Donnerstag, 26. November 2015, 20:40 Uhr

Filmkritik "The Gift": Jason Bateman verabschiedet sich vom Saubermann-Image

Jason Bateman verabschiedet sich in “The Gift” endgültig von seinem Image als Saubermann. Der feine Herr ist nicht länger der Familientyp, über den die Ereignisse einfach so hereinplatzen und er einfach nur reagiert.

Filmkritik "The Gift": Jason Bateman verabschiedet sich vom Saubermann-Image

In dem Mystery-Triller, ab heute in den Kinos, geraten Jason Bateman und Rebecca Hall in einen immer quälenderen Alptraum. ‘The Gift’ ist ein Jason-Bateman-Film. Zu dem sollte man wissen, dass er der Typ Schauspieler ist, der immer die Guten und Braven spielt. Bateman gehört zu der Sorte Buddies, die kanten- und faltenlos ein braves Leben führen, bis dann eine Katastrophe über ihn hereinbricht und der Schluffityp dann endlich mal in Action kommt. Aber immer nur als Reaktion, der große Held, der Machertyp ist er eher nicht.

In der Komödie “Voll abgezockt” (“Identity Thief”, 2013) mit Mister Bateman als Buchhalter Sandy und die großartige Melissa McCarthy als Kreditkartenbertrügerin Diana gab es eine wunderbar schräge Szene im einem Diner, in der er ihr klarmacht, dass es nur ein klitzekleines Essen gibt, weil nur ein superschmales Budget zur Verfügung steht. Die Kellnerin kommt hinzu und das Ende der Bestellung sieht so aus: Diana erhält alles, was sie sich von der Karte wünscht, gratis. Sandys Vorsuppe dagegen wird mit wütend-bohrendem Gesicht der Bedienung auf dem Tisch geschlunzt und es wird auch nicht versäumt zu zeigen, dass der Finger der Kellnerin bereits vollständig in der Suppe war. Hier hätte der Film von mir aus gern abbiegen können in die Richtung, was passiert, wenn das ungleiche Paar – farbloser Buchhalter und paradiesvogelartige Betrügerin – sich ineinander verliebt. Tut er aber nicht, “Voll abgezockt” bleibt in den braven Bahnen von Filmen, in denen Jason Bateman so mitspielt.

Das hat sich – “endlich” möchte man ausrufen – in ‘The Gift’ geändert. Ein Imagewechsel, der längst fällig war, wird vollzogen.

Simon (Jason Bateman, 46, “Unsere kleine Farm”, “Umständlich verliebt”) und Robyn (Rebecca Hall, 33, “Paradise End”) sind ein erfolgreiches Paar. Gerade sind sie umgezogen in einen biederen Vorort Chicagos, der Stadt, in der Simon aufgewachsen ist. Simon ist ein hipper Geschäftsmann, seine Frau Robyn ist eigentlich Designerin, aber sie ist ersteinmal zu Hause und gestaltet das neue Heim. Als sie eines nachmittags dabei sind, ein Einrichtungswarenhaus leerzukaufen, steht hinter Simon ein etwas steifer Typ, der sich als alter Schulkamerad Gordo (Joel Edgerton, auch für das Drehbuch und Regie verantwortlich) entpuppt. Simon ist freundlich, aber kaum hat sich das Paar von ihm verabschiedet, macht Simon gehässige Worte: “Gordo, the weirdo” (Gordo, der komische Kauz). So wurde der Typ nämlich in der Schule gehänselt. Innerhalb kürzester Zeit taucht Gordo immer wieder vor dem Haus auf und legt Geschenke mit Briefchen vor die Tür. Dann ist plötzlich der Hund weg… Die Geschenke sind nicht willkommen, aber das Paar geht weder entschlossen noch vereint gegen diese Zudringlichkeiten vor. Denn die Methoden des sauberen Geschäftsmann, der Simon heute zu sein vorgibt, hat sehr viel mit den Gängeleien gegenüber Godo auf dem Schulhof und mehr zu tun.

Simon wird gezwungen in den Abgrund zu sehen und zwar gründlich und seine – nennen wir es mal Lebensphilosophie – zu überdenken.
Fazit: Mystery-Thriller, der alle Register des Suspense zieht. Schön fies und beängstigend. Kurzum: ein Muss für Freunde des gepflegten Horrors. (Kathrin Wessel)

Filmkritik "The Gift": Jason Bateman verabschiedet sich vom Saubermann-Image

Fotos: Paramount Pictures