Dienstag, 08. Dezember 2015, 12:00 Uhr

Tyron Ricketts in TV-Drama um ein Besatzerkind

Letzten Monat feierte Tyron Ricketts die Premiere von “Kleine große Stimme” in Wien. Der Film wird heute Abend im ORF und am 30. Dezember im Ersten ausgestrahlt. Es handelt sich um eine sehr berührende Geschichte eines Besatzerkindes, das sich entgegen aller Widerstände auf die Suche nach dem eigenen Vater (gespielt von Tyron) macht.

Tyron Ricketts in TV-Drama um ein Besatzerkind

Anfang November haben Sie in Wien die Premiere Ihres neuen Films „Kleine Große Stimme“ gefeiert. Wie war die Stimmung vor Ort und wie kam der Film beim Publikum an?
Die Stimmung bei der Premiere war wunderbar. Die neue Bühne der Wiener Sängerknaben und eine Vorführung des Chores boten den perfekten Rahmen und sorgten dafür, dass alle Anwesenden bereits vor dem Film bestens eingestimmt waren. Nachdem der Film zu Ende war, gab es sehr viele feuchte Augen im Publikum. Ich denke, das ist ein sehr gutes Zeichen.

Worum handelt der Film und welche Rolle spielen Sie darin?
„Kleine große Stimme“ handelt von einem kleinen schwarzen Jungen, der 1954 in Österreich vergeblich versucht, irgendwie dazu zu passen. Als er auch von seinen eigenen Großeltern nicht akzeptiert wird, reißt er von zu Hause aus, um als Wiener Sängerknabe seinen Vater in Amerika zu suchen. Ich spiele seinen Vater.

Ihr Kollege Wainde Wane, der das Besatzerkind und Ihren Sohn spielt, sagt: “Es ist besser Gewissheit zu haben als sich die Augen zuzuhalten”. Teilen Sie seine Meinung in Bezug auf die Suche nach Angehörigen?
Ich teile diese Meinung, auch in Bezug auf alle anderen Dinge im Leben. Ich finde es viel angenehmer zu wissen, womit man es tatsächlich zu tun hat, als sich von Vermutungen, Ungewissheit und Wu?nschen in den Wahnsinn treiben zu lassen.

Tyron Ricketts in TV-Drama um ein Besatzerkind

Sie selbst sind sogar Halb-Österreicher – wie hat es sich angefühlt, für die Dreharbeiten in Wien zuru?ck in „der alten Heimat“ zu sein?
Es war toll, zum ersten Mal in Österreich zu drehen. Viele alte Erinnerungen wurden in mir geweckt. Besondere Freude hatte ich an den Gerichten mit denen ich aufgewachsen bin. Dass auf der Speisekarte im Restaurant „Mohr im Hemd“ angeboten wurde, fand ich jedoch etwas befremdlich, denn schließlich leben wir im Jahr 2015. Leider fühle ich mich in Wien mittlerweile mehr wie ein Fremder, als beispielsweise in Berlin, wo man mir eher das Gefühl gibt, dazuzugehören. Unser Film greift genau dieses Gefühl auf und appelliert daran, dass „keiner fremd ist, wenn wir das nicht wollen“.

In einem anderen Interview sagten Sie, dass Sie einige Szenen aufgrund persönlicher Erfahrungen sehr gut nachvollziehen konnten. Um welche handelt es sich da genau?
Ich weiß wie es sich anfühlt, vergeblich zu versuchen, als Teil der Gesellschaft in der man lebt, akzeptiert zu werden und dabei immer wieder auf ignorante Menschen stößt, die auf Grund von Vorurteilen ein Problem mit allem Fremden haben.

Unter der Prämisse „Es ist keiner fremd, wenn wir das nicht wollen!” entführt der Regisseur Wolfgang Murnberger mit seinem Film in das Wien der Nachkriegszeit. Welche Parallelen sehen Sie zur aktuellen politischen Lage?
Nach dem Zweiten Weltkrieg machte man sich zur Aufgabe, das Gedankengut der Bevölkerung zu entnazifizieren und toleranter gegenu?ber nicht typisch arisch aussehenden Menschen zu werden. Heute besteht die Herausforderung darin, die Welt als unser aller Heimat zu verstehen und die vorhandenen Ressourcen so weise zu verteilen, dass die Menschheit in Frieden leben kann. Dafür ist es dringend notwendig, die Gesamtsituation zu sehen und sich nicht nur über die einzelnen Symptome zu streiten.

Sie leben bereits seit mehreren Jahren in den USA und wohnen aktuell in New York. Wird die Flüchtlingsproblematik in Amerika auch thematisiert?
Gewiss hört man davon in den Nachrichten. Allerdings ist es in den USA eher so, dass jeder vor seiner eigenen Tür kehrt. Dort ist es vielmehr die Südgrenze nach Mexiko, die die Menschen interessiert. Seit den Anschlägen in Paris ist das Hauptthema der „Krieg gegen den Terror“. Ich denke, wenn es eine Lösung gibt, wird sie nicht durch einen neuen Krieg gefunden werden.

Tyron Ricketts in TV-Drama um ein Besatzerkind

Auf welche neuen Projekte dürfen wir uns bei Ihnen neben „Kleine große Stimme“ noch freuen?
Ich arbeite zurzeit an einem Abenteuerfilm, den ich zusammen mit Christian Alvart realisieren werde. Dabei geht es auch um ein Flüchtlingsthema. Außerdem arbeite ich an zwei Dokumentarfilmen bei denen ich neben der Produktion auch die Regie übernehmen werde.

Nun stehen auch schon wieder Weihnachten und Silvester vor der Tür. Haben Sie dafür bereits Pläne?
Gut essen, feiern und mich auf meinen Surfurlaub freuen!

Alle weiteren Infos zu Tyron Ricketts und seinen aktuellen Projekten gibt es hier!

Fotos: ORF