Sonntag, 27. Dezember 2015, 18:05 Uhr

James Morrison wird ständig mit Chris Martin verwechselt: Das Interview

Wenn ein Künstler weiß, wie man einen Radiohit schreibt, dann ist es James Morrison. Seine Hits wie „Broken Strings“ oder auch „You Give Me Something“ liefen im Radio hoch und runter. In sämtlichen Castingshows trällerten Kandidaten seine Songs mehr oder weniger erfolgreich nach.

James Morrison wird ständig mit Chris Martin verwechselt: Das Interview

In der neuen DSDS-Staffel werden seine Lieder mit Sicherheit nicht fehlen. Mit seinem aktuellen Album „Higher Than Here“ sorgt der sympathische Brite für musikalischen Nachschub. klatsch-tratsch.de-Autor Dennis hat sich mit ihm über Verwechslungen mit Chris Martin, Eheprobleme und vieles andere mehr unterhalten.

Worum geht es in deiner neuen Single „Stay Like This“?
Wenn du dich mit deiner Frau gestritten hast und auch sehr lange mit ihr zusammen bist – so wie das bei mir und meiner besseren Hälfte ist – dann gibt es diesen Moment, in dem sich die Wogen glätten. Ich wollte einen Song über diesen Moment schreiben, wenn man nach einem Streit wieder zusammenfindet. Das ist der Moment, wo alle Probleme besprochen sind und man total ehrlich zueinander ist.

Aber ist es bei einer langen Beziehung nicht manchmal besser, sich auf die Zunge zu beißen und einige Dinge für sich zu behalten? Denn manchmal ist die Wahrheit sehr schmerzhaft.
Genau das ist die Sache. Wenn du solche Dinge zu lange mit dir herumträgst, dann endet das zwangsläufig irgendwann mit einem riesigen Knall. Bei uns war es auch nicht immer einfach, aber wir waren ehrlich zueinander und das hat uns immer wieder zusammengeführt. Das ist mir in einer Beziehung auch sehr wichtig.

Streitet ihr oft? Seid ihr eines von diesen Dauerstreit-Pärchen?
Nein, nein. Wir streiten nicht die ganze Zeit. Wir sind ein echt eingeschworenes Team und auch seit über 15 Jahren zusammen. Natürlich streiten wir uns auch mal, aber die meiste Zeit lachen wir zusammen. Ich denke, das Geheimrezept bei uns ist echt die Ehrlichkeit.

Lass uns über dein neues Album sprechen …
Ich wollte auf „Higher Than Here“ mein höchstes Potenzial als Künstler ausschöpfen. Ich wollte mir auch beweisen, dass die Welt einfach positiv ist. Man könnte sagen, ich mache mir das auf der ganzen Platte vor und strebe dieser Vorstellung nach. Als ich das Album geschrieben habe, befand ich mich an einem ziemlich dunklen Punkt in meinem Leben, (Anmerkung der Redaktion: Zwei Todesfälle in der Familie innerhalb kurzer Zeit) aber es ist ein sehr positives Album geworden. Es ist absolut nicht depressiv, sondern versucht das Beste aus der Situation zu machen.

Neben einer privaten recht schwierigen Situation hast du – wie ich gelesen habe – oft daran gezweifelt, ob das Album an die Qualität des Vorgängers anknüpfen kann. Warum eigentlich?
Das ist eine ganz normale Angst, die jeder Künstler kennt. Ich habe mir bei jedem Album immer selbst Druck gemacht und wollte es bestmöglich haben. Das Schwierige in meiner Situation ist, dass all meine Alben in den Top 10 gelandet sind. Auch wenn ich ein gutes Album gemacht hätte, dass nicht in den Top 10 gelandet wäre, wäre das für mich ok gewesen, weil ich immer so viel Glück hatte. Das letzte Album ist zwar auch in den Top 10 gewesen, hat dennoch nicht so viele Einheiten verkauft, wie ich eigentlich erwartet hätte. Man muss einfach bedenken, dass wir in einer Zeit leben, in der Menschen Musik herunterladen und keine CDs mehr kaufen. Die Hauptsache ist, dass ich rückblickend sagen kann, dass ich ein gutes Album gemacht habe, auch wenn es nicht so viele Leute gekauft haben. Als Künstler konzentriere ich mich nur darauf.

Apropos Downloads. Wird man da nicht manchmal sauer, wenn man Zeit, Geld und Herzblut in seine Musik steckt und die Leute die Sachen dann illegal ziehen?
Wenn man sich auf die Sachen konzentriert, die man nicht hat, dann beeinflusst das einen nur negativ. Wenn ich Zuhause sitzen und mir überlegen würde, dass ich wenig Geld habe, weil die Leute meine CD nicht kaufen, dann würde ich verbittern und das will ich nicht. Ich bin nicht auf die Erde gekommen, um mich um Geld zu sorgen. Natürlich macht man sich über bestimmte Dinge einen Kopf. Ich versuche aber Geld keine zu große Rolle einnehmen zu lassen. Früher hatte ich absolut nichts und weiß, wie das ist. Alles was ich jetzt habe, sehe ich als einen Bonus. Ich dachte früher, ich würde für immer ein armer Kerl bleiben und jetzt kann ich von meiner Musik leben. Ich mache Alben, spiele Konzerte und kann sagen, dass ich ein gutes Album gemacht habe. Die Leute werden sich die Musik so oder so herunterladen und da kann ich auch nichts dagegen tun. Ich versuche mir einfach keinen Kopf über Dinge zu machen, die ich sowieso nicht ändern kann.

