustig und auch emotional. Ich musste mir sogar ein paar Tränchen verkneifen bei der Szene, als der Dino seine Familie in den Sand gezeichnet hat.
Bei der war ich auch kurz davor. Dir ging es schon so, obwohl du nur einen halbstündigen Zusammenschnitt gesehen hast, warte ab, wenn du
dann die ganze Geschichte erst siehst.

Ist das wie bei Bambi?
Nein, keine Sorge ist es nicht. Jetzt mal ernsthaft, ich hatte die selbe Reaktion wie du, wenn ich mir irgendwelche Trickfilme angucken
sollte, aber ich war auch sehr überrascht, weil es ein toller Familienfilm ist.

Hast du Bambi jemals gesehen?
Nein, Bambi war so früh und ich bin ja hinter den sieben Bergen bei den sieben DDR-Bürgern aufgewachsen (lacht), aber ich habe echte Bambis im
Wald gesehen.Ich hatte mal ein ziemlich traumatisches Erlebnis bei meinen Großeltern mit so einem Bambi, das war ganz schlimm. Meine
Großeltern hatten einen Garten in einem Waldgebiet und dieser war mit einem Lattenzaun umzäunt. Eines Tages, ich war vielleicht fünf oder
sechs Jahre alt, fand ich ein kleines Reh, das bei dem Versuch uüber den Zaun zu springen, darin stecken blieb und tot war. Das musste dann
christlich beerdigt werden, mit Kreuz und allem drum und dran.

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Wolltest du das Reh so beerdigen oder waren deine Großeltern so gläubig?
Wieder beleben konnten wir es ja nicht (lacht). Wegen mir natürlich und meinem Bruder.

Gibt es noch eine Traumrolle für dich? Oder war die schon da, aufgrund der zunehmend internationalen Verpflichtungen?
Ich habe keine Traumrolle, aber ich habe eine bestimmte Art von Rollen, die ich sehr mag und zwar sind das nicht irgendwelche Heldenfiguren,
sondern Leute die extreme Problem haben. Das finde ich interessant. Bei gebrochenen Figuren kann man mehr spielen, das ist mir wesentlich lieber.

Als Schauspieler hat man nicht immer das Glück, gleich so eine Rolle zu ergattern. Wie war das bei dir?
Ich habe die Schauspielschule gemacht, dann mehrere Jahre fest am Theater gespielt. Danach wollte ich nach Berlin ziehen und kündigte. Ich wollte
es als Freischaffender versuchen. Ich hatte dahin gehend Glück, dass ich immer von dem Job leben konnte, also nur von dem Job. Aber ich bekam
überhaupt nicht die Rollen, die mich interessiert haben. Irgendwann kurz hinter dreißig, dachte ich mir, ich würde diesen stagnierenden Zustand
nicht bis zu meiner Rente aushalten. Ich hatte die Eingebung, mir eine Agentur im Ausland zu suchen um mich breiter aufzustellen. Ich hatte das
Glück, dass ich gleich eine gute fand, aber es war noch ein längerer Weg. Ich bin zwei Jahre lang immer wieder nach London geflogen, das ging
dann so Schritt für Schritt und das “Game of Thrones” kam war das war das totale Glück.

Vermisst du die Theaterbühne, das ist ja doch ein großer Unterschied beim Spielen?
Ja total, es ist nur leider im Moment so, dass durch das Stadtheatersystem hierzulande extrem schwer ist, als Gast für eine Produktion engagiert zu werden. Selbst wenn du das schaffst, hast du dann über den Zeitraum von zwei Jahren jedes Monat zwei oder drei Vorstellungen. Da greift sich jeder Produzent an die Stirn, wenn du dann sagst ich muss am 17. und am 23. etc in z.B in Klagenfurt sein. Beim nächsten guten Angebot mache ich es auch wieder. Ich möchte das unbedingt!

Was sind denn deine nächsten Pläne und Projekte?
Jetzt gucken wir mal, ob ich Staffel 6 von ‘Game Of Thrones’ überlebe (lacht). Der Dreh geht jetzt noch bis Dezember. Es stehen Lesungen an und dann konnte ich ja diesen schönen Job als Synchronsprecher machen für “Arlo und Spot”. Danach mal sehen, das kann man als Schauspieler etwas schwer planen.

Fotos: klatsch-tratsch.de/Patrick Hoffmann, Disney, Hanna Boussouar