Mittwoch, 25. November 2015, 20:38 Uhr

Filmkritik "Bridge Of Spies": Tom Hanks souverän, witzig und warmherzig

Der zweifache Oscarpreisträger Tom Hanks ist der Mann für alle Fälle in “Bridge Of Spies: Der Unterhändler“, dem neuen Knüller von Altmeister Steven Spielberg (“Schindlers Liste”, “Der weiße Hai”). Der startet am Dnnerstag im Kino!

Filmkritik "Bridge Of Spies": Tom Hanks souverän, witzig und warmherzig

Es gibt nichts, was Mister Hanks nicht spielen kann: ein schlichtes Gemüt in “Forrest Gump”, einen AIDS-Aktivisten in “Philadelphia”, als “Mann fürs Grobe” in “Road to Perdition”, ein Chamäleon in “Cloud Atlas” und nicht zuletzt als Romatiker mit unglaublich komischen Einfällen, z.B. in “E-Mail für Dich” und nun als ein Versicherungsanwalt, der von dem Fällen der Kategorie “Bieder” in “Brandgefährlich” wechselt.

Gibt es eigentlich jemanden, der nicht weiß, wer Steven Spielberg ist? Mit ihm ist es so, wie mit einem Elvis-Song: einen seiner vielen Songs liebt man garantiert. Genauso ist das mit DEM Spielberg: Seit “E.T. “das erst mal seinen Leuchfinger ganz langsam ausgestreckte und abgrundtief traurig dazu sagte: “Nach Hause, nach Hause telefonieren…” gehört Spielberg zu den ganz großen Regisseuren, die wissen, wie man ganz kleine Momentaufnahmen so in Szene setzt, dass diese ohne Umweg das Herz berühren. Keine Frage, der Mann weiß, was er tut.

Spielberg und Hanks kennen einander schon lange, z. B. in der Zusammenarbeit in der Mini-Serie “Band Of Brothers”. Jetzt haben sie einen neuen Film gedreht: “Bridge of Spies: Der Unterhändler”. Natürlich ist Tom Hanks der Unterhändler und zwar widerwillig. Äußerst widerwillig. Hanks spielt den sehr erfolgreichen Versicherungsanwalt James “Jim” B. Don, der im Laufe seiner Karriere auch bei den Nürnberger Prozesses mitgearbeitet hat. Die Zeiten haben sich geändert, der Kalte Krieg ist in vollem Gange, die Mauer im geteilten Deutschland ist bereits gezogen und ein ganz besonder heikles Geschäft blüht auf beiden Seiten des frisch errichteten Vorhangs: das der Spionage.

Der brave dreifache Familienvater Jim Donovan kriegt von seinem Kanzleichef Watters (schön mal wieder zu sehen: Alan Alda) ein Leckerli der etwas anderen Sorte auf den Tisch geknallt: der russische Spion Rudolf Abel (sehr stark: Mark Rylance) soll eine faire Verteidigung erhalten, jedenfalls so fair, dass das es “nur” noch um die Höhe der Strafe geht; Gefängnis oder der elektrische Stuhl. Donovan macht da aber nicht mit. Es ist eine Wonne, Hanks dabei zuzusehen, wie ihm – dem Neuling in der Verteidigung von Landesverrätern – so langsam der Kamm schwillt, wie juristisches Recht gegen die Verfassung ausgehebelt werden soll.

Filmkritik "Bridge Of Spies": Tom Hanks souverän, witzig und warmherzig

Parallel dazu erzählt Speilberg in kleinen Szenen wie die CIA Flieger ausbilden lässt, die über feindlichem Gebiet Fotos schießen sollen. Zu den ganz unspektakulär Auserwählten zählt Francis Gary Powers (Austin Stowell), der gleich bei seinem ersten Spionageflug agbeschossen wird und in deutsche Gefangenschaft gerät. Und noch ein dritter Fall wird von Spielberg eingewebt: der amerikanische Student Frederic Pryor (Will Rogers) wird in Ostberlin während des Mauerbaus hopp genommen. Während die Mauer Stein für Stein immer höher gesetzt und die Baumaßnahmen engmaschig bewacht werden, ist der Amerikaner schon auf Grund seiner Staatsbürgerschaft Gold wert. Ab ins Loch mit ihm, einen Gerichtssaal wird Pryor nie sehen.

Das sind die Zutaten für diesen kurzweiligen 2,5-Stunden-Film. 3 Spione, ob wahr oder nicht, ein Versicherungsanwalt, der über seine persönlichen Grenzen gehen muss, zwei Weltsysteme – die Sowjets und die Amis und jede Menge Geheimdienstpersonal aller beteiligten Staaten. Tom Hanks als Anwalt mit dem Herzen auf dem rechten Fleck ist souverän, sehr witzig und warmherzig: er allein reicht schon, um den Film zu sehen.
Fazit: Altmeister Steven Spielberg weiß wie es geht: in “Bridge Of Spies: Der Unterhändler” erzählt er in berührenden Bildern eine wahre Geschichte aus der Zeit des Kalten Krieges mit dem einzigartigen Tom Hanks. (Katrin Wessel)

Filmkritik "Bridge Of Spies - Der Unterhändler": Tom Hanks souverän, witzig und warmherzig

Fotos: FOX