Donnerstag, 07. Januar 2016, 20:22 Uhr

Leonardo DiCaprio in "The Revenant": Das ist die wahre Story dahinter

„The Revenant – Der Rückkehrer”, 2016 ist eine im Vorfeld von der Kritik gefeierte epische Geschichte die vom Überlebenskampf in einer unwirtlichen Natur erzählt. Sie basiert auf tatsächlichen Ereignissen.

Leonardo DiCaprio in "The Revenant": Das ist die wahre Story dahinter

Bei einer Expedition tief in der amerikanischen Wildnis wird der legendäre Jäger und Abenteurer Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) von einem Bären attackiert und von seinen Jagdbegleitern (darunter wie immer großartig Tom Hardy), die überzeugt sind, dass er dem Tod geweiht ist, zurückgelassen. Allein und dem Tode nah, denkt Glass aber nicht daran aufzugeben. Gedreht wurde in rauer Wildnis, die exakt jener Umgebung entspricht, durch die Glass und sein Treck sich in den 1800er-Jahren bewegten.

Seit zwei Jahrhunderten ruft Hugh Glass’ Geschichte großes Erstaunen hervor. Selten ist ein Mann, ob körperlich oder geistig, so über sich hinausgewachsen. Über die frühen Jahre des historisch verbrieften, 1773 in Philadelphia geborenen Glass weiß man wenig, man mutmaßt jedoch, dass er in jungen Jahren als Pirat zur See gefahren ist. In den 1830ern reiste er in den Westen, 1823 unterschrieb er einen Arbeitsvertrag bei Captain Andrew Henry, der eine Expedition leitete, in deren Verlauf der Missouri River erforscht werden sollte. Als die Forscher nahe eines Ortes, den man heute als Lemmon, South Dakota, kennt, Halt machten, wurde Glass von einem Grizzlybären überfallen und schwer verletzt. Die Männer, die abgestellt wurden, um auf ihn aufzupassen, ließen ihn jedoch in Stich, weil sie fälschlicherweise annahmen, dass er bald sterben würde.

Glass selbst hat keine persönlichen Aufzeichnungen hinterlassen, es existiert lediglich ein an seine Eltern adressierter Brief, in dem er von einem Begleiter erzählt, der von den Arikara-Indianern getötet wurde. Als er nach dem Bärenangriff unerwartet lebendig auftauchte, war dies eine Sensation, die in allen Zeitungen landesweit für Schlagzeilen sorgte. Seit jenen Tagen sind immer wieder Biographien und Bücher über Glass erschienen, aber erst 2002 publizierte Michael Punke den ersten ernstzunehmenden, sorgfältig recherchierten Roman über den Trapper und dessen Leben: The Revenant: A Novel of Revenge. (Der Totgeglaubte). Interessanterweise arbeitete Punke auch als Handelsvertreter und hat sich von Kindheit an mit dem Leben der Trapper beschäftigt und sich dabei besonders für Glass interessiert. So ist wohl das detailreichste Buch entstanden, das je über den legendären Mountain Man verfasst wurde.

In ‘Publishers Weekly’ wurde der Roman, der besonders von Lesern von Abenteuergeschichten geschätzt wird, wie folgt gepriesen: „Eine faszinierende Mär über Heroismus und einen obsessiven Rachefeldzug.” Zu den Fans des Buches zählen auch die Produzenten Steve Golin, Keith Redmon und David Kanter, die die Firma Anonymous Content betreiben.

Leonardo DiCaprio in "The Revenant": Das ist die wahre Story dahinter

„Ich war schon immer ein Fan von Survival-Filmen, die in der Wildnis spielen und dachte mir gleich, dass dieser Roman sich hervorragend als Basis für ein ungewöhnliches, andersartiges Kinoabenteuer eignen würde”, erinnert sich Golin. „Für David, Keith und mich war er eine lange gemeinsame Reise und es hat uns große Freude gemacht, dass wir den Roman mit viel künstlerischem Willen und außergewöhnlich talentierten Mitarbeitern entsprechend umsetzen konnten. Das war alles andere als leicht, aber das Ergebnis hat sämtliche Mühen gelohnt.”

