Mittwoch, 09. Dezember 2015, 22:05 Uhr

Steffi Graf: "Ich kann verstehen, dass die Menschen Angst haben"

Steffi Graf hilft traumatisierten Flüchtlingskindern. Die ehemaligeTennisspielerin engagiert sich schon seit längerem für die Stiftung ‘Children for Tomorrow’. Das neueste Projekt der gemeinnützigen Organisation hilft Kindern, die auf ihrem Weg nach Deutschland traumatisiert werden.

Steffi Graf: "Ich kann verstehen, dass die Menschen Angst haben"

Den Flüchtlingskindern wird mit einem Team aus Psychologen, Pädagogen und Dolmetschern dabei geholfen, das erlebte zu verarbeiten. Im Interview mit der Zeitschrift ‘tina’ erklärte die 46-Jährige: “Wenn die Kinder Deutschland erreichen, werden sie zwar untergebracht und medizinisch versorgt – ihre seelischen Verletzungen aber oft übersehen. Wir helfen, das Erlebte zu verarbeiten… Ich kann verstehen, dass die Menschen Angst haben. Aber ich finde es bewundernswert, wie Deutschland diese Situation meistert.”

Bei ihrer Arbeit hat sie an alles gedacht: die zweifache Mutter kümmert sich nicht nur darum, dass die Kleinsten versorgt werden, auch für Jugendliche gibt es ein Programm. Sie verriet: “Bei größeren Kindern führen die Psychologen Einzelgespräche. Bei den Kleinen hilft Kunsttherapie. Sie malen Bilder über ihre Flucht, dann spricht man über das, was auf dem Bild zu sehen ist, und löst darüber die Ängste.”

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Nicht nur die Kriegserlebnisse aus ihrer Heimat belasten die Kinder, sondern auch die Flucht selbst. „Die schlimmsten Traumatisierungen finden in Europa statt. Wichtig bei Traumata ist die rasche Behandlung, damit sich die Angst nicht verankert“, so Stefanie Graf im Gespräch mit dem Blatt. „Hinzu kommt, dass die Kinder unter enormem Druck stehen, sie mu?ssen sich in kurzer Zeit in einer neuen Umgebung zurechtfinden, die Sprache lernen, allein in der Schule oder im Kindergarten klarkommen.“

Die gebu?rtige Mannheimerin lebt mit ihrer Familie in Las Vegas, reist aber regelmäßig nach Deutschland – fu?r ihre Stiftung. Obwohl die Mitarbeiter von Children for Tomorrow auch Auffang-Lager besuchen, findet die psychotherapeutische Arbeit im Stiftungs-Haus statt, das auf dem Gelände der Uniklinik Hamburg steht. Die 46- Jährige erklärte weiter: „Die Kinder brauchen dringend mehr psychologische Hilfe, nicht nur durch uns in Hamburg, sondern u?berall!“

Fotos: WENN.com, Bauer/Tina