Samstag, 19. Dezember 2015, 14:04 Uhr

Stefan Raab heute zum letzten Mal im Fernsehen

Heute Abend geht eine Fernseh-Ära zu Ende. Stefan Raab quält sich zum letzten Mal mit ‘Schlag den Raab’  über den Spiele-Parcours, auf dem ihn ein Kandidat den Jackpot abluchsen will. Mit Raab verschwindet ein großer Entertainer.

Stefan Raab heute zum letzten Mal im Fernsehen

Nach 142.692 Sendeminuten auf ProSieben ist der Entertainer zum letzten Mal in einer TV-Show zu sehen. Im Jackpot liegen 1,5 Millionen Euro. Es wird wie immer ein langer Abend werden und Raab wird rennen, schwitzen, brüllen, grübeln, jubeln, fluchen. Er wird sich an diesem Samstag wieder einmal in bis zu 15 Spielen gegen einen Kandidaten durchbeißen. Ob der Gastgeber sich in der 55. Ausgabe seiner Show ‘Schlag den Raab” durchsetzt oder der vom Publikum benannte Herausforderer, das ist noch offen. Doch eines steht fest: Raab wird nach der Live-Sendung aus Köln seine «Fernsehschuhe an den Nagel hängen”, wie er es schräg formulierte, als er vor Monaten den Ausstieg ankündigte. Er ist erst 49 Jahre alt.

Seine Abschiedstournee nahm bereits im Sommer ihren Lauf: Die letzten Ausgaben von ‘Schlag den Star’, das letzte ‘TV total Turmspringen’ oder am Mittwoch die letzte Late Night ‘TV total’, in der Raab richtig mit den Tränen zu kämpfen hatte. ProSieben-Geschäftsführer Wolfgang Link hob in einer Mitteilung noch einmal hervor, was bei Raab immer ausgezeichnet habe: “sein Ehrgeiz, seine Willenskraft, seine Vielseitigkeit, aber vor allem: Sein absoluter Mangel an Eitelkeit der eigenen Person gegenüber.”

Dabei behaupten Insider nach wie vor, dass Raab und ProSieben zunehmend Differenzen hatten. Und andere Fragen bleiben auch: Also zum Beispiel, was mit den 1,5 Millionen Euro im Jackpot passiert in dem Fall, dass Raab und nicht sein Gegner gewinnt. Ein ProSieben-Sprecher sagt, eine Antwort darauf werde die Show geben. Eine weitere Frage ist, was der große Meister eigentlich nach seinem Abtritt macht – hinter den Kulissen weiter Geschäfte betreiben, monatelang segeln oder gar den Hausmann spielen? Die größte Frage aber ist: Hat das traditionelle deutsche Fernsehen nach dem Weggang seines kreativsten Kopfes noch irgendwelche Persönlichkeiten?

Was Raab, der sein Privatleben stets unter dem Deckel hielt, künftig treibt, weiß im Grunde nur er selbst. Bekannt ist, dass er gern lange Segeltörns macht, auch dass er sich gelegentlich auf der Tribüne des 1. FC Köln blicken lässt, am liebsten mit Zigarre wie vor einigen Wochen mit dem Geschäftsführer der ‘Schlag den Raab’-Produktionsfirma Brainpool, Jörg Grabosch. Interviewwünsche lehnt er ab. Die Buchmacher von mybet unterstellen ihm, ähnlich wie Harald Schmidt einst zum öffentlich rechtlichen Fernsehen zu wechseln.  Für die ist  am wahrscheinlichsten eine Comeback-Erklärung im ersten Halbjahr 2016.

Stefan Raab heute zum letzten Mal im Fernsehen

Viele wissen: Ohne Stefan Raab wird Fernseh-Deutschland ärmer. Die Zeit der Selfmade-Unternehmer, die sich mit Gitarre und einer Portion Frechheit im TV hemmungslos auf der Bühne produzieren, ist vorbei. Der rasche ungebremste Auf- und Abstieg eines Entertainers ist im Privat-TV mittlerweile genau so schwierig wie schon in den 80ern im öffentlich-rechtlichen Funk. Inzwischen wird ohne Ende gefiltert, Testshows, Prototypen, werden noch und nöcher gedreht, bis der Look stimmt, der Reiz aber völlig verblasst ist.

Doch die Hoffnung ist nicht ganz verschwunden. “Raab wird sicherlich als kreativer Kopf hinter der Kamera noch viele innovative Formatideen realisieren”, sagt die Hamburger Medienwissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher. “Die Zeit der TV-Stars wird nie aufhören zu existieren.” Dass Raab an der Firma Brainpool, an der er über Raab TV beteiligt ist, weiter verdient, gilt als sicher. Vielleicht entdeckt er hinter den Kulissen auch weiter Talente und baut sie auf.

Wie schwer es ohne Raab ist, bekam ProSieben bereits zu spüren: Erste Versuche von Raabs Sender, mit Nachwuchsköpfen zu agieren, schlugen im Herbst weitgehend fehl: Während die Show ‘Teamwork’ mit Jeannine Michaelsen noch Anlass zu Hoffnung gab, konnten Lena Gercke und Palina Rojinski dem “King of Kotelett” nicht das Wasser reichen, die Quoten bei Shows wie ‘Got to Dance’, ‘The Big Surprise – Dein schönster Albtraum’, ‘Inside – Unterwegs mit Palina’ oder ‘Prankenstein’ waren zum Teil dünn. Dennoch: Gercke und Rojinski spielen weiter eine Rolle bei ProSieben…

Übrigens: Die erste Ausgabe von ‘Schlag den Raab’ wurde am 23. September 2006 ausgestrahlt. Raab gewann 38 Mal. Die längste Ausgabe von “Schlag den Raab” dauerte sage und schreibe sechs Stunden und elf Minuten. Die kürzeste war bereits nach drei Stunden und 46 Minuten beendet. Der Rekordgewinn liegt bei 3,5 Millionen Euro. Insgesamt wurden bislang 26 Millionen Euro Siegprämie in der Show vergeben.

Abschied Nr.2: Steven Gätjen moderiert am 19. Dezember 2015 zum letzten Mal auf ProSieben. Frank Buschmann kommentiert die Spiele. (dpa/KT)

Foto: ProSieben/Willi Weber