Dienstag, 01. Dezember 2015, 19:08 Uhr

Friedrich Mücke ist der Star in "Mordkommission Berlin 1"

Der Mordermittler Ernst Gennat, der weltweit erste Forensiker, stand Pate für die Figur des Kommissars Paul Lang. Gennat war ein Pionier auf seinem Gebiet und rief in Berlin die erste “Mordinspektion” ins Leben.

Friedrich Mücke ist der Star in "Mordkommission Berlin 1"

Der bildstarke, opulent ausgestattete Historien-Krimi ‘Mordkommission BERLIN 1’, der heute um 20.15 Uhr auf SAT.1 läuft, wurde in Berlin und Prag gedreht. Neben Friedrich Mücke, der Kommissar Paul Lang verkörpert, sind namhafte Schauspieler wie Tobias Moretti, Frederick Lau und Emilia Schüle zu sehen.

Mit SAT.1 sprach Hauptdarsteller Friedrich Mücke über den Krimi. Hier ein Auszug.

Man kennt Sie vom Tatort, dem Komödien-Kinohit „Vaterfreuden“ oder der Mystery-Serie „Weinberg“. Jetzt spielen Sie Kriminalkommissar Paul Lang im SAT.1-Event „Mordkommission Berlin 1“. Was hat Sie an dieser Rolle gereizt?
Paul Lang hat viele Facetten, die in meinem Leben gar nicht zu finden sind. Zum einen hat mich natürlich der Krimi-Plot gereizt – die Tatsache, dass selbst seine vertrautesten Leute anfangen, dem Kommissar zu misstrauen. Das Spannungsverhältnis, das dadurch entsteht, war toll zu lesen und zu spielen. Zum anderen fand ich den Aspekt des Traumas, die Familie bei einem Bombenanschlag zu verlieren, sehr herausfordernd. Abgesehen davon fand ich es unglaublich spannend, so einen starken Cast mit der Hauptrolle anzufu?hren und so einen Film zu tragen.

Die historische Figur des Ernst Gennat dient mit seinen wegweißenden Methoden bei der Mordermittlung als Vorbild für Kommissar Paul Lang. Wie hat Sie das in Ihrer Vorbereitung für die Rolle beeinflusst?
Einen Hauptkommissar in den zwanziger Jahren zu spielen, ist etwas anderes als einen TV-Kommissar heute. Man muss in der Zeit zurückgehen und sich damit beschäftigen, wie Kriminalistik in Deutschland damals betrieben wurde und wie man Morde untersucht hat. Und da ist Ernst Gennat und seine Arbeit eine sehr gute Inspiration.

Wo gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Paul Lang und Ernst Gennat, wo Unterschiede?
Paul Lang trägt Anzug, Gennat war mehr so ein Manteltyp wie „Columbo“. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war Gennat auch älter als Lang. Instanzen sind jedoch beide. Paul Lang ist in der Mordinspektion „Berlin 1“ absoluter Leader, an Ernst Gennat kam zu seiner Zeit ebenfalls keiner vorbei, weil er wegweisende neue Methoden entwickelt hat, an denen man sich bis heute orientiert. Und privat verstehe ich seine Vorliebe fu?r Stachelbeerkuchen.

Ist es etwas Besonderes, den ersten Mordermittler der Geschichte in einem Film zu verkörpern? Wo sind die Unterschiede zu den Ermittlern der Gegenwart?
Sicher ist das etwas Besonderes. Im Vergleich zu den Ermittlern der Gegenwart gibt es starke Unterschiede: DNA-Analysen gab es zum Beispiel in den zwanziger Jahren nicht. Ein heutiger Kommissar arbeitet viel mit seinen Mitarbeitern zusammen. Im Film erleben wir Paul Lang, wie er selbst an den Tatort geht und Spuren sichert.

Friedrich Mücke ist der Star in "Mordkommission Berlin 1"

Sie gelten als aufstrebender Repräsentant der jungen deutschen Schauspielerriege. Wie war es für Sie, mit einem „alten Hasen“ wie Tobias Moretti zu spielen?
Das war ein Ausflug ins Paradies. Ich war begeistert von seiner Kollegialität und Professionalität. Er macht super Vorschläge, ist aufmerksam und sehr nahbar. Er war wirklich eine Bereicherung für unsere Arbeit.

