Samstag, 02. Januar 2016, 17:45 Uhr

Gangsterfilm "Legend": Tom Hardy als kriminelle Zwillinge wieder mal top!

In den 60er Jahren dominierten zwei Brüder die Unterwelt des Londoner East End: Reggie und Ronnie Kray. Jetzt gibt’s eine Neuverfilmung. In ‘Legend’ spielt unser Liebling des Jahres, Tom Hardy, die beiden grundverschiedenen Gangster-Zwillinge. Auch wenn das Ende absehbar ist: Die Vorstellung des Briten ist absolut sehenswert.

Gangsterfilm "Legend": Tom Hardy als kriminelle Zwillinge wieder mal top!

Tom Hardy hat einen Hang zu düsteren und gewalttätigen Rollen. Das ist gut so, schließlich macht es Spaß, ihn darin zu sehen – ob als Schurke Bane in ‘The Dark Knight Rises’ oder Max Rockatansky im jüngsten ‘Mad Max’-Film.

Am 7. Januar kommt Hardy gleich doppelt ins Kino: In ‘Legend’ spielt der 38-jährige Brite die Zwillingsbrüder Ronnie und Reggie Kray, die in den 50er und 60er Jahren die Unterwelt des Londoner East Ends beherrschten. Und er brilliert aufs Neue. Die Kray-Zwillinge haben in Großbritannien einen ähnlich legendären Ruf wie der hierzulande bekanntere Serienmörder Jack the Ripper. Offiziell waren sie Nachtclubbesitzer im damals verrufenen, heute hippen Osten Londons. Ihre Gang, “die Firma”, verdiente sich ihren Lebensunterhalt unter anderem mit Schutzgelderpressung. Die beiden Gangster genossen einen regelrechten Promistatus und verkehrten mit der feinen Gesellschaft Londons – auch mit hochrangigen Politikern, was sie für die Justiz über Jahre praktisch unantastbar machte.

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Ihre Geschichte ist bereits aufgeschrieben, verfilmt, auf die Bühne gebracht, in Popmusik verarbeitet und parodiert worden. “Jemand sollte sich hinsetzen und ausrechnen, wie viel Geld mit Filmen und Büchern über die Kray-Zwillinge gemacht wird”, spöttelte der ‘Telegraph’ vor dem britischen Filmstart im September, die beiden generierten heute mehr Reichtum, als sie je selbst besessen hätten.

Trotzdem – oder deswegen? – nimmt Oscar-Preisträger Brian Helgeland (‘L.A. Confidential’, ‘Mystic River’) sich des Stoffs wieder an. Er versucht gar nicht erst zu erklären, wie die Krays wurden, was sie waren, sondern stellt sie gleich als Gangster vor, die mit einer Konkurrenz-Gang um die Macht in der Londoner kriminellen Szene kämpfen. Reggie lernt Frances (Emily Browning) kennen, ein für diese Unterwelt viel zu zartes Wesen. Sie wird die Frau des Kray-Bruders und führt die Zuschauer auch als Erzählerin und moralische Kommentatorin durch die vielleicht etwas zu langen gut zwei Stunden Film.

Gangsterfilm "Legend": Tom Hardy als kriminelle Zwillinge wieder mal top!

Mode, Autos, Clubs, Musik und Straßenbild der 60er Jahren in London bilden Helgeland und sein Team mit viel Liebe zum Detail und Sinn fürs Glamouröse nach. Bildregisseur Dick Pope und Szenenbildner Tom Conroy ernteten zurecht bereits reichlich Lob für diese Arbeit. Das Drehbuch wechselt gekonnt zwischen teils fast slapstickhafter Komödie, klassischem Gangsterfilm und Beziehungsdrama.

Doch der eigentliche Grund, sich diesen Film anzuschauen, ist Tom Hardy! Als mal romantischer, mal berechnend-brutaler Schönling Reggie und als neurotischer, zu Wut- und Gewaltausbrüchen neigender Sonderling Ronnie, der mit seiner offen gelebten Homosexualität sowohl Frances als auch amerikanische Mafiabosse aus dem Konzept bringt. Teile der britischen Presse halten seine Darstellung gar für Oscar-würdig. Bemerkenswert ist auch, dass die Doppelrolle nie zu unnatürlichen Schnitten und Perspektiven zwingt, selbst wenn Ronnie und Reggie sich prügeln (siehe Video unten!).

In Großbritannien und vor allem London hat ‘Legend’ einen kleinen Kray-Hype ausgelöst, Stadtführungen durch den Osten zu ehemaligen Wohn- und Wirkungsstätten der beiden Kriminellen erhielten regen Zulauf. Kein Wunder, denn Helgeland hat keine Hemmungen, die Brüder und ihre (natürlich nicht gut endende) Geschichte zu romantisieren und am Mythos mitzubauen.

