Freitag, 04. Dezember 2015, 7:59 Uhr

Tatort-Regisseur Florian Froschmayer erfindet neue Software

Regisseur Florian Froschmayer zog mit seinem letzten Tatort “Ihr werdet gerichtet” 9 Mio. Zuschauer in den Bann. Kurz darauf wurde seine Komödie “Süßer September” im Ersten ausgestrahlt.

Tatort-Regisseur Florian Froschmayer erfindet neue Software

“Sathyan Rameshs Meisterstück, von Florian Froschmayer frisch & luftig inszeniert. Lebensklug & sehr unterhaltsam!”, urteilten die Kritiker. Beide Filme drehte der gebürtige Schweizer und Wahlberliner mit Hilfe seiner neuen Software SCRIPTtoMOVIE, die seit November auf dem Markt ist.

Denn Froschmayer ist nicht nur erfolgreicher Regisseur, sondern auch Autodidakt. Angefangen mit einem IBM Computer, den er seinem damaligen Mathe Lehrer abkaufte, brachte er sich später im langwierigen Eigenstudium das Programmieren bei. Das Resultat lässt sich sehen, denn mit seiner neuen Software können die oft komplizierten Abläufe eines Filmdrehs nun deutlich vereinfacht und beschleunigt werden.

Ihre letzten beide Filme haben Sie mit Hilfe Ihrer neuen Software gedreht – wie sind Sie darauf gekommen, eine Software zu entwickeln?
SCRIPTtoMOVIE ist aus meinem eigenen Bedürfnis entstanden, weil es keine Software gab, die das konnte, was ich für mich und meine Filme haben wollte. Nicht nur aus der Sicht eines Regisseurs, sondern auch aus der Sicht eines ganzen Projekts.

Gab es das denn in der Form noch nicht?
Es gibt Software für die logistischen Aspekte einer Filmproduktion. Es gibt auch vereinzelt Apps für einzelne Departments. Es gibt aber nichts, was alle Bereiche abdeckt bzw. nichts was das Team in allen Belangen vereint und bei dem die Teammitglieder gegenseitig voneinander profitieren können. Heute macht jeder für sich seine Vorbereitung und dann werden unzählige Listen rumgeschickt, die immer ein wenig anders aussehen und die man dann zusammenfügen muss. Das kostet Zeit und ist extrem fehleranfällig.

Was war das größte Problem bei der Entwicklung?
Beim Film gibt es zwei Säulen. Das Buch und den Drehplan. Beide sind zwar eigenständig, dennoch hängen sie eng zusammen. Alles was man sich auf Basis des Buches überlegt, hat früher oder später auch Auswirkungen auf den Drehplan. Wenn sich nun entweder im Buch oder im Plan etwas ändert, geht immer viel Zeit für Administration verloren. Diese beiden Säulen flexibel zu halten und dennoch miteinander verknüpft zu bekommen, war mit die größte Aufgabe bei der Konzeption von SCRIPTtoMOVIE. Ich denke aber, das haben wir geknackt. Die Software verbindet das Kreative mit dem Logistischen.

Muss ein Filmteam durch die Software nun nicht mehr miteinander kommunizieren?
Auf keinen Fall! Kommunikation ist das wichtigste bei einem Film. SCRIPTtoMOVIE schafft Zeit, die man alternativ z.B. für Gespräche und neue Ideenfindungen nutzen kann. Um spontan auch mal eine Notiz platzieren zu können, haben wir ein systeminternes Notizen- und Kommunikationssystem entwickelt. Jede Notiz lässt sich auch teilen und beantworten. So wird die E-Mail-Flut eingedämmt und gleichzeitig gehen keine Informationen verloren.

Warum ist vor Ihnen noch niemand darauf gekommen?
Die Schwierigkeit bei einer Software für Film ist sicher, dass so viele unterschiedliche Gewerke mit extrem unterschiedlichen Bedürfnissen zusammentreffen, die dennoch alle für das gleiche Produkt, nämlich einen möglichst guten Film, zusammenarbeiten.

Apropos gute Filme – für ihren Tatort „Ihr werdet gerichtet“ wurden Sie von der Presse in den höchsten Tönen gelobt. Was hätten Sie davon gehalten, wenn Ihre Folge wie der Schweiger-Tatort aufgrund von tagesaktuellen Geschehnissen wie denen in Paris verschoben worden wäre?
Würde es um meinen damaligen Tatort „Ihr werdet gerichtet“ gehen, wäre ich heute auch dafür, ihn nach solchen Vorkommnissen wie aktuell in Paris zu verschieben. Für mich bedeutet das aber nicht, sich dem Terror zu beugen, sondern es geht darum, Pietät zu wahren und Verantwortung zu übernehmen. Es handelt sich dabei schließlich nicht um ein Fußballspiel, sondern um einen Film, der den Zuschauer auch losgelöst von den
tagesaktuellen Anschlägen auf Paris berühren würde. In der momentanen Situation würden sich für mich als Regisseur jedoch Fiktion und Realität in einer zu plakativen Art und Weise vermischen.

Foto: Patrick-D. Kaethner