Donnerstag, 26. November 2015, 18:39 Uhr

Shootingstar Jonas Nay: "Man kommt nicht mehr weg von seinem Gesicht"

Er spielte in ‘Homevideo’, ‘Tannbach’ und ‘Schweigeminute’ mit. Heute Abend kommt Jonas Nay mit der Serie ‘Deutschland 83’ in die RTL-Primetime. Fortsetzung folgt? Das dürften die Quoten mit entscheiden.

Shootingstar Jonas Nay: "Man kommt nicht mehr weg von seinem Gesicht"

Alle paar Jahre gibt es in Deutschland Schauspieler, die groß rauskommen könnten. Der 25-jährige ist so einer. Der Grimme-Preisträger hat einige starke Auftritte hinter sich: im Mobbing-Drama ‘Homevideo’ oder im Kinofilm über die Krawalle von Rostock-Lichtenhagen 1992. Mit ‘Tannbach’ ging es für ihn auf Zeitreise in die deutsche Nachkriegsgeschichte. Gerade drehte er die Siegfried-Lenz-Verfilmung ‘Schweigeminute’.

Vor allem ist Nay mit ‘Deutschland 83’ der Hoffnungsträger für hiesige Serien: Endlich mal eine, die in einem Atemzug mit ‘Homeland’ genannt wird.

In der RTL-Produktion, die ab heute wöchentlich um 20.15 Uhr mit Doppelfolgen läuft, dreht sich fast alles um ihn. Er spielt einen jungen DDR-Grenzsoldaten, der zur Spionage in die BRD und in eine Bundeswehrkaserne geschleust wird. Der Trailer: Auf Nays nacktem Oberkörper flackern Bilder aus den Nachrichten rund um den Kalten Krieg, dazu läuft Musik von New Order. Die Serie lief zuerst im US-Fernsehen – für eine deutsche Produktion wahrlich ein echter Ritterschlag. Das gab’s vorher noch nie. Eine Fortsetzung, an der laut Produzent Nico Hofmann bereits gearbeitet wird, hängt wohl auch von den hiesigen Fernsehquoten ab. Die Geschichte könnte dann drei Jahre später 1986 weitergehen, heißt es.

Mehr: „Deutschland 83“ startet mit Sonja Gerhardt: Das Interview

Nay studiert in Lübeck an der Musikhochschule Klavier. Er hat eine eigene Band und mag Handball, so wie viele Norddeutsche. Nay ist ein Typ mit dem gewissen Etwas: “Man kommt nicht mehr weg von seinem Gesicht”, hat sein Kollege Tobias Moretti einmal gesagt. Ein Markenzeichen: eine Narbe an der Stirn, die von einem Autounfall als kleiner Junge stammt. Der Shootingstar des Jahres hat ein aufregendes Jahr hinter sich. Er durfte mit ‘Deutschland 83’ nach New York reisen und gab dort seine ersten Interviews auf Englisch. “Ich drücke die Daumen, dass die Serie bei RTL so gut ankommt wie in Amerika, so dass sie fortgesetzt wird”, sagt er. Sie sei etwas Besonderes geworden. “Sie ist so etwas wie mein Baby.”

Für seine Spion-Rolle bekam Nay, der mal Zivildienstleistender in einem Behindertenheim war, Schieß- und Militärtraining. Außerdem hatte er einen Berater aus Nato-Kreisen, der damals bei dem Manöver “Able Archer” dabei war, das in der Serie vorkommt. Und: “Untypischerweise bin ich mit der Musik der 80er Jahre aufgewachsen. Das war die Musik meine Vaters. Billy Joel, Elton John, Police oder Genesis. Das habe ich als 12 oder 13 Jahre alter Stöpsel gehört und selber gesungen.” Die Vorstellung, dass Deutschland mal geteilt war? Für ihn “total absurd”.

Shootingstar Jonas Nay: "Man kommt nicht mehr weg von seinem Gesicht"

In nächster Zeit will sich Nay (seine Narbe über dem linken Auge  stammt von einem Autounfall in Kindheitstagen) eher aufs Studium konzentrieren, mit seiner Band Northern Lights bringt er ein zweites Album heraus. Wenn er über seine Heimat in Schleswig-Holstein spricht, klingt das wie ein Werbespot für das Leben an der Küste. Berlin, das ist für ihn Job. Ein halbes Jahr hat er dort während der Dreharbeiten für ‘Deutschland 83’ gewohnt. Lübeck ist für Nay eine Oase der Ruhe. “Ich bin ein sehr ruhebedürftiger Mensch, bei dem Hickhack, den das Business mit sich mitbringt. Das Meer! Das beruhigt und erdet unheimlich. Mir tut das einfach extrem gut. Ich werde richtig hibbelig, wenn ich das Wasser nicht um mich herum habe.”