Als Drehbuchautor verpflichtete “Anonymous Content” Mark L. Smith. Er sah in seinem Drehbuch die Chance, den Zuschauern eine amerikanische Wildnis zu vermitteln, wie man sie sich in unserer heutigen, hoch technisierten Gesellschaft kaum noch vorzustellen vermag. „Wenn man in den 1820ern in der Wildnis zurückgelassen wurde, dann war man wirklich in der Wildnis. Man konnte nicht einfach zum iPhone greifen”, witzelt Smith. „Glass erlebt Dinge, die man sich kaum vorzustellen vermag. Er stürzt einen Wasserfall hinab oder verteidigt einen erlegten Büffel vor Wölfen. Sein Leben ist ein einziges gefährliches Abenteuer, aber auch eine reiche, spirituelle Reise. Mir schwebte gleich ein unglaublich visuelles Spektakel vor.”

Leonardo DiCaprio in "The Revenant": Das ist die wahre Story dahinter

Dieser Traum ging in Erfüllung, als Alejandro González Iñárritu sein Interesse bekundete, Regie zu führen. Er wollte das Publikum in eine unbekannte, faszinierende Welt entführen – und dabei doch zugänglich und verständlich bleiben. „Diese Geschichte ist so ganz anders als alles andere, was Alejandro bislang gemacht hat. Ich war zunächst geradezu geschockt, dass er hier mitmachen wollte”, gibt Smith unumwunden zu. „Aber in dem Moment, in dem er sich mit meinem Skript auseinanderzusetzen begann, erwachte es förmlich zum Leben. Er ist so voller Hingabe, so kreativ. Es war eine tolle Zusammenarbeit.”

Beim Verleih New Regency war man begeistert, mit Iñárritu kooperieren zu dürfen. CEO und Präsident Brad Weston meint dazu: „Wir stimmten vollkommen mit Alejandros Vision überein – wir verstanden die Herausforderungen, die nötig waren, um dieses epische Abenteuer entsprechend umzusetzen. Wir hatten hier die Möglichkeit, zu den Wurzeln unserer Firma zurückzukehren. Unser Unternehmen, so haben wir es uns auf die Fahnen geschrieben, setzt sich voll für seine Filmemacher und deren Vorstellungen ein. Wir erkannten, dass es sich hierbei um ein überaus künstlerisches Projekt handelte, das gleichzeitig aber auch über reichlich Massenappeal verfügte.”

Für DiCaprio war Iñárritus Mitarbeit am Drehbuch unübersehbar. Er hatte diesem deutlich seinen Stempel aufgedrückt. „Als Alejandro an Bord kam, war das für mich ein zusätzlicher Anreiz, weil er ein so einzigartiger Filmemacher ist”, weiß der Schauspieler. „Er versteht es einfach, das Publikum mit seinen Filmen in den Bann zu schlagen. Einerseits hat man es hier mit einer einzigartigen, existenzialistischen Überlebensstudie zu tun, andererseits versteht es Alejandro, mit unterschiedlichsten Nuancen viel Subtext in den Plot einzubringen.”

Da nur einige wenige historische Fakten bekannt sind, setzte die Story viel Vorstellungskraft voraus. Zwei simple Worte verdeutlichen den Ansatz von Iñárritu und Smith: kulturelle Authentizität. „Alles wurde sehr sorgfältig recherchiert, beispielsweise wie die Frontiersmen sprachen oder welche Werkzeuge sie benutzten. Das Publikum sollte die Möglichkeit bekommen, vollständig in diese historische Welt einzutauchen”, sagt Smith.

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Iñárritu machte es sich zur Aufgabe, eine vergangene Welt wiederzubeleben. Am ersten Drehtag versammelte er das Team am Ufer des Bow River in Alberta – und schon bald fanden sich die Schauspieler für eine actiongeladene Szene im eiskalten Wasser wieder. Jeder kam so zu seiner roten Nase. Craig Falcon vom Stamm der Blackfoot, beriet das Team in kulturellen Fragen und leitete – unterstützt von den Stammesältesten der örtlichen Stoneys – eine Zeremonie, bei der der Film und das Land gesegnet wurden. Alles sollte unter einem guten Stern stehen. Nachdem das Ritual abgeschlossen war, bat Iñárritu die rund 300 anwesenden Leute, sich schweigend bei den Händen zu nehmen. Dann schritt man gemeinsam in den Fluss hinein und verstreute Rosenblüten. Das Abenteuer Dreharbeiten nahm seinen Lauf…

Leonardo DiCaprio in "The Revenant": Das ist die wahre Story dahinter

Fotos: FOX