Dienstag, 05. Januar 2016, 20:34 Uhr

Filmkritik: Eddie Redmayne ist "The Danish Girl"

Der britische Oscarpreisträger und Ausnahmetalent Eddie Redmayne (33, “Die Entdeckung der Unendlichkeit”) ist “The Danish Girl”. Der Film erzählt die Geschichte der Verwandlung des Landschaftsmalers Einar Wegener in sein wahres Ich: dass einer Frau.

Filmkritik: Eddie Redmayne ist "The Danish Girl"

Einar ist gefangen in dem Körper eines Mannes – eines Ehemanns. Seine Frau Gerda (Alicia Vikander) ist ebenfalls Malerin, beide verwirklichen sich mehr oder weniger erfolgreich im Kopenhagen der Zwanziger Jahre. Gerda ist die Wildere von beiden, sie experimentiert gern und steckt ihren Gatten auch mal in Frauenkleider, henkelt sich bei ihm ein und marschiert auf einen Empfang. Sie macht das eher zum Zwecke der Belustigung der feinen Gesellschaft und zur Demonstration von künstlerischer Wildheit. Er dagegen hat eine komplett andere Motivation, sich als Frau angezogen in der Öffentlichkeit blicken zu lassen. Einar gelingt die Verkörperung einer Frau so gut, dass Gerda die Figur völlig begeistert „Lilli“ tauft und fortan immer häufiger gemeinsam mit ihrem Mann dieses Rollenspiel auslebt.

Filmkritik: Eddie Redmayne ist "The Danish Girl"

Gerda ist auf die äußere Wirkung von Lilli aus, aber Einar kennt diese Lilli schon sehr lange. Er hat die Lilli in sich zu lange gedeckelt und abgewürgt und so wird aus dieser anfänglichen Maskerade die Reise eines Mannes zu einer Frau. Das zentrale Thema in “The Danish Girl” ist die Frage nach der Identität eines Menschen und wie quälend es sein kann, wenn diese nicht mit dem physischen Geschlecht übereinstimmt.

Die Eheleute Einar und Gerda Wegener haben eine, für sie sowohl verstörende wie zwingend notwendige Reise vor sich und natürlich verändert sich erdrutschartig alles mit Einears Entscheidung, eine geschlechtsanpassende Operation machen zu lassen – die erste dieser Art.

Dass die Transgender-Thematik endlich ohne den Skandalnudel-Touch einer überdrehten Verwechslungskomödie ins Kino gehört, ist unbestreitbar. Das Transgender ein wichtiges Thema ist, ist ebenfalls sonnenklar. Alle Zutaten sind blendend ausgesucht: die Schauspieler sind toll – allen voran Eddie Redmayne in seiner Darstellung der Entdeckung seiner Weiblichkeit, über die liebevoll fotografierten Ansichten europäischer Städte bis zu den wunderschönen Kostümen. Aber die Zutaten allein machen noch keinen interessanten Film. Schnarchlangweilig schleicht der Film in seiner Handlung voran, umständlich werden immer wieder die Szenen einer Ehe erzählt, Dialoge wie in den Schmonzetten des ZDF am Sonntagabend. doch funktioniert der Film nicht.

Fazit: das Thema Transgender ist top – aber die Umsetzung in “The Danish Girl” nach den Tagebüchern von Lilli Elbe ist trutschig bis klebrig-kitschig, behäbig und langatmig umständlich erzählt. “The Danish Girl” ist trotzdem wichtiges Aufklärungskino zum Thema Transgender. (Kathrin Wessel)

Fotos: Universal Pictures