Im Film gibt es viele verschiedene Settings: Die opulente Eingangsszene im Varieté, Langs Ermittlungen, der Showdown in der Unterwelt … Welche Szene hat Ihnen am meisten Spaß gemacht und welche hat Sie am meisten herausgefordert?
Spaß hat es immer gemacht. Ich fand zum Beispiel das Set „Präsidium“ enorm stark. Herausforderungen gab es aber auch: Die Szene im kalten Wasser im Untergrund war unglaublich. Ich dachte: „Oh Gott, einen ganzen Tag im kalten Wasser spielen, seid ihr wahnsinnig?“ In der Nacht danach hatte ich dann das Gefühl, ich schwimme in meinem Bett weg. Als ob ich einen Tag lang nur in der Badewanne gelegen hätte. Die schwerste Szene war für mich jedoch die, in der ich eingekerkert im Knast sitze. Der Raum war komisch, ebenso wie die Akustik und der Inhalt der Szene.

Kriminalkommissar Paul Lang hat seine Familie durch einen Bombenanschlag verloren. Sie sind selbst Vater von drei Kindern. Können Sie sich vorstellen, dass ein Mensch so einen Verlust jemals verkraftet?
Schwierige Frage. Ich würde es nicht erleben wollen und will es mir auch gar nicht vorstellen. Wenn Rollen kommen, die vom Verlust der Familie erzählen, versuche ich immer, mich von der eigenen Familie distanziert in das Thema einzudenken.

Friedrich Mücke ist der Star in "Mordkommission Berlin 1"

„Mordkommission Berlin 1“ spielt in den zwanziger Jahren. Was macht dieses Jahrzehnt für Sie aus?
Ich habe durch verschiedene Lektüren und Filme einen Eindruck von der Zeit bekommen. Sie war auf jeden Fall total anders als das, was man heute in der Welt sieht: eine laute und wilde Zeit mit sehr viel Lebenslust. Die zwanziger Jahre stehen für mich aber auch für Verdrängung des Ersten Weltkriegs, für Drogen und Alkohol. Das spielt auch bei Paul Lang eine große Rolle. Er will den Verlust seiner Familie verdrängen, indem er sich Morphium spritzt. Gleichzeitig muss er aber auch seinen Gegenspieler Tauss verfolgen, weswegen er nicht zulassen kann, dass die Verdrängung Oberhand gewinnt. Das gefällt mir auch so an der Figur. Sie ist eben nicht nur gesund, sondern auch gebrochen.

Sie sind selbst Berliner. Was macht die Stadt fu?r Sie aus?
Ich lebe jetzt seit acht Jahren in München. Und jedes Mal, wenn ich wieder in Berlin bin, merke ich, wie nah ich der Stadt bin. Für mich steht Berlin für einen bestimmten Humor und dafür, Dinge kurz und knapp abzuhaken. Was ich immer noch sehr mag, ist die Natur in Berlin: Köpenick mit den Seen und dem vielen Grün.

Friedrich Mücke ist der Star in "Mordkommission Berlin 1"

Der Film spielt nicht nur in Berlin, Sie durften auch ungezwungen „berlinern“. Wie hat sich das auf das Zusammenspiel ausgewirkt und was ist der beabsichtigte Effekt für den Film?
Wir haben uns erst kurz vor Drehbeginn dazu entschlossen zu berlinern. Es ist ein Versuch, über die Sprache dem Lokalkolorit und der damaligen Zeit noch ein Stück näher zu kommen. Bei den verschiedenen Kollegen hat man übrigens auch verschiedene Farben des Berliner Dialekts gehört. Freddy spricht zum Beispiel ein ganz tolles Berlinerisch. Und Leuten, die versucht haben zu berlinern und es eigentlich nicht konnten, haben wir Berliner dann gesagt, wie es richtig geht (lacht).

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren? Gibt es eine Rolle, die Sie besonders reizen würde?
Die Antwort auf diese Frage weiß man immer nur beim Abwaschen. Wenn ich meine Brille und mein Baseballcap aufhabe, sagt mein Vater immer, ich sehe aus wie Jürgen Klopp. Also wenn da mal eine Biografie verfilmt wird… (lacht). Ernsthaft: David Bowie würde mich reizen. Das wäre eine Herausforderung. Und ich würde gerne in einem Film über die Münchner Freiheit mitspielen. Und dann spiel ich den Gitarristen Aron Strobel (lacht).

Fotos: SAtT1