Dienstag, 05. Januar 2016, 11:42 Uhr

Filmkritik "Jane Got A Gun": Ein Western mit Natalie Portman und Ewan McGregor

“Jane Got A Gun”, seit letzter Woche im Kino, ist eine merkwürdige Mischung aus Western, Historienschinken und irgendwo dazwischen wird die Geschichte der Emanzipation besagter Jane – dargestellt von der Oscarpreisträgerin Natalie Portman – erzählt.

Filmkritik "Jane Got A Gun": Ein Western mit Natalie Portman und Ewan McGregor

Der Film kommt als Western daher, aber unter diesem Deckmantel wird ein Thema transportiert, dass nicht so recht in diese Männerdomäne zu passen scheint. Kommen im klassischen Western wie “Rio Bravo” so beinharte Stories wie Viehtrieb, Feindschaft zwischen Clans oder Vater-Sohn-Konflikte vor, wird in “Jane Got A Gun” die Geschichte einer Frau erzählt, die pragmatisch geworden ist, aber nicht verbittert.

Jane (Natalie Portman) und ihr Mann Bill (Noah Emmerich) haben sich als Farmer am Rand der Welt eine scheinbar ruhige Existenz geschaffen. Nachwuchs ist auch da, ein kleines Mädchen rundet ihr privates Glück ab. Doch diese staubige Idylle trügt, Bill ist kein kreuzbraver Ehemann. In Rückblenden wird erzählt, wie Bill vor nicht allzulanger Zeit war er ein sehr aktives Bandenmitglied war, deren Anführer ein skrupelloser Typ ist, John Bishop (wunderbar: Ewan McGregor).

Filmkritik "Jane Got A Gun": Ein Western mit Natalie Portman und Ewan McGregor

Mit diesem Schmierlappen – dessen Haare – inklusive modischem Deppen-Schnauzer – wie mit rabenschwarzer Schuhwichse gefärbt aussehen, ist nicht gut Kirschen essen. John Bishop führt ein Transportunternehmen besonderer Art. Seine Kunden sind alleinreisend, meist weiblich und in Kinderbegleitung und eines Tages ist Jane mit im Treck der Planwagen gen Westen dabei. Warum hat Jane ausgerechnet diesen Gangster Bill geheiratet und nicht die Liebe ihres Lebens, Dan Frost?

Oscarpreisträgerin Natalie Portman als Jane Hammond zuzusehen ist wie immer eine Wonne, aber auch Joel Edgerton (“The Gift”) als ihr Ex-fiancé Dan Frost mausert sich langsam zu einem All-Time-Favourite. Der Schauspieler, Drehbuchator, Produzent und Regisseur ist immer öfter präsent und überzeugt durch seine Variabilität als auch Soveränität den unterschiedlichsten Stoffen gegenüber.

Fazit: Ein Kotzbrocken als Bandenboss, ein versiffter Typ, der an der Flasche hängt, ein guter “böser” Typ als Bauernopfer und mittenmang die wunderschöne starke Jane: Gehört das zu einer klassischen Rezeptmischung für einen Western? In “Jane Got A Gun” wird ein Crossover von Western und Emanzipationsdrama versucht mit – leider – mittelmäßigem Ausgang. Das Westerngenre ist quicklebendig und modern; aber Staub wird in diesem Western nur von Pferdehufen aufgewirbelt. (Kathrin Wessel)

Fotos: Universum