James Morrison wird ständig mit Chris Martin verwechselt: Das Interview

Du hast mehrmals das Albumkonzept geändert, weil du fandest, dass sich die Sachen zu sehr nach Ed Sheeran und Sam Smith angehören …
Ja, das stimmt. Nur mit Gitarre oder nur mit Piano klang es entweder wie der eine oder der andere. Als ich die Sachen aufgenommen habe, fühlte ich mich erst sehr daran erinnert und habe mich dann in die Produktion hereingefummelt, um aus dem Material mein eigenes Ding zu machen. Ich habe dann die Hälfte des Materials und meine Gitarre genommen und mir keine Gedanken mehr gemacht ob ich jetzt wie Ed Sheeran klinge oder nicht. Ich habe mich einfach auf das konzentriert, was ich machen wollte und es hat sich einfach richtig angefühlt.

Diesen Vergleichen bist du ständig ausgesetzt. Nervt das nicht?
Doch, total. Aber was kann man da machen? Als ich rauskam, wurde ich ständig mit James Blunt und Paolo Nutini verglichen. Und heute bekomme ich zu hören, dass ich wie Chris Martin aussehen würde. Das ist okay. Sie können ruhig mit ihren Vergleichen kommen. Ich denke je weniger sie dich in eine Schublade stecken können, um so härter versuchen sie es. Ich nehme es einfach als Kompliment. Hauptsache die Leute mögen meine Musik und erkennen meine Stimme wieder.

Hörst du diesen Chris-Martin-Vergleich oft?
Ja, ich werde ständig mit ihm verwechselt. Ich wollte vor ein paar Wochen eine neue Hose kaufen und der Verkäufer meinte zu mir: „Preise spielen für dich sicher keine Rolle, oder?“ Ich meinte so: „Wenn mir die Hosen gefallen, dann nehme ich sie“. Er fragt dann so weiter: „Und? Wie läuft es mit dem Album?“ Er fragt weiter ein paar musikalische Dinge und als ich die eine Hose anprobierte meinte er: „Die steht dir echt gut, Chris!“ (lacht) Die Hose hat übrigens über 400 Euro gekostet. Der dachte wohl echt ich sei Chris und hätte jede menge Schotter. (lacht) Solche Situationen habe ich ständig. Früher hat es mich echt genervt, weil ich individuell sein wollte. Mittlerweile sehe ich das recht entspannt.

Was machst du eigentlich zu Weihnachten?
Ich werde mit meiner Familie feiern. Mein Bruder und sein Kind kommen und meine Mutter auch. Es wird dieses Jahr ziemlich ruhig bei uns. Vielleicht trinken wir eine Kleinigkeit am Abend und dann gehen wir nach Barbados Urlaub machen.

Ist das dann bei euch eher traditionell? Also mit kochender Mutti und Kirche?
Ja, so war das früher immer bei uns. Dieses Jahr ist das erste Jahr seit langem, dass wir alle zusammen Weihnachten feiern. Da freue ich mich sehr drauf. Meine Mum ist schon etwas älter und kann relaxen. Sie hilft dann meiner besseren Hälfte beim Kochen. Die machen das zusammen. Sie sind super in der Küche. Ich helfe auch mit: Ich schäle das Gemüse.

Und Silvester bist du dann auf Barbados?
Ja genau. Das habe ich vor sechs Jahren auch schon mal gemacht. Damals war ich dort aus und hatte eine tolle Zeit. Damals waren wir in einer Karaoke und das war richtig cool. Erst wollten mich die Türsteher nicht reinlassen, weil ich nur ein Unterhemd trug und die Hausregeln besagen, dass man mindestens ein Jacket tragen muss. Einer dieser 2-Meter-Türsteher – Wirklich ein Schrank – hat mir dann sein Jacket gegeben. Ich muss darin echt lächerlich ausgesehen haben. Jedenfalla hatten wir eine super Zeit mit gutem Rum und coolen Songs.

Ja, Barbados ist bekannt für guten Rum …
Ja, ich mag Rum allgemein sehr gerne (lacht)

James Morrison wird ständig mit Chris Martin verwechselt: Das Interview

Ich habe schon viel von deinen legendären Rum-Partys mit John Newman gehört…
Ja, John ist echt ein cooler Typ. Wir verstehen uns richtig gut. Wir haben viel gemeinsam: Wir mögen beispielsweise beide Soul und haben immer, wenn wir uns sehen eine gute Zeit. Wir haben beistimmt schon vier bis fünft mal zusammen gechillt und waren danach sehr betrunken. Er ist wirklich ein Partyanimal.

Er hat früher mal in einer Bar gearbeitet und hat mir die besten Tipps gegen Kater gegeben …
Mit dem Thema kennt er sich ziemlich gut aus. (lacht) Beim letzten Mal hatte ich echt einen bösen Kater und davor nur drei Stunden Schlaf. Ich habe es am nächsten Tag dann noch auf die Kette bekommen, meine drei Stunden von dort nach Hause zu fahren. Ich habe es sogar geschafft, dass mein Manager mir den Kater nicht angemerkt hat. (lacht)

Hast du eigentlich Vorsätze für das nächste Jahr?
Ich will mit dem Rauchen aufhören. Ich rauche echt schon lange. Ungefähr seit ich 13 Jahre alt bin. Das ist fast die Hälfte meines Lebens. (lacht) Ich trinke nicht viel und nehme keine Drogen. Rauchen ist deshalb mein einziges Laster, das ich mir abgewöhnen will.

Fotos: WENN.com/Hoffmann, Steve Searle/WENN.com, Universal Music