HINTERGRUND:

‘Legend’ wurde mit Schauspielern wie David Thewlis, Christopher Eccleston, Sam Spruell, Taron Egerton, Tara Fitzgerald und Colin Morgan und der australischen Schauspielerin Emily Browning als Frances ausgezeichnet besetzt. „Sie war mit Abstand die beste Frances”, sagte Regisseur Helgeland über ihr Vorsprechen. „Sie hatte ihre Hausaufgaben gemacht, hatte sehr intensiv an ihrem Akzent gearbeitet und war mit ganzem Herzen bei der Sache.”

Aber Helgeland wusste auch, dass der Film von dem Schauspieler getragen würde, der Ronnie und Reggie spielt. Für ihn war ganz entscheidend, den richtigen Mann zu finden, der beide Rollen übernehmen konnte und damit in die Fußstapfen von Kollegen wie Jeremy Irons in David Cronenbergs Die Unzertrennlichen (Dead Ringers, 1988) treten würde. „Ich wollte mich beim Casting nicht darauf beschränken, nur zwei Männer zu suchen, die sich möglichst ähnlich sehen”, erklärt er. „Ich war der Überzeugung, dass ein Schauspieler in der Lage sein könnte, die Beziehung zwischen den Brüdern lebendig werden zu lassen. Es war eine kurze Liste.” Auf ihr stand ein Name: Tom Hardy.

Gangsterfilm "Legend": Tom Hardy als kriminelle Zwillinge wieder mal top!

„Locker gesagt, spielt er Reggie wie einen Filmstar, ganz klassisch wie Steve McQueen”, erklärt Bevan. „Ronnie dagegen ist eine tolle Charakterrolle, er war pillensüchtig und psychisch nicht sonderlich stabil. Und Tom hat für beide ein ganz eigenes Aussehen und eigene Persönlichkeiten entwickelt.”

Aufgrund des knappen Budgets und des engen Drehplans, bei dem über 100 Londoner Drehorte (im Film wurden kaum Sets benutzt) in etwas mehr als 50 Drehtage gezwängt werden mussten, war es unmöglich Helgelands Wunschszenario zu realisieren. Er wollte, dass Hardy eine Hälfte des Films als ein Zwilling spielen konnte und danach in die zweite Rolle schlüpfte. Stattdessen begann er an den 35 Drehtagen, an denen Hardy beide Rollen spielen musste, immer mit dem Bruder, der in der Szene die meiste Zeit vor der Kamera stand. In den meisten Fällen war es Reggie, der für Helgeland die Hauptrolle spielt. Nachdem die Szene abgedreht war, verschwand Hardy in der Maske und kehrte als Ron zurück, um den Rest der Szene zu drehen.

Gangsterfilm "Legend": Tom Hardy als kriminelle Zwillinge wieder mal top!

Um dies möglich zu machen, wurden verschiedene Techniken angewandt. „Wie man Zwillinge dreht, hat sich nicht sehr viel verändert, seit Hayley Mills eine Doppelrolle spielte”, erklärt Helgeland lachend mit Bezug auf Die Vermählung ihrer Eltern geben bekannt (The Parent Trap, 1961). Die Split Screen (Zerreißblende) war der meistgenutzte Spezialeffekt. Gelegentlich wurde auch die wesentlich zeitaufwendigere Motion Control Kamera benutzt. Hardy nahm seinen Dialog als einer der Zwillinge auf, der ihm dann über einen Kopfhörer wieder vorgespielt wurde, wenn er nachmittags in die Rolle des anderen schlüpfte. Bei wenigen Gelegenheiten wurde auch „face replacement” eingesetzt, eine Technik, bei der Hardys Stunt/Body-Double Jacob Tomuri möglichst genau die Körpersprache der Rolle treffen musste. Später wurde sein Gesicht dann durch das von Tom Hardy ersetzt. Diese Technik kam vor allem beim großen Showdown zum Einsatz, dem Kampf der Krays in ihrem Casino Esmeralda‘s Barn.

„Manchmal war es auch nur die altmodische Kunst, die richtigen Positionen auszuwählen”, verrät Helgeland. In der Szene, in der Ron und Reggie gegen die Schläger von Richardson antreten, positionierte Helgeland die Brüder möglichst weit auseinander, so dass er in dem Fäuste schwingenden Chaos von Bruder zu Bruder schneiden konnte. „Das größte Problem waren die Dialoge”, erklärt der Regisseur. „Wir fanden heraus, dass es umso so glaubhafter wirkte, je mehr ihre Dialoge sich überlappten, im Gegensatz zu der Ping-Pong-Version von Reggies Text, Rons Text, Reggies Text, die einfach ein bisschen unecht wirkt. Zum Glück kann Tom sich selbst brillant ins Wort fallen!” (dpa/KT)

Fotos: Studiocanal