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Zur Rolle in ‘Deutschland 83’: Jonas Nay spielt Martin Rauch. Der lebt im Osten der Republik und ist zufrieden: Er hat einen Job, ein schönes Zuhause und eine attraktive Freundin. Er ist jung, charismatisch und etwas naiv, und doch wird gerade er ausgewählt, als Agent in einem der brisantesten Momente der deutschen Geschichte die zentrale Figur zu spielen. Bewusstlos wird er in den Westen geschleust, wo er in einer völlig anderen Welt erwacht. In dem Glauben, damit seiner schwer kranken Mutter zu helfen, lässt sich Moritz – wie er im Westen heißt – auf diese gefährliche Mission ein. Bald durchschaut er die bedrohliche Situation der weltpolitischen Lage und seine Funktion zwischen den Fronten. Als die Situation zu eskalieren droht, ist er bereit, entgegen aller Befehle ALLES aufs Spiel zu setzen.

Shootingstar Jonas Nay: "Man kommt nicht mehr weg von seinem Gesicht"

Das passiert in en ersten beiden Folgen heute:

Episode 1: „Quantum Jump“
Martin Rauch (Jonas Nay), ein junger Soldat der NVA, soll für den Auslandsgeheimdienst der DDR als Spion rekrutiert werden. Seine eigene Tante Lenora Rauch (Maria Schrader), selbst hochrangige HVA-Mitarbeiterin, setzt diese Idee bei ihrem Vorgesetzten Walter Schweppenstette (Sylvester Groth) durch. Als sich Martin weigert, wird er kurzerhand gegen seinen Willen in die BRD verfrachtet. Nach einem vergeblichen Fluchtversuch in Bonn wird Martin von HVA-Spion und Juraprofessor Tobias Tischbier (Alexander Beyer) in einem Crashkurs in vielfältige Spionagetechniken eingeweiht. Er wird unter einer neuen Identität als Ordonnanzoffizier Moritz Stamm in eine Bundeswehrkaserne eingeschleust. Seine Aufgabe ist es, General Wolfgang Edels (Ulrich Noethen) Vertrauen zu gewinnen. Moritz soll brisante NATO-Dokumente zur Stationierung der Pershing-II-Raketen von US General Arnold Jackson (Errol T. Harewood) beschaffen. Doch das ist gar nicht so einfach, zumal sich eine Freundschaft zu Edels Kindern Alex (Ludwig Trepte) und Yvonne (Lisa Tomaschewsky) anbahnt.

Shootingstar Jonas Nay: "Man kommt nicht mehr weg von seinem Gesicht"

Episode 2: „Brave Guy“
Sein zweiter Auftrag führt Moritz nach Bonn zu einer Sicherheitskonferenz. Kaum ist er dabei, die Annehmlichkeiten eines Westhotels zu entdecken, wird ihm auch schon von Nina (Lena Lauzemis) die zentrale Rolle in einer hoch riskanten Spionageaktion übergeben. Er soll aus dem Safe des NATO-Chef- analysten Henrik Mayer (Jens Albinus) einen geheimen Sicherheitsreport stehlen. Als Gegenleistung verlangt Moritz, dass seine Mutter Ingrid (Carina Wiese) eine dringend benötigte Nierentransplantation bekommt und er seiner Freundin Annett (Sonja Gerhardt) einen Brief schreiben darf. Diese lässt sich, ausgelöst durch die lange unerklärte Abwesenheit von Moritz, auf eine Affäre mit ihrem Kollegen Thomas (Vladimir Burlakov) ein. Außerdem erhält sie Besuch von Moritz‘ Tante Lenora, die sie um einen großen Gefallen bittet. Unterdessen wird Moritz‘ Zeitplan von General Edel (Ulrich Noethen) gründlich durchkreuzt, als dieser ihn zusammen mit Alex in privater Mission nach Köln schickt, um seine Tochter Yvonne (Lisa Thomaschewsky) aus der Bhagwan-Kommune nach Hause zu verfrachten. Als Moritz dann endlich wieder am Hotel ankommt, wird er mit noch größeren Problemen konfrontiert. (dpa/KT)

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Fotos: AEDT/WENN.com, RTL/ Benno Kraehahn, Laura Deschner, Nik Konietzny