Sonntag, 29. November 2015, 13:17 Uhr

Was nun, Wladimir Klitschko? Wenigstens hier lag er vorn

Den Sensationssieg des Briten Tyson Fury im WM-Kampf gegen den bis dahin seit über elf Jahren ungeschlagenen Wladimir Klitschko haben am späten Samstagabend bis zu 9,76 Millionen Zuschauer bei RTL verfolgt. Der Spitzenwert wurde am Ende des Kampfes erzielt, den der 27-jährige Fury einstimmig nach Punkten für sich entscheiden konnte.

Wenigstens bei den TV-Quoten lag der Ukrainer also vorn. Lediglich 1,8 Millionen Zuschauer sahen am Samstagabend um 20.15 Uhr auf ProSieben, wie Raab sich in der Synchronwertung zusammen mit Elton auf den dritten Platz stürzte – das entsprach einem Marktanteil von 6,9 Prozent über alle Altersgruppen hinweg. Das ‘Supertalent’ von RTL schalteten zur gleichen Zeit 4,74 Millionen Menschen ein (15,5 Prozent).

Seinen letzten Kampf hatte Wladimir Klitschko am 10. April 2004 gegen Lamon verloren. Neun Jahre, sieben Monate und sechs Tage war er danach Weltmeister, doch seit Sonntagmorgen, 00.07 Uhr ist er seine WBA-, WBO-, IBF- und IBO-Titel vorerst los. Die Punktrichter werteten den 28. WM-Fight des 39-Jährigen mit 115: 112, 115:112 und 116:111 für den Herausforderer Tyson Fury. “Tyson war so schnell. Ich habe nicht geglaubt, dass er das schafft. Ich konnte den richtigen Schlüssel einfach nicht finden”, sagte Klitschko nach dem Kampf vor 48.000 Fans. KMG-Geschäftsführer Bernd Bönte betonte, dass es eine Rematch-Klausel gäbe und auch der entthronte Champion kündigte einen Rückkampf an: „Fortsetzung folgt!“

RTL-Experte Lennox Lewis (Foto unten) sagte zu dem Klitschko-Desaster: „Als er in den Kampf kam, da war er schon ziemlich verkrampft. Es war, als hätte er vielleicht zu viel mit den gewichten gearbeitet. Der hat versucht, die Distanz zu finden gegen Fury – schwierig bei so einem Typ, weil die Distanz immer eine andere war. Du kannst dich nicht auf eine Distanz konzentrieren, weil der sich ständig vor dir rumbewegt. Was er hätte machen sollen ist, gegen den Körper, gegen die Brust zu gehen und da Schläge zu landen. Wie viele rechte Hände hat er denn überhaupt gebracht? – also, die kannst du an einer Hand zählen. Wie viele Körpertreffer hat ihr gesehen?- die kann ich auch an einer Hand zählen.”

Weiter erklärte Lewis: “Tyson Fury hat sich die Kämpfe (von W. Klitschko, d. Red.) angesehen und hat sich dann ausgerechnet und gesagt: Du musst den beschäftigen, boxen, sich bewegen. Und deshalb hat der so einen starken Kampf gezeigt. … Emanuel Steward hätte gesagt: Was machst du denn da, warum lässt du den wieder in den Kampf zurückkommen? Du bist doch der Champion, du musst das diktieren, du musst den Kampf dominieren, du musst dem zeigen: du hast die Erfahrung. Du musst die Kombinationen bringen, du kannst doch nicht immer die gleichen Kombinationen bringen in jedem Kampf.“

Henry Maske erklärte: „Das Alter war es nicht. Das einzige, was es sein kann natürlich, ist das ständige sich immer wieder in der Größenordnung vorzubereiten. Da kann – und das ist menschlich – irgendwann mal ein Stück Fokus auf der Strecke bleiben. Er hat für meine Begriffe von Anfang an bis zum Ende nicht in den Kampf gefunden.

Fotos: WENN.com/Hoffmann