Montag, 23. November 2015, 14:37 Uhr

NDR bastelt eilig an neuem ESC-Vorentscheid

Die Debatte um Xavier Naidoo hatte einen gewissen Unterhaltungswert: Erst bot der NDR ihn für den Eurovision Song Contest auf, dann zog er die Nominierung zurück. Jetzt bastelt der Sender an einem neuen Vorentscheid für den größten europäischen Musikwettbewerb.

NDR bastelt eilig an neuem ESC-Vorentscheid

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) sucht nach dem Hin und Her nun ein neues Konzept für die Vorauswahl zum Eurovision Song Contest (ESC). “An der Frage, wie der deutsche Beitrag für den ESC in Stockholm gefunden wird, wird jetzt gearbeitet”, sagte NDR-Sprecher Martin Gartzke heute in Hamburg, wo noch bis zu diesem Dienstag auch die Intendanten der Landesrundfunkanstalten tagen. “Der Stand ist wie von NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber am Wochenende mitgeteilt.”

Am Samstag hatte Schreiber, der auch ARD-Unterhaltungskoordinator ist, die Nominierung des umstrittenen Naidoo zurückgezogen. “Es war klar, dass er polarisiert, aber die Wucht der Reaktionen hat uns überrascht. Wir haben das falsch eingeschätzt”, erklärte Schreiber. Am Donnerstag hatte der NDR zunächst mitgeteilt, dass Naidoo einziger Kandidat sei und das Publikum zwischen mehreren Songs entscheiden solle. Darauf formierte sich aufgrund seiner politischen Äußerungen in der Vergangenheit starker Protest gegen Naidoo.

NDR bastelt eilig an neuem ESC-Vorentscheid

Ob sich für den NDR Konsequenzen aus der Absage an Naidoo ergeben, ließ Sprecher Gartzke am Montag offen. “Über mögliche Verpflichtungen des NDR gegenüber Xavier Naidoo können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Angaben machen, da das Projekt nicht zustande kam und wir daher zunächst mit dem Management reden müssen.” Auch die Sprecherin des Künstlers, Merle Lotz, machte zu vertraglichen Details keine Angaben und verwies auf die Äußerungen Naidoos auf seiner Homepage und bei Facebook.

Dort hatte der Sänger am Samstag unter anderem erklärt, er habe nach reichlicher Überlegung zugesagt. “Wenn sich nun kurz nach unserer vertraglichen Einigung mit dem NDR und dem Abschluss aller Vorbereitungen die Planungen der ARD durch einseitige Entscheidung geändert haben, dann ist das ok für mich.” Die Art der Nominierung war innerhalb der ARD auf Kritik gestoßen. “Ich hätte es begrüßt, wenn diese Diskussion ARD-intern hätte geführt werden können, bevor mit der Nominierung Fakten geschaffen wurden», kritisierte ARD-Programmdirektor Volker Herres in der ‘Welt am Sonntag’.

Unterdessen hatten sich einige Künstler vor Xavier Naidoo gestellt. Til Schweiger antwortete auf ein Posting von Comedian Michael Mittermeier, schrieb u.a.: “Was hier gerade von sogenannten Leitmedien abgezogen wird, das ist eine Form von Terrorismus! Es gibt viele Nazis in diesem Land und mindestens genauso viele Schwulenhasser, kümmert Euch um DIE, denn Xavier gehört nicht dazu!!!!” Mittermeier schrieb u.a.: “Tja, schade dass ein billig initiierter Presse-Shitstorm ausreicht, dass deutschlandweit ein Klima der Hetze entsteht, und der NDR einknickt.” Daraufhin zitierte der Branchendenst ‘Meedia’ einen User, der auf den Mittermeier-Post antworte: Bei der Reaktion auf die Nominierung handele es sich nicht um einen Presse-Shitstorm. Denn „nur wenn man jemanden mit seinen Aussagen, die wohldokumentiert sind, konfrontiert, ist das keine Hetze.“ (dpa/KT)

Foto: NDR/Alexander Laljak, Screenshot: xaviernaidoo.com